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Niedersachsen: Dioxin in Schweinefleisch nachgewiesen

Der Dioxinskandal weitet sich aus: In einem Betrieb in Niedersachsen ist nun erstmals auch in Schweinefleisch ein stark erhöhter Giftwert nachgewiesen worden. Hunderte Tiere müssen getötet werden.

Schweinemast: Grenzwerte in Niedersachsen überschritten Zur Großansicht
DPA

Schweinemast: Grenzwerte in Niedersachsen überschritten

Hamburg - Es ist ein einzelner Fund - doch weitere könnten folgen: "Prüfer haben in einem Schweinemastbetrieb im Landkreis Verden in Niedersachsen Fleisch mit stark erhöhten Dioxinwerten entdeckt", sagte Gert Hahne, Sprecher des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums, SPIEGEL ONLINE. Bei einem weiteren Betrieb weise das Fleisch eine Kontaminierung um den Grenzwert herum auf.

Der betroffene Betrieb gehörte den Angaben zufolge zu den Kunden, die mit Futtermitteln des Unternehmen Harles und Jentzsch aus Schleswig-Holstein beliefert worden war. Das Fett war als Ausgangsprodukt an diverse Futtermittelhersteller geliefert und dort weiterverarbeitet worden. Auf diese Weise gelangte das Dioxin mutmaßlich in das Futter von Legehennen und Masttieren. Das Gift war zuvor in Eiern und im Gewebe von Legehennen nachgewiesen worden.

Die Schweine dürften nun nicht mehr verkauft werden, sagte Hahne. Im Klartext heißt das: Sie müssen getötet und die Kadaver vernichtet werden. Der Landkreis Verden will um 14 Uhr in einer Pressekonferenz Details zu dem Fall bekanntgeben.

Es ist das erste Mal, dass im Zusammenhang mit dem Dioxinskandal um Harles und Jentzsch Gift in Schweinefleisch entdeckt worden ist. Doch weitere Funde könnten folgen. Derzeit sind noch 330 Schweine- und Putenmäster und Legehennenbetriebe gesperrt. Diese werden nun alle einzeln kontrolliert, um Risiken für die Lebensmittelsicherheit auszuschließen.

Online-Portal für Verbraucher geplant

Im aktuellen Dioxinskandal war es immer wieder zu Unregelmäßigkeiten gekommen. Nach SPIEGEL-Informationen wurden Prüfer selbst dann nicht stutzig, als man ihnen Lieferscheine mit dem Hinweis vorlegte, die eingekauften Fettsäuren von Harles und Jentzsch seien nicht für Futtermittel geeignet. Es seien ja auch Fette an die Papierindustrie geliefert worden, heißt es nun zur Entschuldigung.

Um Verbraucher künftig besser zu schützen, wollen Bund und Länder eine bundesweite Warnplattform für Lebensmittel einrichten. Die Internetseite soll Informationen aller für Lebensmittel zuständigen Behörden zusammentragen. Sie soll in Kürze online gehen.

Verbraucherministerin Ilse Aigner bemühte sich am Montag darum, Stärke zu demonstrieren. Die CSU-Politikerin plädierte für schärfere Tierfutterkontrollen und für härtere Strafen im Falle einer Verseuchung von Lebensmitteln. Die Verantwortlichen hätten "in völlig verantwortungsloser, skrupelloser Weise" gehandelt, sagte Aigner bei einem Spitzentreffen in Berlin.

Verbraucherschützern gehen Aigners Forderungen nicht weit genug. "Die derzeitigen Ablenkungsdebatten um Zulassungsregeln für Futtermittelbetriebe oder eine Trennung zwischen der Herstellung von Futter- und Industriefetten verhindern nur eine echte Lösung", sagte Foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode. Die Ministerin müsse die Unternehmen per Gesetz verpflichten, jede Charge jeder Futtermittelzutat selbst auf Dioxin zu testen und dies für die Behörden zu belegen, forderte Bode. Bei Überschreitung des Grenzwerts müsse die jeweilige Charge umgehend vernichtet werden.

Auch die EU-Kommission zeigte sich "enttäuscht". Die Branchenvertreter hätten bei dem Gespräch am Montagabend "keinen konkreten Vorschlag" zur Vermeidung weiterer Verunreinigungen von Tierfutter gemacht, sagte ein Kommissionssprecher am Dienstag in Brüssel.

