Preisverfall Aldi geht auf Konfrontationskurs zu Milchbauern

Angesichts der niedrigen Milchpreise kämpfen viele Bauern ums finanzielle Überleben. Immer wieder protestieren die Landwirte gegen die Dumpingpreise der Discounter. Aldi weist nun alle Schuld von sich.

Milchkuh
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Der Discountriese Aldi hat angesichts der niedrigen Milchpreise seine Einkaufs- und Kundenpolitik verteidigt. Grundlage für die Preisfindung bei Aldi seien faire Einkaufspraktiken, bei denen sich der finale Einkaufspreis über regelmäßig stattfindende Ausschreibungen ergebe, teilte eine Sprecherin von Aldi Nord der Nachrichtenagentur dpa mit.

Die Milcherzeuger leiden unter anhaltend niedrigen Preisen aufgrund eines europaweiten Überangebots. Sie bekommen derzeit nur etwa halb so viel für die Milch, wie sie für eine kostendeckende Produktion brauchen. Seit Mai 2015 ist die Anzahl der Milchviehbetriebe in Deutschland um fast fünf Prozent gesunken.

Die EU hat deshalb vor Kurzem ein weiteres Finanzpaket in Höhe von 500 Millionen Euro beschlossen. Allein 150 Millionen Euro davon gehen an Milcherzeuger, die ihre Produktion drosseln.

Dumpingpreise seien mitverantwortlich für die Krise

Die Bauern geben Einzelhandelsketten wie Aldi, Lidl und Co. eine Mitschuld an der Krise. Dumpingpreise für Milch bei Discountern seien mitverantwortlich für die extrem niedrigen Erzeugerpreise, sagte der Vorsitzende des Landesverbands der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Ottmar Ilchmann. Er rief die Landwirte dazu auf, nicht zu resignieren, sondern den Druck auf Bauernverband, Politik und Molkereien zu erhöhen.

Milchbauern gehen aus Protest gegen die niedrigen Preise immer wieder auf die Straße. So auch in der Nacht zum Montag, als Landwirte mit Treckern ein Logistikzentrum von Aldi Nord im niedersächsischen Hesel (Landkreis Leer) zeitweise blockierten. Die Aktion habe die Versorgung der Filialen aber nicht beeinträchtigt, hieß es.

Aldi Nord weist daraufhin, dass die Molkereien Milch günstiger anbieten würden. "Als Discounter gehört es (...) zu den Grundsätzen unserer Preispolitik, dass wir günstigere Einkaufspreise nicht einbehalten, sondern an unsere Kundinnen und Kunden weitergeben", teilte das Unternehmen per E-Mail mit.

Das Unternehmen betonte zugleich, dass man sich als einer der führenden Lebensmitteleinzelhändler seiner gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sei. "Wir schätzen die hohe Qualität der deutschen landwirtschaftlichen Erzeugnisse sehr und bedauern, dass die Preisbildung des Marktes diese Qualität nicht immer angemessen wiedergibt", hieß es in der Mitteilung von Aldi.

msc/dpa

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denkdochmal 22.08.2016
1. Ich trinke gern mal...
ein Bier. Genau so gern aber Milch. Was ich schändlich finde, sind die Preise. Beim Bier für 0,2L 1,80 € mindestens und für Milch der Liter um 0,45 €. Das ist eine üble Herabwürdigung der Leistung der Milchbauern, die wahrhaftig viel mehr leisten müssen als die Bierbrauer.
crunchy_frog 22.08.2016
2.
Aldi hat doch völlig recht. Als Einzelhändler ist es deren ureigenste Aufgabe, so günstig wie möglich zu halten. Kein Milchbauer ist gezwungen, zu diesem Preis zu verkaufen, nur wenn so massiv überproduziert wird, sinkt der Preis ganz automatisch. In jeder anderen Brance würde sich das von selbst marktwirtschaftlich regeln, nur die Milcherzeuger meinen sie sind etwas besseres und können produzieren wie viel sie wollen. Und wenn dann der Markt das nicht mehr aufnehmen kann, wird nach der Politik geschrien undder Steuerzahler soll diesen Irrsinn finanzieren.
BettyB. 22.08.2016
3. Tja,...
Da schaufeln Milchwirte ihrer Kollegen Grab in der Hoffnung, nicht selbst hineinzufallen...
INGXXL 22.08.2016
4. Wenn es eine Überproduktion
gibt müssen halt die nicht rentabel en Betriebe schließen. 5% sind da halt zu wenig.
bristolbay 22.08.2016
5. Angebot und Nachfrage
Noch immer bestimmt das Verhältnis von Angebot und Nachfrage den Preis, auch in einer sozialen Marktwirtschaft. Sicherlich hat die Marktmacht auch eine Bedeutung, doch es stehen sich doch einige große Nachfrage nur einigen großen Anbietern gegenüber und deshalb sollte doch dieser Aspekt nebenrangig sein. Aber das marktwirtschaftliche Denken vieler Bauern ist zu simpel und sollte als Milchmädchenrechnung in den Milchsee gekippt werden. Bei einer Verdopplung der Kühe steigt das Angebot an Milch und der Preis wird weniger als vorher sein. Liebe Bauern, dies ist falsch. Viel wichtiger. Die Landwirte sollen mal hinterfragen, was denn ihre Genossenschaften machen. Die Milchwirtschaft und große Teile des Landhandels werden doch von Genossenschaften beherrscht. Ob sie Milram, agravis, RWZ, HaGe, Baywa, Westfleich oder wie heißen, sie sind doch die Anbieter fast aller landwirtschaftlichen Produkte und die Landwirt sind doch als Genosse Mitinhaber oder ist es so, dass sich diese ausgeklinkt haben und nur die Verwalter der Agroindustrie sind. Was hat ein bayrischer Obstlandwirt davon, wenn "seine" Baywa gleichzeitiger größter Apfelhändler Neuseelands ist? Also, nicht stöhnen, Menge runternehmen, dann gibt es auch bessere Preise.
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