Neue Studie: Management-Profis erwarten nächste Finanzkrise

Haben Banken und Aufsichtsbehörden aus der Finanzkrise gelernt? Offenbar nicht genug. Laut der Studie einer Management-Beratung gibt es bereits deutliche Anzeichen für den nächsten Crash: Eine neue Krise innerhalb von fünf Jahren ist demnach sehr wahrscheinlich.

Dunkle Wolken über São Paulo: Neue Spekulationsblase in Schwellenländern? Zur Großansicht
REUTERS

Dunkle Wolken über São Paulo: Neue Spekulationsblase in Schwellenländern?

Hamburg - Die internationale Finanzkrise ist kaum überwunden, da steht laut Experten bereits die nächste bevor. Das berichtet das "Handelsblatt". Die Zeitung stützt sich auf eine Studie der Managementberatung Oliver Wyman. Demnach scheint eine neue Finanzkrise innerhalb der kommenden fünf Jahre "unausweichlich".

Laut der Studie lassen drei Faktoren die nächste Krise sehr wahrscheinlich erscheinen:

  • Die starke staatliche Regulierung dränge risikoreiche Aktivitäten aus dem regulierten Bankensystem. Entsprechend stark wachse das Schattenbanksystem. Das führt laut "Handelsblatt" etwa dazu, dass kaum regulierte Finanzakteure wie Hedgefonds immer mehr Geld auf sich vereinen.
  • Hohe Investitionen im Rohstoffsektor führen in Schwellenländern zu Spekulationsblasen. Laut "Handelsblatt" waren Anleger in jüngster Zeit sehr optimistisch - obwohl viele Aktienkurse bereits gestiegen seien. Das lässt sich als Indiz für übertriebene Erwartungen und allzu hohe Risikobereitschaft der Investoren deuten.
  • Der dritte Krisenfaktor ist, dass bei einem Platzen der Blasen einzelne Staaten kollabieren könnten. Dies führe zu einer Umstrukturierung der Staatsschulden - und hätte damit nicht nur Folgen für das einzelne Land, sondern für das weltweite Banken- und Finanzsystem.

"Herdenverhalten verhindern"

Der aktuelle Stabilitätsreport des Internationalen Währungsfonds (IWF) stützt laut "Handelsblatt" die Aussagen der Studie. Dem IWF zufolge sind die Risiken einer neuen Krise immer noch sehr hoch, was insbesondere auf die Schuldenprobleme einiger Länder der Euro-Zone zurückzuführen sei. Ein Indikator dafür ist laut IWF die Höhe der Risikoaufschläge. Sie seien vor der jüngsten Irland-Krise noch höher gewesen als zu der Zeit, als Griechenlands Staatsbankrott befürchtet wurde. Kritik hatte der IWF an den Bemühungen der Staaten zur Finanzmarktregulierung geübt.

Die nächste Krise lässt sich laut Oliver Wyman zwar nicht verhindern, aber zumindest in ihrer Wirkung dämpfen. Dazu gibt die Managementberatung - sehr allgemein gehaltene - Empfehlungen für Banken und Aufsichtsbehörden. Finanzinstitute sollten demnach dafür sorgen, dass ihre Geschäftsstrategie und ihre Fähigkeit, Risiken auf sich zu nehmen, übereinstimmen. Besondere Vorsicht sollten Banken bei Investitionen in Unternehmen walten lassen, die verdächtig hohe Gewinne erzielen. Und außerdem legen die Autoren der Studie den Banken nahe, sich von der breiten Masse abzuheben. So sollten Führungsqualitäten entwickelt und gestärkt werden - um "Herdenverhalten zu verhindern".

Aufsichtsbehörden sollen der Studie zufolge zwar regulieren - aber dadurch nicht risikoreiche Aktivitäten in den Schattenbanksektor drängen. Zudem empfiehlt die Studie den Kontrolleuren, Banken und Versicherungen zu ermutigen, sich frühzeitig auf eine neue Krise vorzubereiten. Außerdem sollten Bereiche mit "außerordentlichen" Gewinnen genauer überwacht werden. Schließlich gelte es, Subventionen auf dem Finanzmarkt zu beseitigen, die Preisverzerrungen begünstigten.

