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Neues Autobauer-Bündnis: VW steigt bei Suzuki ein

Auf den Einstieg bei Porsche folgt der nächste Großdeal: Der VW-Konzern schließt mit Suzuki eine umfangreiche strategische Allianz. Die Wolfsburger kaufen knapp 20 Prozent der Anteile des japanischen Kleinwagenbauers - Experten schätzen die Kosten auf mindestens anderthalb Milliarden Euro.

Suzuki-Modell SX4: Solides Standbein in den Märkten Asiens und Indiens Zur Großansicht

Suzuki-Modell SX4: Solides Standbein in den Märkten Asiens und Indiens

Hamburg - Volkswagen steht kurz vor dem Einstieg beim japanischen Kleinwagenbauer Suzuki. Man habe eine Rahmenvereinbarung mit Suzuki unterzeichnet, hieß es in einer am Mittwoch Morgen verbreiteten Pressemitteilung. Vorbehaltlich der Zustimmung der Wettbewerbshüter werde VW 19,9 Prozent des japanischen Kleinwagen-Herstellers übernehmen. Die Produktportfolios beider Konzerne würden sich sehr gut ergänzen.

Suzukis Chairman Osamu Suzuki hatte gegenüber der japanischen Zeitung "Nikkei" zunächst lediglich bestätigt, dass man miteinander verhandle. Bei den Gesprächen gehe es um eine Kapitalbeteiligung und um die operative Zusammenarbeit, sagte er. Suzuki wollte sich allerdings nicht zu Details äußern. Das japanische Unternehmen hatte betont, dass noch keine Entscheidung über einen Erwerb eines Anteils von Volkswagen an Suzuki gefallen sei.

Mit dem Vorhaben würde VW Zugang zu wichtigen asiatischen Märkten bekommen. "Volkswagen wird dafür wohl 1,5 bis 1,8 Milliarden Euro zahlen", schätzte ein beteiligter Berater. Möglicherweise werde der Anteil später auf eine Sperrminorität von mehr als einem Drittel angehoben, sagte eine dritte mit den Verhandlungen vertraute Person. Es sei sowohl denkbar, dass die Suzuki Altaktien abgebe als auch, dass neue Aktien ausgegeben würden.

"An VW vorbei könnte Suzuki dann nur noch schwer geschluckt werden", sagte ein Banker. Im Sommer hatte der Konzern bereits die Übernahme des Sportwagenbauers Porsche angekündigt. 2008 übernahm Europas größter Autobauer die Mehrheit am Lkw-Hersteller Scania. Damit zählt das Unternehmen zehn Marken. Mit dem Blick auf den Kauf weiterer Marken hatte VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch erklärt: "Ein Dutzend kann man sich leichter merken als zehn."

Gerüchte über Volkswagen und Suzuki gibt es schon länger. Piëch hatte Ende Oktober selbst für neuen Gesprächsstoff gesorgt, als er erklärte, Suzuki sei eine für VW interessante "waschechte Marke". Einige Monate zuvor hatte er öffentlich gelobt, die Japaner bauten kleine Autos zu günstigen Preisen mit hoher Qualität. Auch von anderen VW-Aufsichtsräten hatte es immer wieder geheißen, der Konzern sei an Suzuki interessiert. "Wenn es dazu kommen sollte, könnte man von Suzuki eine Menge lernen", hatte einer der Räte erklärt. Selbst die Motorradsparte sei für VW interessant, da in Schwellenländern die individuelle Mobilität meist mit Motorrollern und Kleinkrafträdern beginne.

Suzuki hatte vergangenen Monat abgestritten, Gespräche über ein Bündnis mit VW zu führen. Allerdings hatte der kurz vor seinem 80. Geburtstag stehende Manager in der Vergangenheit auch mehrfach betont, seine "kleine" Autofirma brauche einen starken Partner, um gegen den harten Wettbewerb der Branche bestehen zu können.

Der ehemalige Partner General Motors hatte sein 20-Prozent-Paket an Suzuki Chart zeigen in den Jahren 2006 bis 2008 an den japanischen Autobauer zurückgegeben, der sie nun als eigene Aktien hält. Ein hochrangiger Suzuki-Manager hatte im September erklärt: "Für Suzuki und VW wäre diese Verbindung eine Win-win-Situation - Suzuki hätte Zugriff auf eine Vielzahl von VW-Technologien, während Volkswagen ein solides Standbein in Indien und in Südostasien erhielte."

