Neuer Euro-Dämpfer Irische Banken fallen beim Stresstest durch

Irlands Banken haben so schlecht beim EU-Stresstest abgeschnitten, dass jetzt auch noch das letzte Geldinstitut der Insel verstaatlicht werden muss. Der gesamte Sektor wird radikal geschrumpft - und die Euro-Partner hängen tief mit drin.

Von , London

Euro-Münze: Teure Irland-Rettung
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Euro-Münze: Teure Irland-Rettung


Man sollte meinen, dass der Tiefpunkt irgendwann erreicht ist, doch der Absturz der irischen Banken scheint keinen Boden zu kennen. Drei Jahre nach Beginn der Finanzkrise wird nun auch noch die letzte der einst sechs Großbanken, Irish Life and Permanent (IL&P), zum Staatsbetrieb. Beim EU-Stresstest am Donnerstag tat sich bei dem Unternehmen eine Finanzierungslücke von vier Milliarden Euro auf. Als Ausweg bleibt nur die Flucht in die rettenden Arme der irischen Steuerzahler.

Auch die Bank of Ireland, die bereits zu 35 Prozent dem Staat gehört, braucht weitere 5,2 Milliarden Euro Kapital und ist damit bald mehrheitlich in öffentlicher Hand. Es sei wahrscheinlich, dass IL&P und die Bank of Ireland nun verstaatlicht würden, sagte der irische Notenbankchef Patrick Honohan bei der Vorstellung der Stresstestergebnisse in Dublin.

Insgesamt brauchen die irischen Banken noch einmal 24 Milliarden Euro frisches Kapital, wenn sie in einem Krisenszenario gewisse Mindestkapitalgrenzen einhalten wollen. Zusammen mit den 46 Milliarden Euro, die der irische Staat bereits in die Banken gepumpt hat, beläuft sich die vorläufige Rechnung der Bankenrettung damit auf 70 Milliarden Euro. Das entspricht rund der Hälfte der irischen Wirtschaftsleistung.

Aktienhandel ausgesetzt

Getestet wurden vier Geldinstitute: Bank of Ireland, Allied Irish Banks, Educational Building Society (EBS) und Irish Life and Permanent (IL&P). Die EU hatte die Stresstests zur Bedingung für das 85-Milliarden-Euro-Rettungspaket für Irland im vergangenen November gemacht. Die irische Notenbank und der US-Finanzdienstleister Black Rock spielten verschiedene Szenarien durch, wie sich die Bankbilanzen im Falle einer hypothetischen Krise verschlechtern würden. Überwacht wurde die Übung von der italienischen Notenbank und der französischen Bankenaufsicht.

Zum ersten Mal überhaupt wurden die Wertverluste privater Hypotheken in der Rechnung berücksichtigt, und das war der Grund für den Einbruch von IL&P, der einzigen Bank, die bislang vom irischen Finanzbeben verschont geblieben war. Das Institut ist der führende Kreditgeber für private Hausbauer und musste nun den Offenbarungseid leisten. Einer Hypothekensumme von 38 Milliarden Euro stehen nur Einlagen von 19 Milliarden Euro gegenüber. Das macht die Bank zu einem der am schwächsten kapitalisierten Institute der Insel.

Das Negativergebnis der Stresstests war seit Tagen erwartet worden. IL&P hatte am Mittwoch vorsorglich den Aktienhandel ausgesetzt, nachdem der Kurs am Dienstag auf 40 Cent pro Aktie eingebrochen war. Am Donnerstagmorgen wurden auch die Aktien der Bank of Ireland und der Allied Irish Banks für 24 Stunden suspendiert. Die Vorsichtsmaßnahme erwies sich als weise.

Hoffen auf Erfolg des Restrukturierungsplans

Auch die Euro-Zone wird die Folgen dieser fünften Rettungsrunde spüren. Weil irische Banken kein Geld mehr am Markt erhalten, wird der gesamte irische Bankensektor nur durch Notkredite der Europäischen Zentralbank (EZB) am Laufen gehalten. Zwar droht kein unmittelbarer Ärger für die anderen Euro-Mitglieder: Die 35 Milliarden Euro, die im EU-Rettungspaket für die Refinanzierung des irischen Bankensektors vorgesehen sind, reichen aus, um das neue Loch von 24 Milliarden Euro zu stopfen. Der Chef des Euro-Rettungsschirms, Klaus Regling, gab daher Entwarnung.

Doch Kritiker sagen schon jetzt voraus, dass dies immer noch nicht das letzte Wort in der Banken-Saga war. Die 24 Milliarden Euro seien am unteren Ende der Marktschätzungen, sagte Brian Caplan, Chefredakteur der Zeitschrift "The Banker", der BBC. Es gebe auch Experten, die den weiteren Kapitalbedarf auf 55 Milliarden Euro kalkulierten.

Selbst wenn keine weiteren Überraschungen kommen sollten: Der desaströse Zustand der Bilanzen bedeutet, dass das Irland-Engagement von EZB und Euro-Staaten länger dauern wird als bislang erwartet. Die Europäer können nur hoffen, dass der Restrukturierungsplan funktioniert, den die irische Regierung am Donnerstag vorlegte.

Regierung will Bankverluste vergemeinschaften

Kernpunkt dieses Plans ist die Schrumpfung des Bankensektors. Künftig soll es nur noch zwei Universalbanken geben: Die Bank of Ireland und Allied Irish Banks (AIB). Die EBS soll in die AIB integriert werden. Die IL&P soll die profitable Versicherungssparte des Konzerns abspalten und an die Börse bringen. Was mit der maroden Banksparte geschieht, wird noch diskutiert. Nur eins ist klar: Der Staat wird sich darum kümmern müssen. Die beiden anderen Banken Anglo-Irish und Irish Nationwide werden bereits abgewickelt.

