US-Notenbank Im Goldbunker

Unter der Südspitze Manhattans befindet sich der größte Goldtresor der Welt. Auch Deutschland lagert dort noch erhebliche Reserven ein. Oder ist das alles nur Show? Ein Besuch.

Federal Reserve Bank of New York

Von , New York


Kein Laut dringt in den Tresorraum. Tief im Granitfels unter Manhattan öffnen drei Männer eine Gitterzelle voller Goldbarren. Sie legen die Barren einzeln auf eine Waage. Sie schreiben Gewicht und Seriennummern auf. Sie verstauen sie in Kisten und schieben sie in einen Lastenaufzug, der zu einer Garage hochrumpelt.

Auf diese Weise verschwanden vor einiger Zeit mal rund 24.000 Goldbarren im Wert von mehr als zehn Milliarden Euro aus den Katakomben der US-Notenbank. Kein Diebstahl, sondern Routine: Es handelte sich um einen Teil des deutschen Goldes, das die Bundesbank seit dem Zweiten Weltkrieg dort aufbewahrt, wie viele andere Länder auch: 300 Tonnen holte die Bundesbank jüngst etappenweise zurück.

So ist die offizielle Darstellung. Doch wie genau diese Rückrufaktion ablief, halten die Banken bis heute geheim. Verschwörungstheoretiker bezweifeln seither, dass sich hier, 60 Meter unter dem US-Börsenviertel, tatsächlich das weltgrößte Goldlager befindet, wie die Notenbank Fed prahlt (500.000 Barren, bis zu 260 Milliarden Dollar). Sie halten das für Show.

"Außer den Angestellten weiß keiner mit Sicherheit, ob das Gold wirklich da ist", sagte der Edelmetallanalyst Ronan Manly dem "Wall Street Journal". Die Fed habe "in ihrer ganzen Geschichte niemals Beweise" für seine Existenz geliefert.

Unsinn, denkt man. Es gibt doch Statistiken, Listen, Fotos. Schon viele Besucher durften die Barren im Bunker bewundern, wenn auch aus sicherer Entfernung. Doch was, wenn das Attrappen sind, fragen Kritiker?

Nur handschriftliche Notizen, kein Smartphone, "keine Zeichnungen"

Der SPIEGEL hat den Tresor in der Liberty Street besucht, um mehr zu erfahren über den Mythos und die transatlantische Barrenreise. Allein die Logistik: 300 Tonnen Gold - wie kommt so etwas von New York nach Frankfurt?

Das könne sie nicht sagen, sagt die Dame von der Fed schon zur Begrüßung. Sie ist zuvorkommend, will aber nicht namentlich zitiert werden und beharrt auf Diskretion. Nur handschriftliche Notizen, kein Smartphone, "keine Zeichnungen".

Die Festung der New Yorker Fed umfasst einen ganzen Straßenblock, 19 Etagen, davon fünf unterirdische. Der tiefste Keller, den man über einen engen Aufzug erreicht, erinnert an einen Atombunker. Der Betonboden verschluckt jeden Laut, er ruht auf dem Grundstein, 15 Meter unter dem Meeresspiegel. Als am 11. September 2001 drei Straßen weiter das World Trade Center einstürzte, war hier nichts zu spüren.

Die Bank of England dagegen sei auf Lehm gebaut, berichtet die Fed-Frau. Die müssten ihre Goldbarren dauernd herumschieben.

Die Wände meterdick, die Tresortür 140 Tonnen schwer

Goldbunker der Fed
Federal Reserve Bank of New York

Goldbunker der Fed

Die Wände sind meterdick, die Tresortür, fast drei Meter hoch, besteht aus einem 140-Tonnen-Stahlrahmen, darin ein 90-Tonnen-Stahlzylinder. Nicht an die Tür lehnen, warnt die Bunkerführerin. Die Tür versiegele den Raum luftdicht, es bleibe dann lediglich genug Sauerstoff, dass eine Person 72 Stunden überleben könne.

