New Yorks teuerste Wohnung Luxus-Schnäppchen für 39 Millionen Dollar

Manhattans Immobilienmarkt leidet unter der Kreditkrise, selbst für Luxusapartments sind die Preise eingebrochen. Die 1000 Quadratmeter der "State Suite", New Yorks teuerster Wohnung, gibt es schon für 39 Millionen Dollar - SPIEGEL ONLINE hat sie besichtigt.

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Von , New York


Elizabeth Lorenzo ist schon lange im Geschäft. Ihre Spezialität sind Luxusimmobilien: Nobel-Apartments, Town- und Penthouses, private Hotelsuiten. Superlative benutzt sie am Fließband - so auch jetzt: "In all meinen Jahren habe ich noch nie so etwas Einzigartiges gesehen", trällert sie aufgeregt. "Dies ist die phantastischste Immobilie in der ganzen Stadt!"

Lorenzo - zierlich, straff, manikürt - steht in einem riesigen, leeren Saal. Durch die massiven Fenster fällt Sonnenlicht aufs Eichenparkett, spiegelt sich in Marmorsäulen und blütenweißen Wänden. Der Blick geht hinaus auf den Central Park, das Herbstlaub glüht, eine Touristenkutsche zuckelt vorbei. "New York", seufzt Lorenzo. "Wie es funkelt."

Es funkelt vor allem an dieser noblen Adresse: 1 Central Park South. Eine Adresse, die jeder New Yorker kennt: Hier liegt das legendäre Plaza, das einstige Grand Hotel, das heute größtenteils aus Luxusapartments besteht.

Und eben hier befindet sich auch die zurzeit teuerste Eigentumswohnung New Yorks - sie kostet 39 Millionen Dollar. Wobei die Bezeichnung Wohnung untertrieben ist. "Ein prachtvolles Stadtanwesen", verheißt das offizielle Listing. "Perfekt für großartiges, kultiviertes Wohnen."

Derlei Wortblasen wirken heutzutage entweder pervers oder verzweifelt. Die Kreditkrise machte auch New Yorks Luxusimmobilienmarkt kaputt, und selbst die jüngste Erholung der Wall Street kommt hier nur schleppend an. Die Preise für Luxuswohnungen (sprich: teurer als eine Million Dollar) fielen im dritten Quartal zwar nicht mehr ganz so schnell, sie lagen aber immer noch um drei Prozent unter denen von 2008.

"Ich glaube, das Schlimmste ist vorbei"

1 Central Park South ist ein Musterbeispiel dafür, wie schlecht es um das verwöhnte Marktsegment steht - zumindest relativ. Obwohl als "Trophäe" annonciert, stand die Mega-Immobilie erst zum Verkauf, dann wieder nicht, jetzt wieder doch. Derweil schmolz ihr Preis von 45 auf 39 Millionen Dollar. Früher kannten die Immobilienpreise in New York nur eine Richtung - nach oben.

Zugleich zeigt der Fall aber auch, dass eine "schlechte Marktsituation" am Central Park South eine etwas andere Bedeutung hat als etwa in East Harlem.

"Ich glaube, dass das Schlimmste vorbei ist", gurrt Lorenzo, einer der Verkaufsstars der Immobilienagentur Stribling. "Ich kann es spüren." Sie reicht dem Besucher eine goldgravierte Visitenkarte und führt ihn langsam durch ihr Vorzeigeobjekt, ein besenreines Prunkzimmer nach dem anderen. Ihre Stöckelschuhe hallen über den Boden. "Diese Räume haben eine gewisse Romantik."

Auf jeden Fall haben sie Historie. 1907 eröffnet, war das neobarocke Plaza am Central Park fast ein Jahrhundert lang ein Knotenpunkt von Glamour und Großmannssucht. Marlene Dietrich, Marilyn Monroe, Cary Grant, Audrey Hepburn, Truman Capote, Liz Taylor, Jackie Onassis, die Beatles: Alle tummelten sich hier.

Foyer, Salon, Speisezimmer - insgesamt fast 1000 Quadratmeter

Ende 2004 kaufte die Immobiliengesellschaft Elad das Plaza, renovierte es, eröffnete es als kleines Boutiquehotel neu und wandelte den Rest in Luxuswohnungen um. Die größte, teuerste davon, Katalognummer CD05-0246, steht aber immer noch leer, und Elizabeth Lorenzo muss weiter auf ihre Provision warten.

