Kurz vor dem Börsengang Spotify rechnet mit hohen Verlusten

Musik-Streamingdienst Spotify setzt kurz vor dem Börsendebüt auf Umsatz statt Gewinn: Bis Ende 2018 plant das Unternehmen auf 200 Millionen Nutzer zu wachsen - und nimmt dafür weiter rote Zahlen in Kauf.

Spotify-Chef Daniel Ek
AFP

Spotify-Chef Daniel Ek


Der Streaming-Musikdienst Spotify will zum Jahresende auf rund 200 Millionen Nutzer wachsen - rechnet aber weiterhin mit roten Zahlen. Die Zahl zahlender Abo-Kunden solle 92 bis 96 Millionen erreichen, kündigte Spotify in einer aktualisierten Prognose gut eine Woche vor dem Börsengang in New York an. Ende 2017 hatte der Dienst 71 Millionen zahlende Abo-Kunden und rund 159 Millionen Nutzer insgesamt.

Spotify bietet Nutzern sowohl einen kostenlosen, werbefinanzierten Basisdienst als auch einen kostenpflichtigen Premiumzugang an.

Auch in Zukunft: hoher Umsatz, hohe Verluste

Der Jahresumsatz soll auf bis zu 5,3 Milliarden Euro anwachsen, das wäre ein Plus von 30 Prozent. Im Vorjahr hatte das Unternehmen bereits eine Umsatzsteigerung von 39 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro hingelegt. Das Wachstum kam jedoch zu einem hohen Preis: Der Verlust stieg 2017 von 539 Millionen auf 1,24 Milliarden Euro.

Bisher hat das vor zwölf Jahren gegründete Unternehmen noch nie schwarze Zahlen geschrieben. Bereits 2016 und in den Vorjahren hatte das Unternehmen wegen hoher Investitionen Millionenverluste gemacht. Auch für 2018 erwartet das Unternehmen laut der Prognose erneut hohe Defizite.

Das Minus soll jedoch etwas kleiner werden: Spotify will seinen Betriebsverlust auf 230 bis 330 Millionen Euro reduzieren. Im vergangenen Jahr lag der operative Fehlbetrag bei rund 378 Millionen Euro.

Unter dem operativen Ergebnis oder Betriebsergebnis versteht man normalerweise einen Gewinn oder Verlust im Kerngeschäft eines Unternehmens, vor Abzug von Steuern und Zinszahlungen.

Geld sparen durch Direktplatzierung

Allein der Börsengang kostet Spotify 35 bis 40 Millionen Euro. Hier dürfte der Streamingdienst allerdings Geld gespart haben - durch den ungewöhnlichen Weg einer Direktplatzierung, bei der einfach bestehende Aktien gehandelt werden können.

Das Unternehmen lässt sich dabei zwar von Investmentbanken wie Goldman Sachs und Morgan Stanley beraten, beauftragt sie aber nicht wie üblich mit der Aktienausgabe selbst und dem dazugehörigen Preisbildungsverfahren. Der Musik-Streamingdienst will am 3. April an der Börse in New York starten.

Über einen Börsengang wurde schon lange spekuliert. Ein Risiko für Anleger könnte die Klage eines Musikverlags sein, der mindestens 1,6 Milliarden Dollar Zahlungen für Songautoren erstreiten will.

ans/dpa



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herrvorragend69 26.03.2018
1. Umsatz/Nutzer
Ich verstehe das Verhältnis von Umsatz zu Abonnentenzahl nicht. 4,1 Mrd/71 Mio/12 sind ja nur 4,80€/Monat von jedem zahlenden Abonnenten und das bei 0€ Werbeeinnahmen. Klar sind einige erst im Laufe des Jahres eingestiegen und haben nicht die vollen 12 Monate bezahlt, aber bei dem normalen Preis von 10€/Monat kommt mir das doch sehr wenig vor. Hat da jemand Insights?
Traktoristin 26.03.2018
2. ...da brauch mein keine Insights
....Blick auf die Abo Angebote reicht. Als Beispiel mal den Family Account mit 6 Nutzern für 14,99 €. Und schon zahlt man statt 10 € nur noch 2,50 € pro Account.
iczek 26.03.2018
3. Nutzer vs. Abonnent und verschiedene Märkte
Richtig, Ein Abonnent kann mit einem Family Account bis zu 6 Nutzer haben. Zudem kostet das Abo je Land bzw. Region verschieden: http://mts.io/projects/spotify-pricing/
Nonvaio01 26.03.2018
4. spotify
wird auch wieder verschwinden. Ich nutze nur online radios, Tunein z.b kostst nochts und ich kann nach genre auswaehlen, oder auch lokal radio aus aller welt. FFN in Irland..;-) Ich hab noch nie verstanden warum man spotify braucht.
MartinS. 27.03.2018
5. ...
Zitat von Nonvaio01wird auch wieder verschwinden. Ich nutze nur online radios, Tunein z.b kostst nochts und ich kann nach genre auswaehlen, oder auch lokal radio aus aller welt. FFN in Irland..;-) Ich hab noch nie verstanden warum man spotify braucht.
brauchen.... brauchen... was braucht man schon? Spotify ist ja kein Radio, sondern eine Datenbank mit kompletten Alben, der Möglichkeit, sich individuelle Playlists zu erstellen und das ganze auch noch offline speichern zu können, so dass man nicht auf beständige Datenverbindung angewiesen ist, um Musik zu hören. Das ist kein Ersatz fürs Radio, sondern ein Ersatz für die heimische Musiksammlung.
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