Stromdiscounter Netzbetreiber fordern Millionen von Care Energy

Auf den Stromdiscounter Care Energy kommen hohe Forderungen zu: Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen erwarten drei Übertragungsnetzbetreiber wegen angeblich nicht gezahlter Ökostrom-Umlage Nachzahlungen in Höhe von acht bis zehn Millionen Euro. Care Energy weist dies zurück.

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Care-Energy-Chef Kristek am Mittwoch in Hamburg: Ärger um Stromdiscounter
SPIEGEL ONLINE

Care-Energy-Chef Kristek am Mittwoch in Hamburg: Ärger um Stromdiscounter


Hamburg - Die umstrittene Firmengruppe Care Energy sieht sich hohen Forderungen ausgesetzt. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE rechnen drei Übertragungsnetzbetreiber mit Rückzahlungen von insgesamt acht bis zehn Millionen Euro. Amprion, Tennet und 50 Hertz haben eine Firma der Care-Energy-Gruppe - die mk-energy Ihr Energieversorger GmbH & Co. KG - verklagt, weil die für einen längeren Zeitraum keine Umlage für Ökostrom gezahlt hatte.

Die mk-energy stellte bei den drei Übertragungsnetzbetreibern im Herbst beziehungsweise Winter 2012 die Zahlung der EEG-Umlage ein. Nach Ablauf des Mahnverfahrens verklagten die Netzbetreiber die mk-energy auf Nachzahlung. Im Frühjahr 2013 beantragte ein Anwalt im Namen der mk-energy, die Klage abzuweisen. Den Klägern stehe "kein Anspruch auf die in Rechnung gestellten Beträge zu", teilte er mit.

In dem Firmengeflecht der Care-Energy-Gruppe gibt es nach Darstellung des Anwalts einen Netzbetreiber, die mk-grid Ihr Netzbetrieb GmbH & Co. KG. Die Kunden von Care Energy erteilten diesem eine Vollmacht zum Betrieb ihres Hausnetzes. Dadurch sei die mk-grid der einzige Kunde des Stromlieferanten mk-energy, heißt es in dem Schreiben des Anwalts. Der Strom werde also an einen Netzbetrieb geliefert und nicht an einen Letztverbraucher. Laut Paragraf 37, Absatz 2 des Erneuerbare-Energien-Gesetzes müssten aber nur Letztverbraucher EEG-Umlage zahlen.

Amprion, Tennet und 50 Hertz halten die Argumentation nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen für nicht zulässig. Keines der drei Unternehmen wollte zum Streit mit Care Energy Stellung nehmen, weil in Kürze Gerichtsverhandlungen mit dem Stromdiscounter anstehen.

Widersprüchliche Aussagen

Auf einer Pressekonferenz am Mittwoch hatte sich Care-Energy-Gründer Martin Kristek gegen den Vorwurf gewehrt, er wolle sich um die EEG-Umlage drücken. Er räumte allerdings ein, dass die mk-energy den drei klagenden Netzbetreibern tatsächlich Zahlungen vorenthalte. Denn diese verlangten fälschlicherweise die volle EEG-Umlage von ihm. Da die mk-energy aber hundertprozentigen Ökostrom liefere, müsse er laut dem sogenannten Grünstrom-Privileg nur eine verringerte EEG-Umlage zahlen, so seine Begründung.

Die offenen Forderungen bezifferte Kristek auf 2,7 Millionen Euro. Die möglichen Gesamtforderungen von acht bis zehn Millionen Euro nannte Care Energy auf schriftliche Anfrage von SPIEGEL ONLINE "unzutreffend". In jedem Fall habe man "entsprechende Rücklagen gebildet" und werde alle offenen Forderungen begleichen, sobald die Netzbetreiber ihre Rechnung korrigiert hätten.

Kristek argumentiert mit dem Grünstrom-Privileg. Doch von diesem ist in der Klageerwiderung des Care-Energy-Anwalts nie die Rede. Es geht immer um die volle EEG-Umlage. Zudem hat mk-energy bei den Netzbetreibern bislang nicht den Nachweis erbracht, dass sie wirklich Ökostrom bezieht. Dies wäre aber Voraussetzung, um in den Genuss des Grünstrom-Privilegs zu kommen.

Die Care-Energy-Gruppe verkauft ihren Strom für 19,90 Cent die Kilowattstunde - und unterbietet die Konkurrenz damit im Schnitt um 40 Prozent. Der Anbieter liefert nach eigenen Angaben an mehr als 250.000 Kunden.

Zuletzt hatte es Zweifel gegeben, ob das Geschäftsmodell der Firmengruppe tragfähig ist. Kristek sagt, man wirtschafte "voll kostendeckend". Ob dem tatsächlich so ist, lässt sich nicht nachprüfen, weil mehrere Firmen der Unternehmensgruppe ihre Bilanzen nicht veröffentlicht haben. Das Bundesamt für Justiz hat deshalb ein Ordnungsgeldverfahren eingeleitet.

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insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
Aquifex 17.05.2013
1.
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEAuf den Strom-Discounter Care Energy kommen hohe Forderungen zu: Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen erwarten drei Übertragungsnetzbetreiber wegen angeblich nicht gezahlter Ökostrom-Umlage Nachzahlungen in Höhe von acht bis zehn Millionen Euro. Care Energy weist dies zurück. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/netzbetreiber-verlangen-mindestens-acht-millionen-euro-von-care-energy-a-900557.html
Warum muß man denn keine EEG Umlage zahlen, wenn man reinen Ökostron bezieht?
politik-nein-danke 17.05.2013
2. optional
ich weiß nicht was das alles soll, mit diesen Firmen...ich beziehe meinen Strom bei den lokalen Stadtwerken...kann meinen Liefervertrag jederzeit mit Frist von 4 Wochen zum Monatsende kündigen und meinen moderaten Abschlag kann ich per Dauerauftrag zahlen..... bisher hab ich auf allen Vergleichsportalen keinen günstigeren Anbieter gefunden zu vergleichbaren Rahmenbedingungen....alle Anbieter die günstiger waren wollten mich knebeln mit Festverträgen über mindestens 1 Jahr und automatischen Verlängerungen wenn man nicht zu komischen Fristen kündigt....und letztendlich war der Strom da auch nicht günstiger, sondern nur über irgendwelche "Neukundenprämien" die dann auf den monatlichen Abschlag verrechnet waren künstlich runtergerechnet...
sabaidii 17.05.2013
3. Wer schreiben kann sollte auch rechnen können
"Die Care-Energy-Gruppe verkauft ihren Strom für 19,90 Cent die Kilowattstunde - und unterbietet die Konkurrenz damit im Schnitt um 40 Prozent." Dann müsste eine kWh im Schnitt 33,17 Cent kosten. Das wäre mir neu.
soulbrother 17.05.2013
4.
Zitat von AquifexWarum muß man denn keine EEG Umlage zahlen, wenn man reinen Ökostron bezieht?
Weil so die Direktvermarktung (ohne EEG-Förderung) vorangetrieben wird. (Der Stromhändler kauft direkt von Anlagenbetreibern und bietet ihnen etwas mehr als sie über die EEG-Förderung bekommen würden. So verringert sich der Anteil der über EEG geförderten Anlagen. Dies will man mit dem Grünstromprivileg vorantreiben.)
wolfgangm71 17.05.2013
5. @Aquifex
Deswegen: http://de.wikipedia.org/wiki/Grünstromprivileg
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