Die Zimmerflucht, genannt "State Suite", liegt im zweiten Obergeschoss - dort, wo sich einst die feinsten Plaza-Räume befanden, die "State Rooms": Ballsäle, Hochzeitssuiten, Partytrakte. Sie erstreckt sich über die gesamte Nordachse des Hauses am Central Park entlang sowie über die Vorderfront zur Grand Army Plaza.

Es dauert eine Dreiviertelstunde, bis Lorenzo die fast 1000 Quadratmeter abgeschritten hat: Foyer, Salon, Speisezimmer, Wohnzimmer, Arbeitszimmer, Bibliothek, eine 17 Meter lange "Kunstgalerie" ("ideal für Skulpturen"), fünf Schlafzimmer, Ankleidezimmer, sieben Bäder ("für sie, für ihn, für Gäste"), zwei Küchen.

Die Messingarmaturen sind Reproduktionen der alten Plaza-Beschläge, mit dem berühmten Doppel-"P". Die Küchen - eine für Dienstboten, eine für Herrschaften - haben Viking-Öfen mit je sechs Gasbrennern. Die schwarzen Marmortheken sind absichtlich matt gehalten - "wie man das 1907 so hatte".

Der monatliche Unterhalt summiert sich auf mehr als 11.000 Dollar

Die Klimaanlage wird von einem speziellen Luftbefeuchtungssystem ergänzt, damit weder Pflanzen noch Kunst noch Haut leiden. Die Decken sind vier Meter hoch, selbst im Dienstbotenzimmer. Für den, der Diskretion sucht, gibt es neben dem Haupteingang noch zwei versteckte Nebenpforten.

Schließlich öffnet Lorenzo eine kleine Seitentür. Dahinter: eine komplette Wäscherei, mit zwei Waschmaschinen und zwei Trocknern. "Die Dienstmädchen werden jede Menge Arbeit haben", sagt Lorenzo. "All die schönen Linnen und Laken wollen schließlich gebügelt werden."

Monatlicher Unterhalt für das schönere Wohnen: 11.449 Dollar. Das war es aber nicht, was den ersten Beinahe-Käufer im letzten Moment wieder abgeschreckt hat. Es ist ein Thema, über das Lorenzo nur ungern spricht. "Der Interessent", sagt sie mit glasigem Blick, "konnte die Transaktion nicht abschließen."

Dieser Interessent war Luigi Zunino, der Chef der Mailänder Immobilienfirma Risanamento. Der hatte schon einen Kaufvertrag für die "State Suite" unterschrieben, für 45 Millionen Dollar, konnte die Summe dann aber nicht aufbringen. Das "Wall Street Journal" will erfahren haben, dass er die Wohnung für 100 Millionen Dollar schnell wieder habe abstoßen wollen, um die Differenz einzusacken. Was natürlich ein weiteres Problem war, da er sie dazu ja erst mal hätte besitzen müssen.

Vavilov verklagte Elad, Elad verklagte Vavilov

Also ist die Immobilie seit sieben Wochen wieder auf dem Markt - für sechs Millionen Dollar weniger. "Der Preis", sagt Lorenzo lakonisch, "reflektiert den Markt." Gibt es schon neue Interessenten? "Wir hatten eine sehr nette Resonanz. Wir sind optimistisch."

Wobei die jüngste Geschichte der Plaza-Renovierung eher abschreckend wirken dürfte. Auch dazu sagt Lorenzo nur Kryptisches: "Die Gerichtsverfahren sind beigelegt."

Zum Beispiel das Verfahren, das Andrey Vavilov gegen Elad angestrengt hatte. Der russische Oligarch hatte zwei Penthäuser auf dem Dach des Plaza blind gekauft, für damals 53,5 Millionen Dollar. Als seine Gattin die Liegenschaften jedoch erstmals in Augenschein nahm, war sie außer sich: "Scheußlich", so hieß es in Vavilovs Klage - zu klein, zu niedrig, zu verbaut, zu hässlich, eine Mogelpackung.

Vavilov verklagte Elad, Elad verklagte Vavilov seinerseits wegen Verleumdung. Im Januar wurde der Streit beigelegt: Vavilov behielt eines der Penthäuser zum "Discountpreis" von elf Millionen Dollar, warf es aber sofort wieder auf den Markt. Erst im September wurde er es endlich los, für gerade mal 8,4 Millionen Dollar.

Mittlerweile werden Wohnungen sogar vermietet

Es waren lästige Schlagzeilen für das "neue" Plaza. Hatte es doch mit einer lange Liste von VIPs geprahlt, die sich hier sofort eingekauft hatten: Modezar Tommy Hilfiger, Galerist Guy Wildenstein, Wall-Street-Legende James Cayne, Investment-Queen Suze Orman.

