Neue Konzernstrategie Telekom will Frauenquote einführen

Die Deutsche Telekom spielt Pionier: Der Konzern führt als erstes Dax-Unternehmen eine Frauenquote von 30 Prozent ein - auch im Top-Management. Nach SPIEGEL-Informationen forciert der rosa Riese außerdem massiv sein Online-Geschäft.

Telekom-Zentrale in Bonn: Konzernumbau auch beim Personal
dpa

Telekom-Zentrale in Bonn: Konzernumbau auch beim Personal


München - Die Deutsche Telekom will mehr Frauen in ihrer Führungsspitze. Bis 2015 sollten 30 Prozent der oberen und mittleren Führungsposition in dem Unternehmen mit Frauen besetzt werden, teilte die Telekom am Montag mit.

Die Frauenquote sei keine Gleichmacherei, betonte Konzernchef René Obermann, sondern ein Gebot der gesellschaftlichen Fairness und eine Notwendigkeit für den Erfolg. "Mit mehr Frauen an der Spitze werden wir einfach besser."

Das Unternehmen kündigte an, es werde sein Programm zur Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben ausbauen. Angeboten würden Elternzeitmodelle, Teilzeitmodelle für Führungskräfte, flexible Arbeitszeitmodelle, Kinderbetreuungsangebote sowie "praktische Unterstützungsleistungen im Alltag".

Schon jetzt seien 60 Prozent der Absolventen von wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen Frauen. Die Regelung, die die Telekom nach eigenen Angaben als erstes Dax-Unternehmen einführt, gilt weltweit für den gesamten Konzern. Im Konzernmanagement betrage der Anteil weiblicher Führungskräfte derzeit rund 13 Prozent, teilte das Unternehmen mit - im Vorstand sitzen indes bislang nur Männer. insgesamt liegt der Frauenanteil des Konzerns liegt laut "FTD" schon jetzt bei 32 Prozent.

Lob von der Familienministerin

Familienministerin Kristina Schröder begrüßte die Initiative. Unternehmen könnten es sich nicht mehr leisten, in den Führungsetagen auf die Kompetenz von Frauen zu verzichten, erklärte die CDU-Politikerin. Sie freue sich, dass die Telekom mit gutem, freiwilligem Beispiel vorangehe. Eine gesetzliche Regelung könne nur "Ultima ratio" sein. In der "Financial Times Deutschland" vom Montag forderte Schröder von den Firmen eine genaue Aufschlüsselung, "welchen Frauenanteil es auf welchen Ebenen gibt und wie der sich entwickelt". Dazu wolle sie Transparenz und Berichtspflichten verbessern.

Der Frauenanteil in deutschen Unternehmen ist vor allem in den Chefetagen verschwindend gering. Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) vom vergangenen Jahr waren von den 526 Vorstandsposten der 100 größten Unternehmen nur sieben von Frauen besetzt. Derzeit gibt es 2,5 Prozent weibliche Vorstände und knapp zehn Prozent weibliche Aufsichtsräte, wovon der große Teil über die Gewerkschaften entsandt wird.

Die Telekom kann sich mit einer Frauenquote also als personalpolitischer Vorreiter positionieren. Der niedrige Frauenanteil in deutschen Unternehmen beschäftigt auch die Politik. Im Februar habe der Vorsitzende der Regierungskommission für gute Unternehmensführung, Klaus-Peter Müller, angekündigt, den Anteil von Frauen in Aufsichtsräten deutscher Unternehmen deutlich erhöhen zu wollen, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Voraussichtlich werde die Kommission im Mai weitergehende Empfehlungen aussprechen.

Am Wochenende wurden zudem erste Details aus dem Plan zur strategischen Neuausrichtung der Telekom bekannt. Nach SPIEGEL-Informationen setzt der Konzern massiv auf neue Dienstleistungen rund um das Internet, um Rückgänge in bisher angestammten Geschäftsfeldern auszugleichen. Telekom-Chef René Obermann will seine "Strategie 2.0" am Mittwoch vorstellen.

Geplant seien beispielsweise Speicherdienste für private und geschäftliche Daten oder Internetbezahldienste. Auch bei der Verkehrsplanung oder intelligenten Stromnetzen wolle der Bonner Konzern künftig eine starke Rolle spielen. Die Umsätze der neuen Bereiche sollen laut interner Planung in kurzer Zeit in den Milliardenbereich klettern, schreibt das Magazin. Ambitioniert seien die Pläne des Konzernchefs auch beim Internetfernsehen: Er wolle Konkurrenten wie den Bezahlsender Sky überholen und die Telekom als Marktführer etablieren.

ssu/dpa-AFX/ddp



insgesamt 29 Beiträge
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Freifrau von Hase 15.03.2010
1. Es ist angerichtet......
meine Herren. Mögen die Spiele beginnen! ;-)
haltetdendieb 15.03.2010
2. Ein guter Grund zu kündigen
Und in Zukunft auf die wirklich guten Leistungen der Telekom zu verzichten! Mit dieser Maßnahme schießen die sich ins eigene Knie!
Eviathan 15.03.2010
3. Logo...
Die Frauenquote sei keine Gleichmacherei, betonte Konzernchef René Obermann, sondern ein Gebot der gesellschaftlichen Fairness und eine Notwendigkeit für den Erfolg. Vor allem ist es Kund(inn)enakquise.
Nobbi 15.03.2010
4. titelzwang nein danke
auch auf der hühnerfarm brauchen wir die pfauenquote. ob leistung oder nicht, diskrimierung ist toll solange sie populären tendenzen folgt. bravo
Perelly, 15.03.2010
5. ...
Positive Diskriminierung ist Diskriminierung. Auch, wenn man das ganze in einem schönen, englischen, unverständlichen Euphemismus "Affirmative Action" unter das Volk schiebt. Wenn die Leistung nicht mehr zählt, was soll dann das AGG?
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