Die Untersuchung wird am Mittwoch auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos vorgestellt.

ulz

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 21 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Bitte einordnen liebe Systemgläubigen
kundennummer 26.01.2011
Zitat von sysopHaben Banken und Aufsichtsbehörden aus der Finanzkrise gelernt? Offenbar nicht genug. Laut der Studie einer Management-Beratung gibt es bereits deutliche Anzeichen für den nächsten Crash: Eine neue Krise innerhalb von fünf Jahren ist demnach sehr wahrscheinlich. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,741734,00.html
Ist das jetzt eine VT? PessimismPorn? geistiger Müll? Untergangsprophetie? andere hier gängige Herabwürdigung? Oder ist das nur die Übergangsphase ins goldene Zeitalter des Allianz-Vorstandes von heute vormittag? Schon erfrischend die Programmierung der letzten Zeit. Vormittags die Jubelmeldungen, mittags die doomsdaygeschichten.
2. Das dürfte doch wohl jedem klar sein....
liveddevilevil? 26.01.2011
... dass das jetzige Geld-System, egal wie sehr es noch zurechtgedoktert wird, nie zum Wohle der Allgemeinheit gereichen wird.
3. genau diese
CHANGE-WECHSEL 26.01.2011
Zitat von sysopHaben Banken und Aufsichtsbehörden aus der Finanzkrise gelernt? Offenbar nicht genug. Laut der Studie einer Management-Beratung gibt es bereits deutliche Anzeichen für den nächsten Crash: Eine neue Krise innerhalb von fünf Jahren ist demnach sehr wahrscheinlich. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,741734,00.html
Sind es nicht gerade diese Management Beratungsfirmen, die das ewige Mantra vom Wachstum predigen, die jede Finanzkrise mit zu verantworten haben! Wachstum! Wachstum! Wachstum! Gewinne hoch! Dividenden hoch! Boni hoch! Humanes Kapital runter! Löhne Gehälter runter! Festanstellung runter! Und sind es nicht ausgerechnet solche Blätter wie manager.magazin, die dieses Mantra hinaus in die Welt befördern! Auf welcher Seite des Kapitals steht eigentlich der Spiegel?
4. Mit Verlaub - aber ich habe selten....
Doctor Feelgood 26.01.2011
...so einen Blödsinn gelesen! Die starke staatliche Regulierung drängt die risikoreichen Transaktionen aus dem Bankensystem - und das soll die nächste Krise mit verursachen? Gehts noch? Zuvor haben doch die Banken die Krise dadurch ausgelöst, DASS sie eben risikoreich gezockt haben - und jetzt soll es zur Krisenverhinderung genau so weitergehen? Mal ehrlich - dann laßt die Hedgefonds doch pleite gehen, dann gibt es auch keine Krise! Die wurde nämlich nur dadurch verursacht, daß die Staaten die Spielschulden dieser Finanzparasiten übernommen haben! Hätten sie das nicht getan, und die Zovcker dafür pleite gehen lassen, dann wäre auch Geld für die Realwirtschaft vorhanden! Auf die Casinowirtschaft können wir dafür gerne verzichten - dir kann man gern verbieten und die Spekulanten in den Pleiteorkus schicken!
5. Managementberatungsfirmen ?
sic tacuisses 26.01.2011
Zitat von CHANGE-WECHSELSind es nicht gerade diese Management Beratungsfirmen, die das ewige Mantra vom Wachstum predigen, die jede Finanzkrise mit zu verantworten haben! Wachstum! Wachstum! Wachstum! Gewinne hoch! Dividenden ......
Ja, die sind genau wie die Anal ysten: Wissen alles, können nix und wenn es logischerweise kräftig in die Hose geht: "shit happens." So viel Englisch haben sie dann aus ihrer Studienzeit schon noch konserviert.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema Finanzkrise ab 2007
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 21 Kommentare

Von Asset Backed Securities bis Zertifikate - alle Fremdwörter der Finanzkrise einfach erklärt:

Alle Begriffe zur Finanzkrise...


