Neue Frist Gericht verschiebt Entscheidung über Karstadt-Insolvenzplan

Letzte Galgenfrist für Karstadt: Das Amtsgericht Essen hat dem Investor Nicolas Berggruen noch einmal Zeit eingeräumt, um sich mit den Vermietern auf die Übernahmebedingungen zu einigen. Die Entscheidung über den Insolvenzplan soll nun im September fallen.

Karstadt-Haus in Köln: Fristverlängerung gibt Beschäftigten Hoffnung
dpa

Karstadt-Haus in Köln: Fristverlängerung gibt Beschäftigten Hoffnung


Essen - Der Investor Nicolas Berggruen bekommt noch einmal gut drei Wochen Zeit, um sich mit den Vermietern von Karstadt auf die Voraussetzungen einer Übernahme des Warenhauskonzerns zu einigen. Das Amtsgericht Essen wolle nun erst am 3. September beschließen, ob auch die letzte Bedingung für den Insolvenzplan erfüllt ist, mit dem Karstadt entschuldet werden soll, teilte Insolvenzverwalter Klaus-Hubert Görg am Dienstag mit.

Es fehle nur noch der Mietvertrag für 86 der 120 Häuser, die dem Immobilienkonsortium Highstreet gehören. Dessen Gläubiger wollen darüber eine Abstimmung abhalten, die frühestens Anfang September stattfinden kann. Damit stimmt das Gericht zum vierten Mal einer weiteren Verlängerung in dem Mammut-Verfahren um die Zukunft der Essener Warenhauskette zu. Für die Beschäftigten immerhin ein Hoffnungsschimmer. Denn das Plazet der Richter liefert zumindest einen kleinen Hinweis, dass eine Einigung noch eine Chance hat.

Bisher mussten die Beteiligten auf dem Weg zur Rettung des Unternehmens mit 120 Warenhausstandorten und 25.000 Beschäftigten immer neue Hindernisse aus dem Weg räumen. Angefangen hat das ungewöhnliche Verfahren mit Insolvenzanträgen der Karstadt-Mutter Arcandor und ihrer beiden Tochterunternehmen Karstadt und Quelle vor 14 Monaten. Während es für den Versandhändler Quelle und die Muttergesellschaft keine Rettung mehr gab, laufen die Bemühungen um eine Karstadt-Zukunft seitdem auf Hochtouren. Ob es jetzt Anfang September zu einer endgültigen Einigung in dem Dauerstreit kommt, ist weiterhin unsicher.

Außergewöhnlich schwierige Einigung

Nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens am 1. September vergangenen Jahres hatten die Gläubiger bereits im November grünes Licht für den Verkauf von Karstadt an einen Investor gegeben. Doch die zunächst auf Ende April terminierte Suche nach einem Interessenten gestaltete sich schwierig, so dass ein zunächst auf den 31. Mai angesetzter Gerichtstermin auf den 10. Juni verschoben wurde.

Doch auch nach der Unterschrift des in einem Bieterrennen gekürten Investors Nicolas Berggruen unter den Kaufvertrag am 9. Juni wurde schnell klar, dass bis zu einer abschließenden Einigung noch ein langer Weg ist. Der Gerichtstermin wurde vom 10. Juni auf den 16. Juli verschoben.

Doch die von Berggruen geforderten Mietsenkungen erwiesen sich als keineswegs einfach durchzusetzen. Der Immobilienfonds Highstreet, dem selbst als Bieter in dem Karstadt-Verfahren der Zuschlag versagt worden war, erwies sich als zäher Verhandlungspartner. Zudem müssen Dutzende von Gläubigern, die Highstreet für den Kauf der Karstadt- Immobilien viel Geld geliehen haben, einer Einigung zustimmen. Am 16. Juli wurde der Gerichtstermin also noch mal auf den 10. August verschoben.

Highstreet-Gläubiger müssen zustimmen

Trotz einer grundsätzlichen Einigung über Mietsenkungen steht eine abschließende Zustimmung aller Highstreet-Gläubiger noch aus. Mit einer Frist von 21 Tagen müsste dafür zu einem Gläubigertreffen eingeladen werden. Ohne Einigung über die geforderten Mietkürzungen tritt der Kaufvertrag nicht in Kraft. Und ohne gültigen Kaufvertrag kann der Insolvenzplan nicht abgesegnet werden. Ein Ausweg wäre eine weitere Verlängerung der Frist durch das Gericht.

Sollte der Kaufvertrag am Ende dennoch platzen, könnte der italienische Warenhaus-Betreiber Maurizio Borletti zum Zuge kommen. Der Unternehmer, der mit rund zwei Prozent an Highstreet beteiligt ist, hatte bereits Ende Juli ein eigenes Angebot für Karstadt vorgelegt. Zusammen mit dem US-Investor Gordon Brothers will Borletti 100 Millionen Euro in Karstadt investieren und verspricht, weder die Arbeitnehmer noch die Vermietern zusätzlich in Anspruch zu nehmen.

Beim Insolvenzverwalter biss der italienische Kaufhauskönig jedoch bislang auf Granit. Klaus Hubert Görg sieht sich rechtlich an den Vertrag mit Berggruen gebunden. Aufgeben will Borletti dennoch nicht. "Wir arbeiten einseitig weiter, damit wir bis Anfang September ein schlüsselfertiges Angebot vorlegen können", sagte eine Sprecherin Borlettis. Will heißen: Platzt der Verkauf an Berggruen, steht Borletti Gewehr bei Fuß. Aber auch andere scharren schon mit den Füßen. Metro-Chef Eckard Cordes, der schon lange von einem Zusammengehen von Karstadt mit seiner Tochter Kaufhof träumt, sieht sich ebenfalls noch nicht komplett aus dem Rennen.

mik/dpa-AFX/ddp/Reuters

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