Energie Atommanager von Kretschmanns Gnaden

Auf den neuen Chef des drittgrößten deutschen Energieunternehmens "Energie Baden-Württemberg" (EnBW) wartet eine Herkulesaufgabe: Er muss den Versorger wieder in die schwarzen Zahlen führen und zugleich die Abhängigkeit von der Atomkraft verringern.

Frank Mastiaux: Der Neue für die Erneuerbaren
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Frank Mastiaux: Der Neue für die Erneuerbaren


Hamburg - Als Autofahrer wäre Frank Mastiaux wohl gemeingefährlich, als neuer EnBW-Chef ist er vielleicht genau der Richtige: Er wolle "keinen Blick in den Rückspiegel" zulassen, sagte der 48-jährige Manager bei seiner ersten Pressekonferenz als Chef des drittgrößten Energieversorgers in Deutschland. Denn was Mastiaux dort sehen würde, dürfte ihm nicht gefallen.

So kommt der baden-württembergische Energieversorger nach einem Verlust von 870 Millionen Euro im letzten Geschäftsjahr nur langsam wieder in die schwarzen Zahlen. Das öffentliche Bild des Unternehmens prägte in den letzten Monaten vor allem der Untersuchungsausschuss zum Verkauf des 45-Prozent-Anteils an das Land Baden-Württemberg und die krummen Geschäfte zwischen dem damaligen Ministerpräsidenten Stefan Mappus (CDU) und seinem Duz-Freund, dem Investmentbanker Dirk Notheis.

Mastiaux will diese Episode schnell vergessen machen. Er wolle "EnBW neu denken" sagt der promovierte Chemiker selbstbewusst. Konkret heißt das: Der neue Manager muss den drittgrößten deutschen Energieversorger von seiner Abhängigkeit von der Atomkraft befreien. Noch immer produzieren die Baden-Württemberger fast die Hälfte ihres Stroms mit Kernspaltung, erneuerbare Energien spielen im bisherigen Energiemix eine geringe Rolle. Selbst die Wettbewerber Eon und RWE sind da weiter.

Zum Teil ist das sogar Mastiauxs eigener Verdienst: Bei Eon, seinem bisherigen Arbeitgeber, war er zwischen 2007 und 2010 für den Ausbau der erneuerbaren Energien zuständig. In dieser Zeit stieg die Produktion der sauberen Energien im Unternehmen um mehr als das Doppelte. So muss Mastiaux nun auch bei EnBW weitermachen.

Das erwartet zumindest die Landesregierung von Baden-Württemberg, die der Grüne Winfried Kretschmann führt. Als "schwere Hinterlassenschaft" und "unverantwortlich" hatte Kretschmann den Kauf der EnBW-Anteile bereits kurz nach seinem Amtsantritt bezeichnet. Die Landesregierung erwartet von Mastiaux sowohl einen schnellen Umbau von EnBW zum Öko-Versorger als auch eine Begrenzung der Verluste: Der Kaufpreis von 4,67 Milliarden Euro sollte eigentlich über Dividendenzahlungen wieder in den Haushalt fließen. Nach einem Verlust von 870 Millionen Euro im Jahr 2011 und einer Kürzung der Gewinnausschüttung wird daraus nun vorerst nichts. Entsprechend ungeduldig dürfte der Grünen-Politiker auf die Arbeit des neuen Managers blicken.

Mastiaux nimmt den politischen Einfluss dagegen ganz gelassen: Als "tolle Voraussetzung" bezeichnete er den politischen Einfluss auf sein Unternehmen. Diesen Zweckoptimismus könnte Frank Mastiaux in den nächsten Monaten noch öfter brauchen.



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