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Neue Felder entdeckt: Ölindustrie erntet Früchte des Booms

Noch vor kurzem schien der Welt das Öl auszugehen. Doch dank erheblicher Investitionen haben die Öl-Multis nun zahlreiche neue Quellen entdeckt. Das Ausmaß der Funde überrascht selbst Experten.

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DPA

Förderpumpen in Bewegung: "Größere Risiken bei der Erforschung"

Hamburg - Es ist noch nicht lange her, dass "Peak Oil"-Theorien die Finanzwelt in Atem hielten: Würde das globale Ölfordermaximum in den kommenden fünf bis zehn Jahren erreicht werden - oder hatte die Fördermenge sogar bereits ihren Höhepunkt erreicht? Die Sorge vor einem sukzessiven Rückgang der Ölförderung bei gleichzeitig immer größerer Nachfrage ließ den Ölpreis im vergangenen Jahr bis auf knapp 150 Dollar je Barrel in die Höhe schießen. Dann kam der Crash - und mit ihm die weltweite Rezession.

Ein Jahr nach der Lehman-Pleite hat sich der Ölpreis bei 70 Dollar eingependelt und notiert damit immerhin wieder doppelt so hoch wie beim Jahrestief von 34 Dollar. Für weitere Entspannung könnten nun einige überraschende Funde in den vergangenen Monaten sorgen, mutmaßen Marktexperten.

Das Ausmaß überrascht: Nach Angaben von IHS Cambridge Energy Research Associates besitzen die diesjährigen Funde schon des ersten Halbjahres ein Förderpotential von zehn Milliarden Barrel. Falls im zweiten Halbjahr Vorkommen in vergleichbarem Tempo entdeckt werden, wäre das das höchste Niveau seit 2000. Zum Vergleich: Der tägliche Verbrauch liegt weltweit bei rund 85 Millionen Barrel.

Der neue Förderboom kommt nicht von ungefähr: In Erwartung steigender Preise haben die großen Erdölkonzerne im Boom der vergangenen Jahre verstärkt in die Ölförderung investiert. "Das ist ja das Wunderbare der Preisentwicklung in freien Märkten", sagte James T. Hackett, CEO des Erölförderers Anadarko Petroleum, der "New York Times": "Es lässt die Leute größere Risiken bei der Erforschung eingehen."

Diese haben sich für Anadarko gerade erst ausgezahlt: In der vergangenen Woche verkündete der an der New Yorker Börse gelistete US-Konzern die Entdeckung eines riesigen Ölfelds vor der Küste Westafrikas. Das Bohrloch befindet sich vor Sierra Leone und ist 1100 Kilometer von Afrikas größtem Unterwasserölfeld Jubilee Field entfernt, das vor Ghana liegt. "Die Chance, dass dort ein Feld liegt, das mindestens so groß wie das Jubilee Field ist, ist stark gestiegen", zitiert die "Financial Times" Aidan Heavey, CEO des britischen Ölförderers Tullow Oil, der an der Erforschung beteiligt ist.

Entsprechend wird in den kommenden fünf Jahren mit der Entdeckung weiterer riesiger Ölfelder in der Region gerechnet. Insgesamt 200 neue Erdölvorkommen wurden dieses Jahr bereits gemeldet - etwa in Australien, Israel, Iran, Brasilien, Norwegen, Russland, dem Nord-Irak oder vor dem Golf von Mexiko.

Die Jagd nach neuem Öl ist damit längst noch nicht am Ende: "Die dringendste Frage, die sich Forschungsteams stellen, lautet: 'Wohin gehen wir als Nächstes?'" bringt der frühere ConocoPhillips-Manager Robert Fryklund die Aufbruchstimmung der Branche gegenüber der "New York Times" auf den Punkt.


Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Fassung des Texts hieß es, die Öl-Funde im ersten Halbjahr summierten sich auf zehn Millionen Barrel. Tatsächlich sind es zehn Milliarden Barrel. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

nja

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