Lauda kauft Niki Der fünfte Anlauf

Mit Comebacks kennt sich Niki Lauda aus: Mit dem Niki-Kauf wagt sich der frühere Formel-1-Fahrer zum fünften Mal ins Luftfahrtgeschäft. Das stößt nicht nur auf Gegenliebe.

Niki Lauda im April 2017
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Niki Lauda im April 2017

Von manager-magazin.de-Redakteur


Eine Sache aufgeben, wenn er noch den Funken einer Chance sieht: Das zählt nicht zum Verhaltensrepertoire von Andreas Nikolaus Lauda. Mit Comebacks kennt sich der 68-Jährige, der in seiner Heimat Österreich "Niki Nationale" genannt wird, nicht nur im sportlichen Bereich aus: Sein Unfall auf dem Nürburgring 1976 kostete ihn beinahe das Leben, trotzdem saß er 42 Tage später wieder im Cockpit eines Formel-1-Rennautos - und wurde im Lauf seiner Karriere dreimal Weltmeister in der Königsklasse des Motorsports.

Auch als Geschäftsmann bewies Lauda viel Beharrlichkeit und Stehvermögen, auch wenn er als Airline-Gründer viele Höhen und Tiefen erlebte. Seine erste eigene Fluglinie gründete er noch als aktiver Rennfahrer im Jahr 1979 - weil er nach eigenen Worten "keine Lust mehr hatte, nur mehr im Kreis zu fahren". Allzu erfolgreich war die allererste Lauda Air jedoch nicht. 1983 musste Lauda den Betrieb einstellen, weil er mit seiner Miniflotte aus drei Propellermaschinen gegen Österreichs damalige Staatslinie Austrian Airlines keine Chance hatte.

1985 wagte der Sohn einer Wiener Industriellenfamilie dann einen zweiten Anlauf mit der Lauda Air - mit einem neuen Konzept: Er positionierte seine Fluglinie als Ferienflieger, kooperierte dafür mit dem deutschen Ferienflugspezialisten Condor. Von der Konkurrenz wollte er sich mit besonderem Service und besserem Essen abheben. Die Bordmenüs kreierte der Wiener Gourmetcaterer Do & Co, mit dessen Gründer Attila Dogudan Lauda bis heute befreundet ist.

Der wohl dunkelste Moment

Der wohl dunkelste Moment in Laudas Leben kam 1991, als eine Boeing 767 seiner Airline wegen eines technischen Konstruktionsfehlers über Thailand abstürzte und alle 223 Insassen starben. Lauda flog damals unverzüglich an den Unglücksort, sprach den Angehörigen persönlich sein Beileid aus, und drängte auf vollständige Aufklärung. In Österreich gilt sein Verhalten nach dem Flugzeugabsturz bis heute als Musterbeispiel gelungener Krisenkommunikation - und half wohl auch dabei, den Buchungseinbruch nach der Katastrophe zu überstehen.

Schrittweise musste Lauda dennoch mit seinem Erzkonkurrenten Austrian Airlines kooperieren, um im kleinen Markt Österreich zu überleben. Doch der umtriebige und durchaus streitlustige Lauda konnte mit den Managern der eher behäbigen Airline nicht - und verkaufte seine Fluglinie ab 1997 nach und nach an den Marktführer. Damals schrieb die Lauda Air teils hohe Verluste - dem Gründer wurden dabei grobe Managementfehler vorgeworfen. Wirtschaftsprüfer rügten dabei auch Laudas riskante Fremdwährungsgeschäfte.

Und trotzdem: Von der Fliegerei konnte und wollte Lauda nicht lassen. 2003 sah er eine weitere Chance, im Luftfahrtgeschäft noch einmal durchzustarten. Er übernahm die Reste der Österreich-Tochter des insolventen deutschen Ferienfliegers Aero Lloyd und formte daraus die Billigfluglinie Niki - auf Kosten der Mitarbeiter. Seinen Flugbegleitern zahlte er oft niedrigere Löhne als Austrian Airlines, Piloten stellte er über eine Personalleasingfirma an. Bereits 2004 holte er Air Berlin als Kooperationspartner an Bord, 2011 verkaufte Lauda seine Niki vollständig an Air Berlin.