Der Tresor erinnert an ein Gefängnis. 122 Zellen, durchlaufend nummeriert, mit je einem Vorhängeschloss, zwei Kombinationsschlössern und einem Siegel. Die meisten sind leer, bis auf die Nr. 86 ganz vorne: Hier liegen die Barren für Demonstrationszwecke, nach Angaben der Fed sind es 5160.

Wem gehören sie? No comment.

Unsere Gastgeberin betet lieber andere Informationen herunter, wie im Museum. Der älteste Barren habe das Jahr 1914 eingraviert. Am 11. September 2001 habe die hauseigene Fed-Klinik Verwundete versorgt. Goldraube wie im Actionfilm "Stirb langsam: Jetzt erst recht" seien reine Fiktion. In einer der Zellen liege nur ein Barren.

In welcher? Wem gehört der? Wo ist das deutsche Gold? No comment.

Das Gold scheint echt zu sein

28 Regierungen und internationale Organisationen nutzen den bombensicheren Tresor als Golddepot. Doch erst 2013 machte die Bundesbank öffentlich, dass rund 70 Prozent seiner Reserven im Ausland lägen, in Paris und New York. Die teilweise Wiedereinbürgerung nahm Jahre in Anspruch und endete 2016, was Frankfurt jedoch ebenfalls erst im August bestätigte. Laut "Financial Times" wurde das Gold nach Frankfurt zurückgeflogen und dann teils in der Schweiz umgeschmolzen. 1236 Tonnen sollen in New York verblieben sein.

Die meisten Fed-Kunden bleiben so anonym wie die Herkunft des Goldes: "Wir stellen keine Background-Checks an", so die Fed. 1943 schleuste sie mindestens 61 Millionen Dollar Gold vom besetzten Europa ins NS-freundliche Argentinien, später schmolz sie Hunderte Barren Nazi-Raubgold um, auf das Hakenkreuze graviert waren. Man habe nicht gewusst, dass das teils auch jüdisches Gold gewesen sei.

Die Bunkertour lässt viele Fragen offen, bestätigt aber auch die wilden Thesen nicht. Das Gold scheint wohl echt zu sein. Oder?

Zum Abschied bekommt der Gast einen USB-Stick in Form eines Goldbarrens geschenkt. Er ist aus Plastik.



insgesamt 68 Beiträge
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Seite 1
dirk.resuehr 28.05.2018
1. Interessante Statistik
Das Ranking der Goldreserven ist sehr interessant. USA natürlich weit vorne, dann die BRD und dann? Die 'Italiener, die so dringend Geld der EU' brauchen! Noch Fragen?
rosinci 28.05.2018
2. Wo ist der Rest
warum wird nicht der gesamte Gold Volumen zurückkehren? Also souverän werden sie das doch können? Gold ist auch machtinstrument, siehe afrikanische Staaten, die 85 % ihrer Reserven in Paris horten müssen
echoanswer 28.05.2018
3. "Man habe das nicht gewusst ...
das es auch jüdisches Gold war". Was hätte das geändert? Seit wann haben Banker eine Moral,wenn es ums Geld geht? Das wäre der erste Fall der Menschheitsgeschichte.
ralphfischer.1 28.05.2018
4. Na ja,
daß Deutschland sein Gold dort freiwillig lagert, darf nach Einsichtnahme in diverse Verträge, die die Nachkriegsregelungen betreffen, wohl bezweifelt werden.
Det_onator 28.05.2018
5. Nichts weiß man nicht
@ SPON, den Artikel hättet ihr euch schenken können, jetzt wissen wir immer noch nicht, ob das Gold tatsächlich physisch vorhanden ist, oder alles nur ein großer Bluff und die Goldreserven lange schon verbraucht. Die Deutsche Bundesbank sollte mal Stellung beziehen und Goldexperten die Bestände überprüfen lassen, erstens ob sie tatsächlich echt sind und ob überhaupt vorhanden.
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