Kanadisches Kartellamt: Nestlé und Mars sollen Schoko-Kartell gebildet haben

Verpackung für Mars-Riegel: Angeblich Preise für Schokolade abgesprochen Zur Großansicht
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Verpackung für Mars-Riegel: Angeblich Preise für Schokolade abgesprochen

Kanadische Behörden haben dem Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé und dem weltweit größten Schokoladenhersteller Mars illegale Preisabsprachen bei Schokoriegeln wie Snickers, Bounty oder Twix vorgeworfen. Den Unternehmen drohen bis zu sieben Millionen Euro Geldstrafen.

Ottawa/Toronto - Schokoladenfirmen wie Nestlé und Mars stehen in Kanada unter dem Verdacht, Preise abgesprochen zu haben. Diesen Vorwurf erhebt die Kartellbehörde in Ottawa und stellte Strafantrag. Die Unternehmen selbst wiesen die Anschuldigungen zurück. "Preisabsprachen sind eine strafbare Handlung", sagte Kartellamtschef John Pecman. Es handle sich um "ungeheuerliches wettbewerbsfeindliches Benehmen", das den kanadischen Verbrauchern schade und eine "ernste Straftat" darstelle.

Bei Ermittlungen seien Beweisstücke für eine Verschwörung gefunden worden, bei der die Preise für Schokoladenprodukte festgelegt wurden. Von den Preisabsprachen betroffen waren nach Angaben der Kartellbehörde bekannte Marken wie Kitkat, Twix, Snickers, Bounty und M&Ms. Das Amt stützt sich bei den Vorwürfen vor allem auf einen Kronzeugen: den amerikanischen Süßwarenkonzern Hershey's. Im Gegenzug kann dieser damit rechnen, ohne Strafe davonzukommen.

Die Tochtergesellschaft Hershey Canada erklärte in einer Stellungnahme, sich schuldig bekennen zu wollen, im Jahr 2007 mit Konkurrenten über Preise gesprochen zu haben. Man habe dies aber sofort der Kartellbehörde gemeldet und die besprochenen Preisanhebungen seien nie erfolgt.

Neben den Konzernen Nestlé und Mars beschuldigen die Wettbewerbshüter auch drei frühere oder heutige Manager der beiden Unternehmen sowie eines kanadischen Lebensmittelgroßhändlers. Bei einem Schuldspruch drohen ihnen bis zu fünf Jahre Gefängnis und Geldstrafen in Höhe von umgerechnet bis zu sieben Millionen Euro.

Nestlé und Mars kündigten an, sich vehement gegen die Vorwürfe zur Wehr zu setzen. In Deutschland hatte das Bundeskartellamt 2008 Ermittlungen wegen des Verdachts auf illegale Preisabsprachen für Schokoladenprodukte gegen sieben Unternehmen eingeleitet, darunter Nestlé und Mars. Die Unternehmen hatten die Preiserhöhungen damals mit den erhöhten Rohstoffkosten begründet.

Im März verhängte das Bundeskartellamt gegen Nestlé Deutschland ein Bußgeld in Höhe von rund 20 Millionen Euro wegen unzulässigen Austauschs wettbewerbsrelevanter Informationen mit anderen Unternehmen. Zuvor waren bereits Kraft Foods Deutschland, Unilever Deutschland und die August Oetker KG mit Bußgeldern von etwa 38 Millionen Euro bestraft worden.

nck/AFP/dpa

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insgesamt 28 Beiträge
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1.
vogel0815 07.06.2013
Zitat von sysopKanadische Behörden haben dem Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé und dem weltweit größten Schokoladenhersteller Mars illegale Preisabsprachen bei Schokoriegeln wie Snickers, Bounty oder Twix vorgeworfen. Den Unternehmen drohen bis zu sieben Millionen Euro Geldstrafen. Nestlé und Mars bildeten in Kanada Schokokartell - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/nestle-und-mars-bildeten-in-kanada-schokokartell-a-904291.html)
7 Mio€? Das wird denen aber ganz dolle Aua tun...
2. 7 Millionen nur?
kiltbear 07.06.2013
Das ist für Mars und Nestlé doch bloss ein Trinkgeld. Das zahlen die doch aus der Portokasse.
3.
aufklarer 07.06.2013
Zitat von vogel08157 Mio€? Das wird denen aber ganz dolle Aua tun...
In der Tat. Nehmen wir mal an: - 6 Jahre Monopolpreise (=30 Cent pro Riegel mehr) - Absatz pro Jahr 100 Millionen Riegel (jeder Kanadier isst 2,5 pro Jahr) => 6 * 0,3 * 100 Millionen = 180 Millionen Zusatzgewinn! Abzgl. der lächerlichen 7 Millionen immer noch ein super Geschäft. Und da wundert man sich, dass diese Fälle immer wieder auftreten. Die Politik WILL nicht wirklich durchgreifen. Denn obige Rechnung kann und wird auch jedes Kartellamt aufmachen.
4.
aufklarer 07.06.2013
Zitat von vogel08157 Mio€? Das wird denen aber ganz dolle Aua tun...
Nachtrag: Übrigens immer wieder schön zu beobachten, dass der journalistische Mehrwert (kritisch hinterfragen, objektiv einordnen, unvoreingenommen analysieren) im Forum stattfindet und nicht im Artikel. Auch jeder Redakteur hätte diese Rechnung aufmachen können... Pressemeldungen aggregieren und News Schnipsel zusammentragen können auch Google News, Twitter und Konsorten. Also liebe Redaktion, besinnt euch darauf, was euer Mehrwert sein sollte!
5. Die armen!
trompetenmann 07.06.2013
Ob 7 Mio. € in deren Bilanzen überhaupt auffallen?
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