Er habe sich im richtigen Moment entschieden, seine Anteile weiterzuverkaufen, sagte er über seinen Niki-Deal. "Die Entscheidung fällte ich aus dem Bauch. Alles, was ich befürchtet hatte, ist später dann auch eingetroffen", sagte er noch im März 2017 dem Handelsblatt.

Lauda gilt als einer der reichsten Österreicher

Doch auch wenn es einige Zeit so schien, als würde Lauda sich endgültig aus dem Luftfahrtgeschäft verabschieden: Zuletzt versuchte er, mit seinem neuen Unternehmen Laudamotion im Geschäft mit Privatjets Fuß zu fassen. Das ist nun Makulatur - denn die Laudamotion übernimmt die Reste der Niki aus der Air-Berlin-Insolvenzmasse. Laut österreichischen Medienberichten erleichtert das den Neustart, weil Laudamotion bereits über Fluglizenzen verfügt. Bereits im März will Lauda mit seiner neuen Fluglinie starten - zum fünften Mal.

Persönlich hat er von den Aufs und Abs im Luftfahrtgeschäft eher profitiert: Sein Privatvermögen wird auf 200 Millionen Euro geschätzt, er gilt damit als einer der reichsten Österreicher.

Ob die Mitarbeiter von Niki mit ihrem neuen alten Chef glücklich werden? Ein beliebter Arbeitgeber war Lauda in der Vergangenheit nicht, warnte zuletzt die deutsche Pilotengewerkschaft. Bei einer Übernahme aus einer Insolvenz sei zu befürchten, dass die ohnehin schon bescheidenen Tarifbedingungen für das fliegende Personal bei Niki noch weiter verschlechtert würden, sagte der Sprecher.

Mit Material der Agentur dpa-AFX

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andreas1.lanzarote 23.01.2018
1. Neue Besen
kehrten wohl nicht immer besser als die alten... Lauda-Air hatte immer einen kleinen aber feinen extra touch, wenn es um das Flugerlebnis ging. Ob dieses heute noch die Massen befriedigen kann sei mal offen. Billigst wollen heute alle. ausser, wenn sie nicht wirklich fliegen müssen. Bitte mach mal wieder den Unterschied, Niki! Ein Kopf besteht nicht nur aus Ohren, sondern dem dazwischen und das weisst Du besser als andere. Gruß aus Lanzarote Andi
Rubyconacer 23.01.2018
2. Nur billig ist out
Ein wenig Service, wie Koffer inklusive, ein Bordmenü und Getränke an Bord sollten wieder Standard werden. Dieser Discountquatsch an Bord viele Millionen € teurer Maschinen muss aufhören. Man fliegt, falls man muss und nicht, weil es mal billig ist. In der oberen Atmosphäre schaden die Abgase 300 mal so stark, wie am Boden. Öko und vegan wollen angeblich viele, nur nicht beim Fliegen.
Flari 23.01.2018
3.
Bei der durch Einsprüche der EC annulierten Übernahme der Niki durch die (böse) LH wären alle Altverträge übernommen worden, bei der jetzigen Übernahme durch Niki Lauda heisst es, dass allen MA ein Angebot unterbreitet wird, unter welchen Voraussetzungen sie weiterhin für Niki, bzw. der Nachfolgefirma tätig sein "dürfen". Dafür, dass er Löhne erhöht und Arbeitsbedingungen verbessert, ist Lauda nun gar nicht bekannt, dem Personal wird es wohl schlechter als vorher gehen. Bisher ist auch nicht bekannt, ob er wie die LH Alttickets etc. übernimmt. Die LH- und Bundesregierungs-Kritiker werden aber jubeln, wenn sie dadurch kurzfristig ein paar Euro auf ausgewählten Strecken sparen können. Und natürlich mächtig maulen, falls Niki seine nächste Pleite hinlegen sollte.
fly59 24.01.2018
4. Kuhhandel?
In Insiderkreisen hat Herr Lauda kein gutes Renommee sehr interessanter Bericht hier: https://www.austrianwings.info/2018/01/der-neue-stil/
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