Aber auch andere Besitzer klagten. Im Januar schockte "Vanity Fair" die Immobilienszene mit einem Horrorartikel über die umstrittene Plaza-Konvertierung: "Bittere Vorwürfe und Prozesse machen die Phantasiewelt zu einem Alptraum."

Der Bericht enthielt eine Litanei aus Vorwürfen meist anonym zitierter Käufer: "Versperrter Ausblick, krumme Fußböden, elend langsame Aufzüge und häufige Unterbrechung der Wasserzufuhr." Rund 30 der 181 Apartments kamen demnach schnell wieder auf den Markt, darunter auch die Hilfigers und Wildensteins.

"Wir haben alles wieder verkauft", versichert Lorenzo. "Bis auf das hier." Die ganze Wahrheit ist das wohl nicht: Auf ihrer Stribling-Website bietet sie derzeit neben der "State Suite" neun weitere Plaza-Apartments an, von 1,5 Millionen bis 7,9 Millionen Dollar.

Auch das ein schlechtes Zeichen: Zwei Plaza-Wohnungen gibt es inzwischen sogar zu mieten. 65 und 111 Quadratmeter, Monatsmiete: 6500 und 12.000 Dollar.



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Seite 1
jinky, 08.07.2009
1.
Zitat von sysopWeltweit kehren die Banken zum gewohnten Geschäft zurück - als hätte es die Finanzkrise nie gegeben. Müssen Wall Street und Londoner City umsteuern oder ist ist die Chance der Branche vertan, der Gier Grenzen zu setzen?
Sie hätten umsteuern müssen bzw. man hätte sie zu einem Umsteuern zwingen müssen.
Pinarello, 08.07.2009
2.
Zitat von sysopWeltweit kehren die Banken zum gewohnten Geschäft zurück - als hätte es die Finanzkrise nie gegeben. Müssen Wall Street und Londoner City umsteuern oder ist ist die Chance der Branche vertan, der Gier Grenzen zu setzen?
Warum sollten diese Gangster umsteuern? Jetzt gibt es doch unbegrenzten Kredit vom Staat der auch noch gleich die Verluste übernimmt! Also dann, warten halt bis zur nächsten Krise, die natürlich weit weit schlimmer werden wird, aber warum sollten denn die Politiker ausgerechnet gegen die Leute was unternehmen, von denen sie bezahlt werden und von denen sie ihre Befehle empfangen, hat doch dieses Mal ausgezeichent geklappt, die Folgen dieses Finanzverbrechens dem arbeitenden Bürger und Steuerzahler in die Schuhe zuschieben, genau so stellt sich die Finanzelite doch die Weltherrschaft vor.
schensu 08.07.2009
3.
Zitat von sysopWeltweit kehren die Banken zum gewohnten Geschäft zurück - als hätte es die Finanzkrise nie gegeben. Müssen Wall Street und Londoner City umsteuern oder ist ist die Chance der Branche vertan, der Gier Grenzen zu setzen?
Pah, als ob da unsere Meinung zählte! Das Ganze ist ein Selbstläufer, abgehoben von bekannten Realitäten zum Nutzen Weniger und ggf. Schaden Vieler. Ich brauch die jedenfalls mal gar nich.
Schelm-77 08.07.2009
4. Die Banken kehren zum gewohnten Geschäft zurück...
Am effektivsten läßt sich die Geldgier der Banker stoppen indem man sie einfach weitermachen läßt. Der nächste Crash wird einen frischen Wind durch die meist hohlen Köpfe der Finanzgenies pusten. Einen neuen weltweiten Rettungsfonds wird es dann mit Sicherheit auch nicht mehr geben. Der normalen Anleger sollte sein Geld allerdings vorher in Sicherheit bringen und in Edelmetalle, Edelsteine oder Immonbilien investieren. Im Zweifelsfalls tut es übergangsweise auch der bewährte Sparstrumpf. Den Banken geht es in erster Linie um ihr eigenes Wohl, dementsprechend sollte auch jeder Bürger erst einmal an sich selbst denken und ein erhöhtes Mißtrauen in Sachen Finanzwirtschaft aufbauen.
THM, 08.07.2009
5.
Zitat von sysopWeltweit kehren die Banken zum gewohnten Geschäft zurück - als hätte es die Finanzkrise nie gegeben. Müssen Wall Street und Londoner City umsteuern oder ist ist die Chance der Branche vertan, der Gier Grenzen zu setzen?
Noch erstaunlicher als die Unfähigkeit dieser Branche ist deren dreiste Gier.
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