Technologie-Transfer zwischen VW und Suzuki angestrebt

"Es soll eine Art Technologie-Transfer-Übereinkunft geschlossen werden", sagte ein Insider am Dienstag. VW interessiert sich Kreisen zufolge besonders für die kleinen Modellplattformen von Suzuki, da der Konzern hier Nachholbedarf sieht. Suzuki ist mit seinen Kleinwagen im Wachstumsmarkt Indien Marktführer. Die Japaner wiederum könnten etwa von den Dieselmotoren des Volkswagen-Konzerns profitieren.

Volkswagen hat mit dem Modell Up! bereits einen Kleinwagen im Programm, der 2011 in der Slowakei vom Band rollen soll. Mit den besonders günstigen Modellen von Suzuki könnte der Wolfsburger Konzern aber auch das Billigsegment darunter abdecken. VW hat sich das Ziel gesetzt, bis 2018 zum weltgrößten Autobauer aufzusteigen. Mit einer Suzuki-Übernahme wäre das sofort erreicht. VW-Patriarch Piëch strebt einen Mega-Konzern an, der vom sparsamen Kleinstwagen bis zum Schwerlaster alles im Angebot haben soll.

mik/wit/Reuters/Dow Jones/AFP

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Forum - Nach Porsche nun Suzuki - wer kann VW noch stoppen?
insgesamt 117 Beiträge
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1.
Harald E, 09.12.2009
Zitat von sysopDer VW-Konzern schließt mit Suzuki eine umfangreiche strategische Allianz. Die Wolfsburger kaufen knapp 20 Prozent der Anteile des japanischen Kleinwagenbauers - Experten schätzen die Kosten auf mindestens anderthalb Milliarden Euro. Wer kann VW noch stoppen?
Die politisch forcierten Kaufkraftverluste.
2. Wo liegt der Nutzen?
Carguy 09.12.2009
Zitat von sysopDer VW-Konzern schließt mit Suzuki eine umfangreiche strategische Allianz. Die Wolfsburger kaufen knapp 20 Prozent der Anteile des japanischen Kleinwagenbauers - Experten schätzen die Kosten auf mindestens anderthalb Milliarden Euro. Wer kann VW noch stoppen?
Also doch, obwohl Suzuki zunächst heftig dementierte. Ob man mit einem 20 % Anteil strategisch viel bewegen kann, bezweifle ich. Die´vorherige GM Beteiligungen an Suzuki ist jedenfalls wieder aufgegeben worden. Die 11. VW-Marke ist Suzuki damit noch nicht.
3. Weltmeister wovon?
Carguy 09.12.2009
Der Deal entspricht dem (größenwahnsinnigen) Rekorddenken von Piech. Mit einem Anteil von 20 % an Suzuki ist der Suzuki- Verkauf von Autos nicht dem VW Konzern zuzurechnen. Damit fällt das Überholen von Toyota gegenwärtig noch flach. Zuletzt lag VW hinter Toyota und GM an 3. Stelle.
4. Risiko
Hubert Rudnick, 09.12.2009
Zitat von sysopDer VW-Konzern schließt mit Suzuki eine umfangreiche strategische Allianz. Die Wolfsburger kaufen knapp 20 Prozent der Anteile des japanischen Kleinwagenbauers - Experten schätzen die Kosten auf mindestens anderthalb Milliarden Euro. Wer kann VW noch stoppen?
VW muß aufpassen damit sie sich nicht verschlucken, denn sie was heute Zukäufe heißt, könnte morgen schon ein Schritt in die Pleite sein.
5.
semper fi, 09.12.2009
Zitat von sysopDer VW-Konzern schließt mit Suzuki eine umfangreiche strategische Allianz. Die Wolfsburger kaufen knapp 20 Prozent der Anteile des japanischen Kleinwagenbauers - Experten schätzen die Kosten auf mindestens anderthalb Milliarden Euro. Wer kann VW noch stoppen?
Gegenfrage: Ist das jetzt wieder eine Hochzeit, die im Himmel geschlossen wurde? Weitere Frage: Ist der Redakteur, der das geschrieben hat, in Wirtschaftsdingen fit? Investitionen sind erst mal keine Kosten, können es aber schnell werden, wenn die im Himmel erledigte Hochzeit in der Hölle geschieden wird. Sie Daimler-Chrysler. Insgesamt bleibt zu hoffen, dass Piech & Co. genauso auf die Schnauze fallen.
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