Attacke vor Gericht Netzbetreiber wollen elf Prozent Rendite erklagen

Sie bekommen schon jetzt teils neun Prozent Rendite vom Staat garantiert - doch das reicht manchen Stadtwerken und Netzbetreibern nicht. Vor Gericht fordern sie nun mehr als elf Prozent. Zahlen sollen das die Stromverbraucher - über Aufschläge auf ihre Rechnung.

Strommast: Netzbetreiber fordern höhere Rendite
dapd

Strommast: Netzbetreiber fordern höhere Rendite


Düsseldorf - Elf Strom- und Gasnetzbetreiber wollen vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht höhere Gewinne durchsetzen. Sie halten eine Verzinsung des Eigenkapitals von 9,3 Prozent für Neuanlagen und 7,6 Prozent für Altanlagen für zu niedrig. Diese Zinssätze hatte ihnen die Bundesnetzagentur bei der Berechnung der staatlich regulierten Netzentgelte zugestanden.

Die Unternehmen fordern nun mehr als elf Prozent. Das würde für die Stromverbraucher teuer. Höhere Zinsen würden als höhere Netzentgelte auf ihre Strom- und Gaspreise umgelegt. Schon jetzt machen die Netzentgelte rund 23 Prozent des Gas- und Strompreises von Haushaltskunden aus.

Zu den Klägern gehören Stadtwerke, aber auch große Gasnetzbetreiber wie Ontras-VNG, Thyssengas oder Gasunie. Der dritte Kartellsenat des Düsseldorfer Oberlandesgerichts startete am Donnerstag eine Anhörung. Der Termin für eine Entscheidung stand noch nicht fest.

Der Vorsitzende Richter, Wiegand Laubenstein, machte den Klägern wenig Hoffnung. Das Gericht halte das von der Aufsichtsbehörde gewählte Berechnungsmodell für angemessen, sagte er. Die Vorgaben der Bundesnetzagentur müssten zudem lediglich plausibel und vertretbar sein.

Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Ulrich Kelber, zeigte sich empört über die Klage der Netzbetreiber. "Das Ansinnen ist dreist. Sie betreiben die Netze weitgehend risikolos", sagte er. Die derzeitige Renditen von 7,6 bis 9,3 Prozent seien mehr als auskömmlich.

ssu/dpa-AFX

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Seite 1
viceman 13.09.2012
1. was ist das für eine "marktwirtschaft"?
Zitat von sysopdapdSie bekommen schon jetzt teils neun Prozent Rendite vom Staat garantiert - doch das reicht manchen Stadtwerken und Netzbetreibern nicht. Vor Gericht fordern sie nun mehr als elf Prozent. Zahlen sollen das die Stromverbraucher - über Aufschläge auf ihre Rechnung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,855720,00.html
der staat garantiert denen eine irsinnsverzinsung von fast 10 % und die sind immer noch nicht zufrieden ? die sollten sich mal an anderen branchen der "realen + freien" wirtschaft orientieren. ein guter anlaß denen die renditen gleich auf "normalmaß" runterzusetzen, das bringt sicher einiges an einsparung bei den energierechnungen! aber, so wie das "system" arbeitet befindet der richter sicher zugunsten dieser geldgierigen .......
nicolo1782 13.09.2012
2. Gier ist geil
Da wird der einfache Sparer z.Zt. mit 1,x % abgespeißt aber diese Herrschaften wollen 11%. Und das, wo sich ihrer Gier keiner entziehen kann.
discuss 13.09.2012
3. Jetzt kommen sie wieder...
Zitat von nicolo1782Da wird der einfache Sparer z.Zt. mit 1,x % abgespeißt aber diese Herrschaften wollen 11%. Und das, wo sich ihrer Gier keiner entziehen kann.
... die uninformierten Geiferer. Fragen sie doch mal nach worauf die Herrschaften 11% haben wollen, bzw. worauf sie derzeit 9,3% bekommen? Wenn sie die Antwort haben, werden sie schnell feststellen, dass die Basis zur Berechnung der Rendite ganz viel ausklammert. Das ist dann so als ob sie 1000 Euro zur Bank bringen, aber nur auf 500 davon Zinsen bekommen. Da würden sie doch auch maulen. Außerdem gilt ja wohl auch noch, dass eine Rendite höher ausfallen darf, wenn das Risiko überdurchschnittlich ist. Ein Gasnetzbetreiber hat ein enormes Risiko zu tragen. Wer gute Arbeit macht, darf auch gutes Geld verdienen. Die Netzbetreiber (bitte erinnern sie sich, dass Netzbetreiber und Stromproduzenten nichts mehr miteinander zu tun haben) in Deutschland liefern Strom und Gas so zuverlässig wie ein keinem anderen Land dieser Welt, dass über eine ähnliche komplexe Infrastruktur verfügt. Damit das so bleibt, müssen attraktive Investitionsbedingungen herrschen. Ich kenne Netzbetreiber, die wegen der Drangsalierung der Bundesnetzagentur ihre Sanierungsquote auf 0,3% pro Jahr zurückgefahren haben. Das heißt, das eine heute verlegte Leitung in 333 Jahren erneuert wird. Adieu Zuverlässigkeit! Und warum das Alles? Weil man die Netzkosten um 10% senken will. Wer auf seine Stromrechnung schaut, stellt fest, dass die Netzkosten etwa 20% des Gesamtpreises ausmachen. 10% von 20% sind 2%. Na super. Und dafür wurde ein Bürokratiemonster (Bundesnetzagentur) geschaffen, dass diese Einsparung mehr als auffrisst. In der ersten Regulierungsperiode sind gerade bei kleineren Netzbetreibern die Kosten um über 10% gestiegen; und zwar nur wegen des erhöhten Dokumentationsaufwandes gegenüber der Bundesnetzagentur. Zusätzlich kosten die Beamten bei der Bundesnetzagentur Geld. Wenn die Kosten zur Erzielung einer Einsparung höher sind, als die Einsparung selber, ist doch was faul. Da gönne ich doch lieber den Netzbetreibern von mir aus auch 12 oder 13% Rendite, wenn dafür wenigstens die Versorgungssicherheit bestehen bleibt.
gunnarqr 13.09.2012
4. Warum sind wir/die Wähler so vergesslich?
Es wird Zeit die Parteien die solche Gesetze beschließen abzustrafen
günter1934 13.09.2012
5. Netzbetreiber
Können Netzbetreiber eigentlich Pleite gehen? Und wir stehen dann alle ohne Strom da? Das ist eigentlich noch ein viel härteres Argument, als die Flugbegleiter in der Hand haben!
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