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Neuer BER-Chef Mehdorn: "Ich kann nicht zaubern"

Hartmut Mehdorn wird Chef des Pannenflughafens in Berlin - und senkt gleich die Erwartungen, wirbt um "ein bisschen Vorschusslorbeeren". Grünen-Fraktionschefin Künast ist entsetzt über die Berufung: Die BER-Betreiberfirma habe sich endgültig zum Gespött gemacht.

Mehdorn bei der Pressekonferenz: "Das ist hier ja kein Puppenspiel" Zur Großansicht
DPA

Mehdorn bei der Pressekonferenz: "Das ist hier ja kein Puppenspiel"

Berlin - Hartmut Mehdorn hat bei seinem Auftritt als neuer BER-Chef um Vertrauen geworben. Wörtlich sagte Mehdorn, er hoffe, dass die Arbeit der Flughafengesellschaft "ein bisschen mit Vorschusslorbeeren versehen" werde. "Es ist mit Sicherheit komplex, technisch anspruchsvoll und schwierig", sagte er zu seiner Aufgabe. "Das ist hier ja kein Puppenspiel." Gleichzeitig warnte er vor überzogenen Erwartungen: "Ich kann auch nicht zaubern."

Erst kurz vor Mehdorns Auftritt war bekanntgeworden, dass der ehemalige Bahnchef neuer Geschäftsführer des Hauptstadtflughafens BER wird. Der Posten ist seit Januar nicht besetzt. Der Aufsichtsrat hatte den früheren Chef Rainer Schwarz abgesetzt, weil die Eröffnung des Airports zum vierten Mal verlegt werden musste.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) nannte Mehdorns Berufung einen "guten Schritt nach vorne". Die Entscheidung werde sicherlich einige überrascht haben, räumte Wowereit ein. Mehdorn habe "Ecken und Kanten und das werden wir ihm auch nicht mehr abschleifen". Damit werde es "Spannungen geben", die aber produktiv sein würden.

Wowereit spielte auch auf einen früheren Streit mit Mehdorn an: Als Bahnchef hatte dieser das Dach des Berliner Hauptbahnhofs kürzer bauen lassen als geplant. Deshalb freue es ihn, dass das Dach des Flughafenterminals schon fertig sei, sagte Wowereit. "Das kann auch nicht mehr verkürzt werden."

Zumindest einem Konflikt will Mehdorn als Flughafenchef von vornherein aus dem Weg gehen: Die Klage, die er selbst als Air-Berlin-Chef gegen die Flughafengesellschaft eingereicht habe, werde nicht über seinen Schreibtisch gehen, sagte er. Am liebsten sei ihm eine gütliche Einigung. Air Berlin Chart zeigenhatte wegen der verschobenen Flughafen-Eröffnung auf Schadenersatz geklagt. Das Unternehmen sei gegenüber den Aktionär geradezu verpflichtet, das zu tun, sagte Mehdorn.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erhofft sich von Mehdorn neuen Schwung für das Flughafenprojekt. Mehdorn übernehme eine komplexe Aufgabe, die einer allein nicht schaffen werde, sagte Merkel. Nun müsse im Sinne einer guten Projektsteuerung alles auf den Tisch kommen, was verbessert werden muss. "Und ich kann nur jedem, der an den Projekt mitarbeitet, eine glückliche Hand wünschen."

Zum Gehalt schweigt Mehdorn

Die übrigen Reaktionen auf die Personalentscheidung fielen überwiegend kritisch aus. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast äußert sich bestürzt: "Wenn man denkt, schlimmer geht es nicht, überzeugt einen der Aufsichtsrat zuverlässig vom Gegenteil", sagte sie SPIEGEL ONLINE. "So setzt sich die Flughafengesellschaft endgültig dem Gespött aus."

FDP-Generalsekretär Patrick Döring äußerte sich skeptisch, ob Mehdorn das Chaos am Pannenflughafen beenden könne. Der designierte neue Geschäftsführer "kann Führung und harte Hand" und kenne sich mit Fluggesellschaften aus, sagte Döring dem "Tagesspiegel". "Aber ob er das Chaos am BER wirklich richten kann, das muss man erst noch sehen. Denn es fehlt vor allem auch Führung im Detail, und da kennt sich Mehdorn beim BER auch nicht aus." Mehdorn allein könne das Projekt sicherlich nicht retten.

