Angst vor Strafzinsen Versicherung bunkert große Summe Bargeld im Tresor

Die Munich Re reagiert auf die Strafzinspolitik der EZB: Der Versicherungskonzern lagert Bargeld ab sofort im eigenen Haus.


Der Versicherungsriese Munich Re hat aufgrund der Strafzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) eine zweistellige Millionensumme Bargeld im eigenen Haus eingelagert. "Wir testen das jetzt mal", sagte Vorstandschef Nikolaus von Bomhard auf der Bilanzpressekonferenz in München. Man müsse ausprobieren, wie die Geldeinlagerung im eigenen Haus funktioniere und ob sich dadurch Kosten sparen ließen. Auch Gold habe die Munich Re eingelagert.

Die EZB verlangt für Geld, das Banken über Nacht bei ihr parken, inzwischen einen Strafzins von 0,4 Prozent. Mit den Strafzinsen wollen die Währungshüter die Banken dazu zwingen, überschüssiges Geld als Kredite an Unternehmen und Verbraucher auszugeben, statt es zu bunkern. So soll die Wirtschaft besser in Schwung kommen - und letztlich sollen so auch die Preise wieder steigen.

Anfang März war bekanntgeworden, dass mehrere Sparkassen darüber nachdenken, überschüssige Kundeneinlagen künftig im eigenen Tresor zu lagern, um die Strafzinsen für die Geldaufbewahrung bei der EZB zu vermeiden. Bisher handele es sich aber nur um ein theoretisches Szenario, hieß es.

Munich-Re-Chef kritisiert EZB

Munich-Re-Chef von Bomhard schlägt wegen der Niedrigzinsen Alarm. "Wenn die Zinsen nicht bald steigen, werden wir Federn lassen, bis ins Ergebnis hinein", sagte er. Der Chef des Dax-Konzerns übte zugleich heftige Kritik an der Geldpolitik der EZB. Er warf der Bundesregierung vor, einem Vermögensverlust der Sparer in Deutschland durch die Nullzins-Politik der EZB tatenlos zuzusehen.

Es sei in höchstem Maße befremdlich, dass sich die Bundesregierung angesichts der verhängnisvollen Zinspolitik der EZB nicht einschalte, sagte von Bomhard. Die "Erosion des Rechts" sei mit Händen zu greifen. "Was wir sehen, besorgt uns in höchstem Maße." Die Umverteilung, die durch die Zinspolitik ausgelöst werde, treffe vor allem die Ärmeren. "Das kann man nicht einfach laufen lassen."

msc/dpa/Reuters

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