Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Netz AG: Umweltministerium will Stromnetze verstaatlichen

Das Bundesumweltministerium treibt die Pläne für eine Netz AG voran: Die vier deutschen Übertragungsnetze sollen zusammengeführt werden - unter Beteiligung des Bundes. Bestätigt sieht sich das Ministerium durch ein eigens in Auftrag gegebenes Gutachten.

Strommast in Dorsten: "Technische, organisatorische und klimaschutzpolitische Vorteile" Zur Großansicht
AP

Strommast in Dorsten: "Technische, organisatorische und klimaschutzpolitische Vorteile"

Düsseldorf - Wenige Wochen vor der Bundestagswahl prescht Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) mit einem überraschenden Vorschlag vor: Das von ihm geführte Ministerium fordert nun die Gründung einer deutschen Netz AG unter Beteiligung des Bundes. "Die Zusammenführung der vier Übertragungsnetze in eine bundesweite Gesellschaft hat immense technische, organisatorische und klimaschutzpolitische Vorteile", sagte Umweltstaatssekretär Matthias Machnig am Donnerstag. Ein vom Minister in Auftrag gegebenes Gutachten belege, dass mit einem solchen Schritt eine effiziente Netzstruktur geschaffen werden könne.

"Die Deutsche Netz AG sollte im Wesentlichen für den Betrieb und Ausbau des Übertragungsnetzes verantwortlich sein, braucht aber nicht zugleich Eigentümerin der Netzanlagen zu sein", heißt es in dem Gutachten. Die Experten sprechen sich für eine Beteiligung des Bundes von 25,1 Prozent an der Betriebsgesellschaft aus.

Die Höchstspannungsnetze in Deutschland gehören E.on, RWE, Vattenfall und EnBW. Die Konzerne E.on und Vattenfall haben bereits angekündigt, ihre Netze zu verkaufen. RWE und EnBW haben dagegen erklärt, sie auf jeden Fall behalten zu wollen. Nach Angaben mehrerer mit den Verhandlungen vertrauter Personen spricht Vattenfall exklusiv mit einem Konsortium um Fonds von Goldman Sachs, Deutsche Bank und Allianz über einen Verkauf. Auch bei E.on haben sich nach Konzernangaben Interessenten für das Stromnetz gemeldet.

Staatssekretär mahnt zügigen Netzausbau an

"Es bestehen Zweifel, ob die Unternehmen genug in die Modernisierung und den Ausbau der Netze investieren", erklärte Machnig. Über die vorgeschlagene Beteiligung des Staates könne dieser die notwendigen Investitionen in die Netze beeinflussen. Der SPD-Politiker verwies darauf, dass insbesondere für den von der Bundesregierung angestrebten Ausbau erneuerbarer Energien und den Anschluss neuer Kraftwerke die Netze modernisiert werden müssten. "Die bisherige Erfahrung zeigt, dass den Unternehmen ein zielgerichteter und rechtzeitiger Netzausbau nicht gelingt."

Ein Sprecher von EnBW wies dies zurück. "Das deutsche Stromnetz ist mit den niedrigsten Stromausfallzeiten höchst effizient." Dies belege, dass die privaten Netzbetreiber ausreichend investierten. Ein weiterer Ausbau der Netze sei auch nicht abhängig davon, ob diese in privater oder staatlicher Hand seien. RWE erklärte: "Die 'Deutsche Netz AG' kann nicht Zweck an sich sein." Sie sei weder für mehr Wettbewerb notwendig noch für mehr Effizienz im Netz, mehr Investitionen und Versorgungssicherheit. "Wir halten an unserem Stromnetz fest."

In dem vom Bundesumweltministerium in Auftrag gegebenen Gutachten heißt es, dass verschiedene Funktionen wie Netzbetrieb und Netzausbau auf Zweckgesellschaften übertragen und teilweise veräußert werden könnten. An diesen könnten sich wie auch an der Netz AG der Bund, Finanzinvestoren und ausländische Netzbetreiber beteiligen. "Mittel- bis langfristig ist eine Börsennotierung der Deutschen Netz AG sinnvoll."

yes/Reuters

Diesen Artikel...
Forum - Stromnetze verstaatlichen - oder verkaufen?
insgesamt 821 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
MarkH, 06.09.2008
Zitat von sysopDie SPD-Politikerin Ypsilanti will die Stromnetze verstaatlichen, Energiekonzerne wollen sie an ein Konsortium verkaufen - was ist der richtige Weg zu einer fairen, sicheren Stromversorgung in Deutschland?
Die Stromnetze würde ich nicht verstaatlichen. Verstaatlichen würde ich eher die Energiekosten
2.
wkmgh 06.09.2008
Zitat von sysopDie SPD-Politikerin Ypsilanti will die Stromnetze verstaatlichen, Energiekonzerne wollen sie an ein Konsortium verkaufen - was ist der richtige Weg zu einer fairen, sicheren Stromversorgung in Deutschland?
Verstaatlichen ? Sind Sie wahnsinnig ? Wo bleiben dann die Pöstchen für abgehalfterte Politiker ? Nein, beim besten Willen, das geht nicht.
3.
taurusbeat 06.09.2008
Verstaatlichen,und zwar komplett. Warum nur das Netz? So sinnvoll die Freie Marktwirtschaft sonst ist,bei der Energie hört der Neoliberale Spaß einfach auf.
4.
Ion, 06.09.2008
Zitat von sysopDie SPD-Politikerin Ypsilanti will die Stromnetze verstaatlichen, Energiekonzerne wollen sie an ein Konsortium verkaufen - was ist der richtige Weg zu einer fairen, sicheren Stromversorgung in Deutschland?
Stromnetze und Energiekonzerne verstaatlichen.
5. Sicher wollen die die Stromnetze verkaufen!
Machine 06.09.2008
Ob des schlechten Zustandes der Netze und der anstehenden Investitionen ist das keine schlechte Idee. Klar, damit gehen natürlich die schönen Leitungsmieten flöten und man hat die Opf... ähm... Kunden nicht mehr so am Wickel, aber ich bin sicher, dass die Konzerne eine Lösung finden werden, ihre Gewinne gleichbleibend hoch zu halten. Da ist das eine Jahr eben der eine und das nächste Jahr der andere der günstigere Anbieter. Irgendwoher muss der Strom letztendlich kommen, nicht wahr? Gruß Machine
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: