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Neue EZB-Kreditspritze: Banken wollen sich eine Billion Euro leihen

Europas Banken brauchen offenbar schon wieder deutlich mehr Geld, um die Gefahr einer Kreditklemme abzuwenden. Wie die "Financial Times" berichtet, planen die größten Geldinstitute der Euro-Zone, ihre Notkredite bei der Notenbank auszuweiten - auf bis zu eine Billion Euro.

Europäische Zentralbank in Frankfurt am Main: Bereit zur nächsten Geldspritze Zur Großansicht
DPA

Europäische Zentralbank in Frankfurt am Main: Bereit zur nächsten Geldspritze

Frankfurt am Main - Die günstigen Kredite der Europäischen Zentralbank scheinen einfach zu versickern: Fast 500 Milliarden Euro hat sie den Banken der Euro-Zone kurz vor Weihnachten geliehen - jetzt wollen sie offenbar mehr. Einige der größten Euro-Banken wollen sich Ende Februar zwei bis drei Mal so viel Geld leihen, berichtet die "Financial Times".

"In der zweiten Runde werden die Banken nicht mehr so vorsichtig sein", zitiert das Blatt den Chef einer Bank des Euro-Raums. "Wir hätten schon beim ersten Mal mehr Geld leihen sollen." Mindestens drei Bankenvorstände hätten den Plan, ihre Kredite von Mitte Dezember zu verdoppeln oder gar zu verdreifachen. Demnach rechnet auch die US-Investmentbank Goldman Sachs mit einer Verdopplung der EZB-Kredite auf eine Billion Euro. Es könne sogar "weit mehr sein, wenn sich die Lage an den Märkten verschlimmert", zitiert die "FT" einen Goldman-Manager.

Im Dezember hatte die EZB unter ihrem neuen Präsidenten Mario Draghi das erste von zwei langfristigen Refinanzierungsgeschäften aufgelegt. Die Banken konnten sich so viel Geld leihen, wie sie wollten - für drei Jahre und zum extrem niedrigen Zinssatz von einem Prozent.

Prall gefüllte "Angstkasse" statt Kredite an die Wirtschaft

Erklärtes Ziel Draghis war es, eine Kreditklemme zu verhindern und die Finanzmärkte zu beruhigen. Mehr als 500 Banken hatten sich an der Auktion beteiligt und Darlehen in Höhe von knapp 490 Milliarden Euro aufgenommen - am 29. Februar haben sie dazu erneut die Möglichkeit.

Das Kalkül der EZB: Die Banken investieren das billige Geld gewinnbringend in europäische Staatsanleihen und drücken so die Finanzierungskosten für gebeutelte Euro-Staaten wie Griechenland, Portugal, Italien, Spanien und Irland. Am Montag hatten die Renditen allerdings wieder angezogen: Portugal musste für zehnjährige Staatsanleihen mehr als 17 Prozent Zinsen zahlen.

Die Hoffnung, dass der Riesenkredit im Dezember die Märkte nachhaltig beruhigt, hat sich jedenfalls nicht erfüllt. Die Banken parkten im Gegenteil große Summen bei der EZB - die kurzfristigen Einlagen, die sogenannte Angstkasse, war Mitte Januar auf den Rekordstand von mehr als 500 Milliarden Euro gestiegen.

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1. xxx
Schleswig 31.01.2012
Zitat von sysopEuropas Banken brauchen offenbar schon wieder deutlich mehr Geld, um die Gefahr einer Kreditklemme abzuwenden. Wie die "Financial Times" berichtet, planen die größten Geldinstitute der Eurozone, ihre Notkredite bei der Notenbank auszuweiten - auf bis zu eine Billion Euro. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,812341,00.html
Die Banken haben von Griechenland sehr schnell gelernt, lieber ein Schuldner zu sein. Mit anderen Worten wir sind jetzt Geisel der Verschuldeten. Der Wahnsinn hat sich potenziert.
2. Immer die gleichen, Versagen wird nicht abgestraft
ofelas 31.01.2012
Zitat von sysopEuropas Banken brauchen offenbar schon wieder deutlich mehr Geld, um die Gefahr einer Kreditklemme abzuwenden. Wie die "Financial Times" berichtet, planen die größten Geldinstitute der Eurozone, ihre Notkredite bei der Notenbank auszuweiten - auf bis zu eine Billion Euro. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,812341,00.html
Koennen wir die Banken bitte benennen, dann sehen wir wer hier die internen Investitionskriterien (Risikomanagement bei der Kreditvergabe) nicht eingehalten hat. Wo war die BaFin oder andere Aufseher?
3. Es geht schon wieder los
vinodissimo 31.01.2012
Zitat von sysopEuropas Banken brauchen offenbar schon wieder deutlich mehr Geld, um die Gefahr einer Kreditklemme abzuwenden. Wie die "Financial Times" berichtet, planen die größten Geldinstitute der Eurozone, ihre Notkredite bei der Notenbank auszuweiten - auf bis zu eine Billion Euro. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,812341,00.html
Mehr Geld? Sicherlich müssen in 2012 die Boni der Vorstände deutlich erhöht werden.
4. Genau: Das ist - Spritze! Drogen für alle ...
Hagen65 31.01.2012
Für den richtigen Kick braucht der Junkie natürlich immer eine höhere Dosis, die per Nullen-Generierung von der EZB unter die Vorstände gebracht wird. Wenn die Nullen eines Tages zu Papierbergen werden, will es keiner gewesen sein.
5. Wie Anno 1923
süßesusi 31.01.2012
Und wo kommt die frische Billion her? Die hat die EZB doch nicht einfach so im Keller liegen. Das ist neu geschaffenes Buchgeld, der Wert der umlaufenden Euros wird entsprechend vermindert. Das endet in der Hyperinflation wie damals.
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