Bagdad - Diese Nachricht könnte für Nachbarschaftsstreit sorgen: Der Irak hat neuesten Schätzungen zufolge größere Ölvorräte als Iran. Der irakische Energieminister Hussein Scharistani sagte am Montag in Bagdad, sein Land verfüge über Vorkommen von 143,1 Milliarden Barrel Öl - rund ein Viertel mehr als bislang bekannt. Die Erdölreserven Irans werden auf 137 Milliarden Barrel geschätzt. Ein Barrel enthält 159 Liter.
Stimmen die Daten, ist der Irak die drittgrößte Ölmacht der Welt. Nur Saudi-Arabien und Venezuela haben größere Vorräte. So verfügt Saudi-Arabien laut der Statistik der Organisation der Erdöl exportierenden Länder ( OPEC) über Vorkommen von 264,5 Milliarden Barrel, Venezuela über 211,1 Milliarden Barrel.
Scharistani erklärte, er wolle die neuen Daten an die OPEC übermitteln, die für jeden ihrer Mitgliedstaaten eine Förderquote festlegt. Die Organisation dürfte dann auch überprüfen, inwieweit die Daten verlässlich sind. Experten halten die neuen Angaben für realistisch. "Die Zahlen klingen plausibel, aber so einfach verifizieren lassen sie sich nicht. Das gilt aber auch für Länder wie Saudi-Arabien und Venezuela", sagt Rainer Wiek, Chefredakteur vom Energie Informationsdienst.
Das Problem dabei: Daten zu den Erdölreserven des Irak waren seit den siebziger Jahren wegen der zahlreichen Konflikte und Kriege nicht flächendeckend erhoben worden. Die meisten großen Ölfelder des Landes liegen allerdings im Süden, der vorwiegend von schiitischen Arabern bewohnt wird und wo es im Vergleich zu anderen Teilen des Landes ein weniger hohes Terrorrisiko gibt.
Die Ölindustrie ist der wichtigste Industriezweig für den Irak
Es handele sich um Öl, das mit im Lande verfügbarer Technik aus dem Boden geholt werden könne, sagte Scharistani weiter. Das Öl lagere in 66 bekannten Ölfeldern. Es seien noch weitere Regionen zu erforschen, so dass die Reserven sogar noch größer sein könnten.
Der Irak exportiert derzeit etwa 1,9 Millionen bis zwei Millionen Barrel Erdöl pro Tag und erlöst damit fast seine gesamten Deviseneinnahmen. Die Ölindustrie ist damit mit Abstand der wichtigste Industriezweig des Landes. Die Förderanlagen und Raffinerien des Landes sind jedoch zum Teil marode.
Im vergangenen Jahr hatte das Land Förderlizenzen für zehn Ölfelder an ausländische Unternehmen versteigert. Der Irak hofft, dass der Ausstoß dieser Ölquellen bis 2017 auf zwölf Millionen Barrel pro Tag gesteigert werden kann. Damit würde das Land beinahe mit der gegenwärtigen Förderung in Saudi-Arabien gleichziehen.
Berücksichtigt man sogenannte unkonventionelle Rohölvorkommen beispielsweise in Ölschiefer oder teerartigem Bitumen, verfügen allerdings Kanada und Venezuela über weit größere Ölreserven als Iran und der Irak. Deren Förderung ist jedoch wesentlich aufwendiger und erfordert erheblich höhere Preise als die konventionelle Förderung in Ländern wie dem Irak oder Saudi-Arabien.
yes/AFP/Reuters
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