Hamburg - Ein geordnetes Haus hatte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann seinem Nachfolger hinterlassen wollen. Ein Vergleich mit den Erben des Medien-Moguls Leo Kirch hätte das Geldinstitut endlich von einer lästigen Altlast befreit. Doch einer Einigung stehen immer neue Hindernisse im Weg.
Bankchef Josef Ackermann und Kirchs Erben hatten vor zwei Wochen ins Auge gefasst, den Streit um Schadensersatz in einem Vergleich beizulegen. Der Medienunternehmer hatte die Deutsche Bank
und ihren ehemaligen Vorstandssprecher Rolf Breuer für die Pleite seines Konzerns verantwortlich gemacht, weil Breuer in einem Interview Kirchs Kreditwürdigkeit angezweifelt hatte.
Ein neues, bisher unbekanntes Gutachten des Wirtschaftsprüfers PricewaterhouseCoopers (PwC) im Auftrag des Oberlandesgerichts München zu einem anderen Gerichtsverfahren um die Insolvenz der Kirch-Gruppe kommt jedoch zu dem Schluss, dass die Mediengruppe zum Zeitpunkt des umstrittenen Breuer-Interviews bereits überschuldet war.
Hauptversammlung soll abstimmen
Zwar hatte auch die Bank bislang stets argumentiert, die Äußerungen ihres Ex-Chefs seien nicht ursächlich für Kirchs Pleite gewesen, ehe sie vor zwei Wochen überraschend einen Vergleich in Erwägung zog. Doch Ackermann hielt die 800 Millionen für die Einigung für einen guten Weg, um die Sache endlich vom Tisch zu kriegen.
Doch nach dem Gutachten überwiegt im Vorstand nun die Sorge, der Vergleich könnte Klagen von Aktionären nach sich ziehen. Einigen könne man sich allenfalls auf einen deutlich niedrigeren Betrag. Die Führung der Bank erwägt zudem, die Aktionäre in der Hauptversammlung über einen möglichen Vergleich abstimmen zu lassen.
Sprecher der Deutschen Bank und der Erben Kirchs lehnten einen Kommentar zu den Berichten ab. Der 2011 gestorbene Kirch und seine Erben hatten die Bank in einer fast zehnjährigen Prozessfehde auf Schadensersatz in Milliardenhöhe verklagt. Auslöser war ein Fernsehinterview mit dem damaligen Deutsche-Bank-Vorstandsvorsitzenden Rolf Breuer im Februar 2002, in dem Breuer die Kreditwürdigkeit Kirchs anzweifelte. Kirch sah in der Äußerung den Grund für die Pleite seines Medienimperiums. "Das Interview war meine Schlachtung", sagte er später.
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mik/dapd
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