Der IWF
Die Institution
Gegründet wurde der Internationale Währungsfonds (IWF) zusammen mit seiner Schwesterinstitution Weltbank im Juli 1944 auf der Konferenz von Bretton Woods. Der in Washington ansässige Fonds wacht als Sonderorganisation der Vereinten Nationen über die Währungspolitik seiner 186 Mitgliedsländer. Jedes Land muss entsprechend seinem Anteil an der Weltwirtschaft eine Einlage leisten und verfügt über entsprechende Stimmrechte. Die reichsten Länder haben damit den größten Einfluss.

Die Arbeit des IWF
Der IWF tritt vor allem bei Finanz- und Wirtschaftskrisen öffentlich in Erscheinung. Indem er einzelne Staaten unterstützt, soll er vor allem verhindern, dass sich Krisen ausbreiten und ganze Regionen oder gar das gesamte internationale Finanzsystem treffen. Der Fonds kann mit kurzfristigen Krediten die Defizite in Entwicklungs- und Schwellenländern ausgleichen. Zudem leistet er Mitgliedstaaten technischen Beistand für den Umbau von Institutionen und bei der Gestaltung von Finanz- und Wirtschaftspolitik.

Häufige Kritik
Die Bedingungen, die an die Vergabe der Gelder geknüpft werden, stoßen in den betroffenen Ländern und bei Globalisierungskritikern allerdings oft auf Unmut. Verordnet werden von der Institution aus Washington meist radikale Einschnitte in die Staatshaushalte, die Öffnung der Märkte und Privatisierungen. Diese jedoch verschärfen die Krisen nach Ansicht der Kritiker oft noch weiter. Nach Reformen ist inzwischen vorgesehen, dass der IWF verstärkt die sozialen Auswirkungen von Krisen und Hilfsmaßnahmen beachtet.

Die Direktorin
Seit Ende Juni 2011 steht die frühere französische Wirtschafts- und Finanzministerin Christine Lagarde an der IWF-Spitze. Sie ist die erste Frau auf diesem Posten.
Wer wählt den Direktor?
Das Exekutivdirektorium des IWF besteht aus 24 Direktoren. Fünf von ihnen werden von den Mitgliedstaaten mit den größten Quoten ernannt, die verbleibenden vertreten jeweils mehrere Mitgliedsländer. Je mehr ein Land einzahlt, desto höher ist seine Quote. Deshalb haben die USA einen Stimmanteil von fast 17 Prozent, Japan von etwas mehr als sechs und Deutschland knapp unter sechs Prozent. Die USA verfügen über eine Sperrminorität. Denn zentrale Beschlüsse im IWF - wie auch die Wahl des kommenden Geschäftsführenden Direktors - müssen mit einer Mehrheit von 85 Prozent getroffen werden.

Die Direktoren wählen den Geschäftsführenden Direktor. Er ist für das Tagesgeschäft, die Organisation und die Personalpolitik des Fonds zuständig. Der Direktor wird vom Exekutivdirektorium kontrolliert, dieses kann ihm die Amtsführung entziehen. Grundsatzentscheidungen werden vom Gouverneursrat des IWF und vom International Monetary and Financial Committee getroffen, die bei den Herbst- und Frühjahrstagungen von IWF und Weltbank zusammenkommen.
Informelle Vereinbarung
Die USA und Europa haben sich informell darauf verständigt, wichtige Posten untereinander aufzuteilen. So stellen die USA traditionell den Direktor der Weltbank, während der Geschäftsführende Direktor des IWF von einem EU-Mitgliedsland gestellt wird. In den Statuten ist diese Regelung nicht verankert. Besonders die Schwellenländer dringen seit Jahren darauf, dass das informelle Abkommen gekippt und der Posten des Direktors ausgeschrieben wird.
Bedingungen für Hilfe
Der IWF arbeitet mit dem Land ein Programm aus, das konkrete Vorgaben zur Überwindung der Krise umfasst, zum Beispiel Vorgaben zur Haushaltspolitik. Die Kreditlinien werden üblicherweise in mehrere Tranchen gestückelt, deren Auszahlung an das Erreichen von Zwischenzielen gebunden ist. Üblich sind Kreditlaufzeiten von bis zu drei Jahren, die bei schweren Krisen aber verlängert werden können. Das angeschlagene Land legt seinen Sparplan im Detail offen. Bei Bedarf sind nachträgliche Änderungen möglich.