ssu/mmq/AFP

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insgesamt 171 Beiträge
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1. Was für eine Überraschung....
alexl1966, 11.01.2011
Zitat von sysopDer Dioxinskandal weitet sich aus: In einem Betrieb in Niedersachsen ist nun auch in Schweinefleisch ein stark erhöhter Dioxinwert nachgewiesen worden. Das hat das Landwirtschaftsministerium SPIEGEL ONLINE bestätigt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,738844,00.html
....das war ja nun gar nicht zu erwarten. Wer mal mit offenen Augen durch einen Discounter läuft und sich die Preise für Lebensmittel anschaut, sollte sich nicht darüber wundern, dass solche Dinge passieren. Wem das Essen nur ein paar Cent wert ist, der darf sich nicht wundern, wenn er solche Dinge auf seinem Teller findet!
2. Bitte lieber SPON
hilfloser, 11.01.2011
Zitat von sysopDer Dioxinskandal weitet sich aus: In einem Betrieb in Niedersachsen ist nun auch in Schweinefleisch ein stark erhöhter Dioxinwert nachgewiesen worden. Das hat das Landwirtschaftsministerium SPIEGEL ONLINE bestätigt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,738844,00.html
in wiefern ist DAS denn jetzt eine Eilmeldung wert? Könnte man ebenso unter der Rubrik -Vermischtes- einordnen. Wundert doch niemanden!
3. Was mich interessieren würde:
sic tacuisses 11.01.2011
Zitat von sysopDer Dioxinskandal weitet sich aus: In einem Betrieb in Niedersachsen ist nun auch in Schweinefleisch ein stark erhöhter Dioxinwert nachgewiesen worden. Das hat das Landwirtschaftsministerium SPIEGEL ONLINE bestätigt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,738844,00.html
sitzen diese Futtermittelpanscher vom Harles + Jentsch mittlerweile in U-Haft ?? Ist die zuständige Gewerbeaufsicht, die den illegal arbeitenden Betrieb "übersehen" hat gefeuert ? Wehe an meinem Gerüst ( 3 m hoch ) fehlt ein Sicherungs- geländer dann schlägt die Behörde gnadenlos zu.
4.
Faust007 11.01.2011
Allah sei Dank, daß mir kein Schweinefleisch auf den Tisch kommt. :-D Guten Hunger!
5. Schuldsuche
papayu 11.01.2011
Das habt ihr nun davon, ihr Wohlstandsbuerger. Jeden Tag Fleisch und Eier!! Die Landwirte mussten zur Massentierhaltung uebergehen, den Rest erledigte Aldi etc. Metzger, Fleischer oder Schlachter sind inzwischen ausgestorben. Alles plastikverpackt bei Lidl usw. Kann man nicht einmal das Gewicht kontrollieren. In meiner Jugend hiess es SONNTAGSBRATEN und FRUEHSTUECKSEI. Das bekam man in einer Fachhandlung oder direkt vom Bauern. 1939 bis ca.1960 Frueher hiess es, das koennen wir uns nicht leisten. Heute heisst es, was Schmidt oder Meier nebenan kann, koennen wir schon laengst. Beispiel Autos. Verzichtet doch einfach mal die ganze Woche( sonntagsbraten) Mal sehen, auf wieviel Fleisch die Billigmacher vernichten muessen.Da waere den Bauern geholfen und dem Verbraucher auch. Freitags war frueher Fischtag. Vielleicht enthaelt das Steak aus Argentinien auch Ungesundes? Weiss man's.
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Dioxine - Gefahr für Mensch und Tier
Was sind Dioxine?
Dioxine sind chemisch ähnlich aufgebaute Verbindungen, die aber unterschiedlich giftig sind. Der bekannteste Vertreter der Gruppe ist das als Seveso-Gift bekannt gewordene TCDD (2,3,7,8-Tetrachlordibenzodioxin). Im Tierversuch kann es schon in einer Konzentration von einem Millionstel Gramm pro Kilogramm Körpergewicht tödlich sein.
Wie entstehen sie?
Dioxin entsteht unerwünscht etwa bei Verbrennungsprozessen mit Chlor und organischem Kohlenstoff. Nach Angaben des Umweltbundesamts wird das Gift bei 300 Grad und mehr gebildet und bei 900 Grad und mehr zerstört. Auch bei chemischen Produktionsverfahren mit Chlor können die Stoffe entstehen, außerdem bei Waldbränden oder Vulkanausbrüchen.
Welche Gefahren gehen von Dioxinen aus?
Bereits geringe Konzentrationen können gefährlich sein. Als Langzeitwirkungen wurden etwa Störungen des Immunsystems, schwere Erkrankungen der Haut, der Atemwege, der Schilddrüse und des Verdauungstraktes festgestellt. In Tierversuchen wurden krebserregende Wirkungen nachgewiesen.

Die einmal in die Umwelt gelangten Gifte bauen sich nur sehr langsam ab und reichern sich deshalb auch im Gewebe von Tieren und Menschen an. 90 bis 95 Prozent der Belastung kommt über die Nahrung in den Körper - vor allem durch den Verzehr von Fleisch und Milchprodukten. Ein prominentes Opfer einer Dioxin-Vergiftung ist der ukrainische Politiker Wiktor Juschtschenko. Er hat einen Dioxin-Anschlag im Jahr 2004 nur knapp überlebt. (Quelle: dpa)
Fotostrecke
Dioxin im Futter: Verseuchte Lebensmittel?

Dioxin-Skandale
Dioxin-Skandale des vergangenen Jahrzehnts
Der wohl tragischste Dioxin-Skandal fand im Juli 1976 im italienischen Seveso statt. Bei einem Chemieunfall wurde hochgiftiges Dioxin freigesetzt. Zahlreiche Menschen erkrankten an Krebs, 200 an schwerer Chlorakne. In Deutschland ist ein Vorfall in diesem Ausmaß bislang nicht vorgekommen.
1999
Eine belgische Firma liefert verseuchtes Futter an Tausende Betriebe, darunter sind mehrere deutsche.
2003
Mehrere hundert Tonnen Backabfälle aus Thüringen weisen eine Dioxin-Belastung auf, die bis zu 18-mal höher ist als der zulässige Grenzwert.
2004
In Nordrhein-Westfalen werden mehrere Bauernhöfe gesperrt - wegen des Verdachts auf Dioxin im Tierfutter.
2006
Nch Belgien und den Niederlanden wird auch in Deutschland Dioxin im Tierfutter entdeckt. Betriebe in mehreren Bundesländern müssen schließen.
2010
Das Landesamt für Verbraucherschutz sperrt vorübergehend mehrere Öko-Geflügelhöfe. Belasteter Mais soll von einem niederländischen Unternehmen von Nordrhein-Westfalen aus in mehrere Bundesländer verkauft worden sein. Mehrere Supermärkte stoppen den Verkauf von Bio-Eiern.

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