Unter dem Plan werden die Banken gezwungen, große Teile ihrer Kreditbücher abzustoßen. Sie dürfen dies allerdings über mehrere Jahre strecken, damit sie nicht zu Dumping-Preisen verkaufen müssen. Unverkäufliche Giftpapiere werden in spezielle Fonds ausgelagert. So sollen die Bilanzen nachhaltig bereinigt werden. Man wolle alle Bande zur "vergifteten Vergangenheit" kappen, sagte Finanzminister Michael Noonan.

Zugleich kämpft die irische Regierung in den Verhandlungen mit den europäischen Geldgebern weiter für eine größere Vergemeinschaftung der Bankverluste. Ihr Argument: Nicht nur immobilienverrückte Iren, sondern auch profitgierige ausländische Banken, allen voran die deutschen, sind Schuld an dem Debakel, weil sie während des Booms jegliche Vorsicht haben fahren lassen. Daher fordert die irische Regierung, die privaten Gläubiger ihrer Banken, darunter vor allem ausländische Großbanken, an den Verlusten zu beteiligen.

Dies stößt bislang auf eisernen Widerstand - allen voran bei der EZB und der Bundesregierung, die sich vor die deutschen Banken stellen. Man ist lediglich bereit, über eine Senkung der Zinsrate und eine Laufzeitverlängerung der EU-Kredite zu reden. Darüber verhandeln EZB und EU-Finanzminister bereits mit der Dubliner Regierung. Doch sind viele Ökonomen überzeugt, dass Irland unter der Schuldenlast zusammenbrechen wird, wenn nicht ein Schuldenschnitt vorgenommen wird.



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insgesamt 48 Beiträge
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rabenkrähe 31.03.2011
1. Bundesbank
Zitat von sysopEs ist das Worst-Case-Szenario: Irlands Banken haben so schlecht beim EU-Stresstest abgeschnitten, dass jetzt auch noch das letzte*Geldinstitut der Insel verstaatlicht werden muss. Der gesamte Sektor*wird radikal geschrumpft - und die Euro-Partner hängen tief mit drin. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,754391,00.html
..... Nicht nur die Euro-Partner, vorneweg die Bundesbank, die deswegen, erstmals in ihrer Geschichte, hoch verschuldet ist. Und dies für mehr als fragwürdige Beteiligungen, denn zwar gehen die Kredite an den irischen Staat, aber als Sicherheit dienen nur die Banken, denen dieses Geld zugute kommen soll. Gehen die betroffenen Banken Pleite, geht die Bundesbank leer aus. Und dabei handelt es sich um Milliardenbeträge. Es ist höchst erstaunlich, wie das ganze Thema stillgeschwiegen wird, denn der Gesamtsektor ist zumindest in vier Euro-Ländern derart "angespannt", daß die gane EU und vor allem jene Einrichtungen, die hohe Kredite gaben, mit der Bundesbank vorneweg, höchst gefährdet. rabenkrähe
fuchs008 31.03.2011
2. Verstaatlichung
Ich habe bis heute nicht begriffen, warum bankrotte Banken verstaatlicht werden müssen. Werden damit einfach die Schulden durch den Staat übernommen? Wozu? So ein Erbe würde doch jeder normale Mensch ausschlagen? Werden die Steuerzahler wirklich so plump verarscht? Was ist der Vorteil für den Staat und für die Bürger?
newliberal 31.03.2011
3. Noch einmal
das ganze Theater dient ausschliesslich und ganz allein der Rettung der DEUTSCHEN Banken. Wer es nicht glaubt einfach mal hier etwas rumspielen, vor allem der untere Button ist absolut erhellend, vor allem wenn man HRE eingibt: http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/anleihen-devisen/:infografik-der-grosse-staatsschulden-atlas/50196411.html Aber auch die div. Landesbanken sind gut dabei....
Pacolito, 31.03.2011
4. Hmm...
Ich bin ein finanzpolitischer Laie. Deshalb die Frage: Deutschland überweist zwar diese aberwitzigen Beträge, sei es an Griechenland, Portugal, an die Stabilisierungsfonds, an die Banken, nicht direkt, sondern das ganze läuft als Bürgschaften bzw. Kredite. So dass man in der Theorie, wenn alles glatt läuft und alle alles zurückzahlen, keinen Verlust macht. Aber kann es nicht passieren, dass durch das ganze Geld, dass wir als Kredite bzw. Bürgschaften einsetzen, unsere eigene Kreditwürdigkeit massiv beschädigt wird und unsere Zinsen stark steigen? Denn wir bürgen ja quasi für (etwas zynisch ausgedrück) finanzpolitische "failed states"? Und kann es passieren, dass man vielleicht das nächste Mal gegen Deutschland spekuliert, so wie das den Griechen passierte?
fuchs008 31.03.2011
5. Wieso wird verstaatlicht?
Zitat von newliberaldas ganze Theater dient ausschliesslich und ganz allein der Rettung der DEUTSCHEN Banken. Wer es nicht glaubt einfach mal hier etwas rumspielen, vor allem der untere Button ist absolut erhellend, vor allem wenn man HRE eingibt: http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/anleihen-devisen/:infografik-der-grosse-staatsschulden-atlas/50196411.html Aber auch die div. Landesbanken sind gut dabei....
OK, die BRD hat bei der HRE massiv Schulden. Was bedeutet aber dann die Verstaatlichung? Sind wir damit unsere Schulden los? Das wäre wohl zu schön, um wahr zu sein? Wieso wird verstaatlicht?
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