USA Nike wirbt mit Anti-Rassismus-Rebell Kaepernick - Aktie bricht ein

Mit seinem knienden Protest löste Colin Kaepernick eine Bewegung gegen Donald Trump aus. Nun macht Nike den Footballspieler zum Gesicht seiner Werbekampagne - der US-Präsident spricht von einer "furchtbaren Botschaft".


Der umstrittene US-Footballspieler Colin Kaepernick ist eines der Gesichter der neuesten "Just Do It"-Werbekampagne von Nike. Dem Aktienkurs des Sportartikelherstellers bekam das am Dienstag nicht gut: Er rutschte um fast drei Prozent ab. Unter dem Twitter-Hashtag #NikeBoycott verbreiteten Nutzer Fotos, wie sie Schuhe und Kleidungsstücke des US-Unternehmens zerreißen und verbrennen. Andere lobten Nike für das Engagement.

Kaepernick polarisiert in den USA wie kaum ein anderer Sportstar: In der Spielzeit 2016/17 hatte der frühere Quarterback der San Francisco 49ers mit einer provozierenden Geste für Aufsehen gesorgt. Vor NFL-Spielen ging er beim Abspielen der Nationalhymne aus Protest gegen Polizeigewalt und Rassismus in den USA auf die Knie. Seit Januar 2017 bestritt er keine Partie mehr, er findet keinen neuen Klub.

Mit seinem Protest löste Kaepernick eine Bewegung aus, etliche Spieler übernahmen die Geste. Die Liga kommt seither nicht zur Ruhe. Auch US-Präsident Donald Trump attackierte die meist afroamerikanischen Football-Stars scharf, die aus Protest gegen Rassismus die Hymne boykottierten und sich weigerten, während der Hymne vor dem Spiel aufzustehen.

Trumps Reaktion auf die Nike-Kampagne

Zur aktuellen Nike-Kampagne sagte Trump nun im Interview mit der konservativen Website "The Daily Caller", er halte es für eine "furchtbare Botschaft" des Unternehmens, die seiner Meinung nach nicht verbreitet werden sollte. "Es gibt keinen Grund dafür." Er lehne die Unterstützung von Kaepernick durch Nike ab. Andererseits sei es das, was Amerika ausmache, "dass man die Freiheit hat, gewisse Dinge zu tun, von denen andere Menschen denken, man sollte sie nicht tun".

Neben Kaepernick sind unter anderem auch Odell Beckham Jr. (American Football), Serena Williams (Tennis) und LeBron James (Basketball) Teil der "Just Do It"-Kampagne, mit der Nike den 30. Geburtstag seines Slogans feiert. Kaepernick wird seit 2011 von Nike gesponsert. "Wir glauben, Colin ist einer der inspirierendsten Sportler seiner Generation, der die Plattform Sport dazu nutzte, um die Welt zu verbessern", sagte Gino Fisanotti, der nordamerikanische Marken-Vizepräsident für Nike, dem Sender ESPN.

Kaepernick verbreitete das Werbefoto auf seinem Twitteraccount. Darauf ist sein Gesicht in Nahaufnahme zu sehen, dazu der Schriftzug: "Glaube an etwas, auch wenn das heißen sollte, alles andere zu opfern".

Analysten erklärten, Nike zeige mit der Wahl Kaepernicks zwar eine "noble Haltung" - handle aber "kommerziell unvorsichtig". Dem Unternehmen droht nun der Verlust von Kunden - "und das zu einem Zeitpunkt, zu dem der Markt für Sportartikel nicht mehr so stark ist wie vor Jahren und zu dem die Konkurrenz wächst".

hej/aar/AFP/sid



insgesamt 55 Beiträge
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dasfred 04.09.2018
1. Super Entscheidung von Nike
Ich nehme an, ein kurzfristiger Kurssturz ist von vornherein einkalkuliert worden. Immerhin machen Unternehmen dieser Größe ja Umfragen und Marktbeobachtungen. Als Signal gegen Trump und für Vielfalt wird sich die Aktie schnell erholen und neue Zielgruppen erschließen.
oranje-web 04.09.2018
2. grossartig
ich hoffe nike folgen noch mehr unternehmen auch in Deutschland, die flagge zeigen gegen Rassismus, Faschismus, Antisemitismus
rabode 04.09.2018
3. wo sind deutsche Firmen....
die sich so deutlich gegen Missstände positionieren. Was macht Adidas gegen Rechtsextremismus? Oder Puma?
heindeburk 04.09.2018
4. Werde Nike kaufen
Brauche eh neue Sporttreter ...
Zeitwesen 04.09.2018
5. Finde ich gut
Finde ich ehrlich gesagt gut dass NIKE hier klare Position bezieht, obwohl die Firma dadurch in den USA eher Verluste einfahren wird. Die Welt wäre sicher eine bessere wenn mehr große Unternehmen nicht nur den Profit als Ideal vor Augen hätten, sondern auch Verantwortung für die Gesellschaft zeigen.
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