Berlin - Der Gaspreis wird in Europa einer Studie zufolge in den kommenden Jahren deutlich steigen. Bis 2014 sei mit Preisanstiegen bis zu 40 Prozent zu rechnen, sagte die Unternehmensberatung A.T. Kearney in einer am Dienstag veröffentlichten Studie voraus.
2015 werde dann allerdings zum Wendejahr, und die Preise im Großhandel würden bis zu 60 Prozent einbrechen. Es sei mit Überkapazitäten zu rechnen, die sich auch auf die Auslastung neu gebauter und geplanter Pipelines aus Russland und dem kaspischen Raum auswirken würden.
Die Ostsee-Pipeline Nord Stream werde aber wohl kaum zusätzliche Gasmengen transportieren. Sie sei vor allem eine Alternativroute zu existierenden Verbindungen. Russlands Präsident Dmitrij Medwedew und Kanzlerin Angela Merkel weihten die Leitung am Dienstag ein.
Steigende Nachfrage nach Gas auch im Zuge der Reaktorkatastrophe von Fukushima treibe den Preis des Brennstoffs bis 2014 nach oben, heißt es in der Studie. Besonders betroffen seien Industrie- und Gewerbekunden. Die hatten zuletzt auch stärker von niedrigeren Tarifen profitiert als Haushaltskunden.
Importplus von 26 Prozent
Die nach der Finanzkrise wieder angezogene Konjunktur sowie versiegende Förderquellen in Europa werden die Importe steigern, heißt es in der Studie. Eine größere Rolle wird der Untersuchung zufolge dabei Flüssiggas spielen, das mit Tankern vor allem aus dem arabischen Raum eingeführt wird. Dieses Gas war zuletzt deutlich billiger als etwa Gas, das mit langfristigen Verträgen aus Russland importiert wird. Diese Verträge sehen zudem eine Koppelung an den zuletzt deutlich gestiegenen Ölpreis vor, was für Unternehmen wie E.on Ruhrgas zum Problem wurde.
A.T. Kearney geht zwar davon aus, dass der Gasverbrauch in Europa jährlich um 0,4 Prozent steigen wird. Dies bedeute wohl bis 2020 ein Importplus von 26 Prozent. Das sei jedoch weit weniger als Prognosen aus den vergangenen Jahren prophezeit hatten, wo von einer Verdopplung ausgegangen worden sei. Da Leitungen und Flüssiggasterminals derzeit massiv ausgebaut würden, zeichneten sich bereits Überkapazitäten ab.
Ab 2015 entstehe so eine "Gasblase", die massiv auf die Preise drücken werde. Dazu trage auch bei, dass gerade in Europa zunehmend erneuerbare Energien als Alternative zum Gas genutzt würden. Weltweit werde die Nachfrage nach Gas deutlich stärker ausfallen als in Europa.
cte/Reuters
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