Bekannt war Mehdorn als Chef der Deutschen Bahn geworden, die er zehn Jahre lang führte. Zwar brachte er das ehemalige Staatsunternehmen erfolgreich auf Gewinnkurs, war jedoch unter anderem wegen seiner undiplomatischen Art stets umstritten.

"Gebraucht wird ein erfahrener Manager von Großprojekten", sagte Grünen-Politikerin Künast. "Doch die Wahl fällt auf denjenigen, der zehn Jahre als Bahnchef das Milliardengrab S21 betrieben hat." In die Bahn-Zeit von Mehdorn fiel die Entscheidung für den Bau von Stuttgart 21.

Auch Künasts Parteifreund Anton Hofreiter übte scharfe Kritik: "Der BER hätte einen diplomatischen Chef gebraucht, der offen und behutsam auf Mitarbeiter, Aufsichtsräte und Auftragnehmer zugeht", sagte der Vorsitzende des Verkehrsausschusses des Bundestags "Handelsblatt Online". Mehdorn könne er sich in dieser Rolle "überhaupt nicht vorstellen".

Als BER-Chef wird Mehdorn laut "Bild" mehr als eine halbe Million, aber "deutlich weniger als eine Million" Euro verdienen. Er selbst wollte sich zur Höhe der Vergütung jedoch nicht äußern.

Anfang der Woche hatte der ehemalige Chef des Frankfurter Flughafens, Wilhelm Bender, angekündigt, er werde sich nicht als Chefplaner um die Baustelle des Berliner Großflughafens kümmern. Bender war zunächst sogar als neuer BER-Chef im Gespräch gewesen, lehnte dann aber ab.

stk/dab/flo/dpa/Reuters

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insgesamt 210 Beiträge
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1. komisch, dass immer wieder
arnowa33 08.03.2013
die gleichen Figuren zum Einsatz kommen, verfilzte BRD eben
2. Wenn Frau Künast
earl grey 08.03.2013
Zitat von sysopREUTERSMehdorn wird Chef des Pannenflughafens in Berlin und senkt gleich die Erwartungen: "Das ist hier ja kein Puppenspiel." Er wirbt um "ein bisschen Vorschusslorbeeren". Grünen-Fraktionschefin Künast dagegen ist entsetzt - die BER-Betreiberfirma habe sich endgültig zum Gespött gemacht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/neuer-ber-chef-mehdorn-ich-kann-nicht-zaubern-a-887655.html
Wenn Frau Künast entsetzt ist, dann ist Mehdorn wohl die richtige Wahl...
3. Unkraut schwimmt oben ...
town621903 08.03.2013
man könnte auch sagen "Sch... schwimmt oben". Aber jetzt hat der Flughafen wenigstens 100%ige Planungssicheriet. Mit einem Manager, der Werte hätte schaffen können, hätten sich sämtliche Beteiligten fragen müssen: "Schafft er es, schaffter er es nicht? Wie unsicher ist das alles". Mit Mehdorn wird es schnurstrakrs in Untergang gehen. Aber an Verstpätungen dürfte er ja gewöhnt sein:-)
4. Die Politik
fernossi 08.03.2013
macht sich endgueltig zum Gespott. Hat denn niemand mehr politischen Instinkt und gesunden Menschenverstand? Diese Personalentscheidung ist doch niemandem zu vermitteln und duerfte die Politikverdrossenheit weiter steigern.
5. Das ist nur konsequent, ...
matbhmx 08.03.2013
... wenn aus dem Dilettantenduett Platzeck/Wowereit, jetzt ein Terzett wird. Platzeck will mit dieser Personalentscheidung offensichtlich ein RundumdieUhrFlugverbot durchsetzen. Mehdorn wird als erste Mal die Lande-/Startbahnen einsparen! Der Mann ist bei der Bahn gescheitert, der arabische Anteilseigner bei Air Berlin hat sofort erkannt, was Mehdorn kann und ihn deswegen abservieren lassen - und jetzt fällt er über den BER her. Jedenfalls können sich die BER-Gegner die Klagen sparen - sie werden zu Lebzeiten nicht mehr erleben, dass dort ein Flugzeug landet.
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