Mit zwei Jahren Verspätung Bahn präsentiert neuen ICE 3

Der Kopf ist neu, das Hochdach aerodynamisch verbessert: Die Bahn hat ihren neuen ICE 3 vorgestellt. Doch von einer Erfolgsstory kann keine Rede sein: Hersteller Siemens gab "megapeinliche" Probleme zu.

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Frankfurt am Main - Mit langgezogenem Bug, verspiegelten Scheiben und in strahlendem Weiß mit den klassischen roten Streifen präsentiert sich der neue Superzug der Deutschen Bahn: An diesem Dienstagmorgen ist er am Gleis 11 des Hauptbahnhofs von Frankfurt am Main gestartet. Mehr als zwei Jahre hatten die Bahn-Oberen auf ihr neues Modell warten und ihre Kunden immer wieder vertrösten müssen, bis der jüngste Spross der Intercity-Express-Flotte endlich seinen Dienst antreten konnte. Um kurz nach 10 Uhr rollte der ICE 3 aus dem Bahnhof.

Im November hatte Siemens die ersten vier Züge an die Deutsche Bahn übergeben, die dann noch eine Reihe von Testfahrten zu absolvieren hatte. Im Dezember erteilten die Kontrolleure vom Eisenbahnbundesamt endlich das Prüfsiegel. In wenigen Wochen sollen vier weitere Züge folgen.

Äußerlich unterscheidet sich der ICE 3 von seinem Vorgänger durch eine neugestaltete Kopfform und das durchlaufende Hochdach zur Verbesserung der Aerodynamik. Die Baureihe 407 basiert auf der Velaro-Plattform von Siemens. Der neue ICE 3 besteht - wie auch sein Vorgänger - aus acht Wagen und verfügt mit insgesamt 444 Sitzplätzen, davon 111 in der Ersten Klasse, über ein größeres Platzangebot. Zwei Züge lassen sich zu einem Doppelzug mit 888 Sitzplätzen kuppeln.

Start mit Hindernissen

Von einer Erfolgsstory kann dennoch keine Rede sein. Denn dem Stapellauf gingen massive Verzögerungen voraus. Eigentlich hatte Siemens den Hightech-Zug bereits vor zwei Jahren liefern wollen. Doch die Ingenieure scheiterten immer wieder an der komplexen Technik, und auch das Zulassungsverfahren erwies sich als wesentlich aufwendiger als gedacht. Vor allem die Computersteuerung für die Bremsen bekamen die Ingenieure nicht in den Griff. "Das ist megapeinlich", räumte Siemens-Chef Joe Kaeser jüngst kleinlaut ein.

Die Schwierigkeiten hängen allerdings auch mit den technischen Anforderungen zusammen, die die Bahn für den neuen ICE formuliert hat. Er soll nämlich nicht nur die Metropolen in Deutschland miteinander verbinden, sondern es auch bis nach Paris, Brüssel oder London schaffen. Und das ist viel schwieriger, als man es sich als Laie vorstellen mag. Denn die Bahngesellschaften in Frankreich, Belgien oder Großbritannien pflegen technische Eigenheiten, um sich vor unliebsamer Konkurrenz zu schützen. Züge, die ungehindert über die Grenzen fahren wollen, müssen gleich mehrere Triebwagen in einem Gehäuse vereinen.

Das Zuggeschäft zählt aus diesen Gründen nicht nur für Siemens zu den ungeliebten Sparten. Ein Ausstieg kommt allerdings auch nicht in Frage. Kaeser und Bahn-Chef Rüdiger Grube sind denn auch bemüht, die atmosphärischen Störungen der Vergangenheit vergessen zu machen. An einem Tag wie heute soll vor allem gelächelt werden.

Später aber wird dann verhandelt: Und zwar über weitere Entschädigungen, die Siemens für die Verzögerungen bezahlen soll. "Es finden Gespräche statt zu Kompensationszahlungen", sagte der zuständige Siemens-Manager Jürgen Wilder. "Diese Gespräche sind bislang nicht abgeschlossen." Siemens will der Bahn bereits einen zusätzlichen ICE der neuen Generation als Ausgleich liefern.

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HarrySe 18.02.2014
1.
Das neue Dach sieht nicht gut aus.
caligus 18.02.2014
2. Na dann hoffen wir mal ...
.... dass auch Klima-Anlagen eingebaut wurden, welche auch noch bei 35 Grad Celsisus Außentemperatur das Ding auf angenehme 23 Grad kühlen können.
HerbertVonbun 18.02.2014
3. Omnia
Mal schauen, wie lange wir auf die ersten Pannen warten müssen.
reever_de 18.02.2014
4. Mal gespannt bin!
"Eigentlich hatte Siemens den Hightech-Zug bereits vor zwei Jahren liefern wollen." - Ob bei dem Fahrzeug wenigstens mal bei Aussentemperaturen über 25°C die Klimaanlagen richtig funktionieren??? ^^
mfluch 18.02.2014
5. Klimaanlage
Wird die Klimaanlage auch bei 35C funktionieren?
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