Gerichtsbeschluss Verkauf von Air-Berlin-Tochter Niki wackelt

Die Rettung des österreichischen Ferienfliegers Niki könnte doch noch platzen. Grund ist ein Gerichtsbeschluss in Berlin: Demnach dürfte das Insolvenzverfahren gar nicht in Deutschland eröffnet werden.

Niki-Maschine
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Die Übernahme des insolventen österreichischen Ferienfliegers Niki durch die British Airways-Mutter IAG Chart zeigen steht auf der Kippe. Das Landgericht Berlin entschied, für das Niki-Insolvenzverfahren sei Österreich und nicht Deutschland zuständig.

Damit folgte das Gericht einer Beschwerde des Fluggastrechteportals Fairplane, das argumentiert hatte, der "maßgebliche Mittelpunkt der hauptsächlichen Interessen" befinde sich am Niki-Sitz in Wien, daher müsse auch das Insolvenzverfahren in Österreich stattfinden. Der Fluggast-Dienstleister verspricht sich dadurch bessere Chancen, Kundenforderungen in Höhe von mehr als 1,2 Millionen Euro durchzusetzen.

IAG hatte angekündigt, die insolvente frühere Air Berlin-Tochter zu großen Teilen zu übernehmen. Sie bot 20 Millionen Euro für die Vermögenswerte von Niki, außerdem wollte sie der Fluggesellschaft 16,5 Millionen Euro zuschießen.

Der bisherige vorläufige Insolvenzverwalter Lucas Flöther teilte angesichts der Gerichtsentscheidung nun aber mit, das Insolvenzverfahren werde in Deutschland gar nicht erst eröffnet. Damit komme der Verkauf von Niki an IAG nur zustande, wenn ein österreichischer Konkursverwalter den ausgehandelten Vertrag übernimmt.

IAG hält weiter am Kauf von Niki fest. Die Konzerntochter Vueling sei weiter an der Fluggesellschaft interessiert und arbeite mit allen Beteiligten daran, den Kauf voranzutreiben, teilte das Unternehmen mit.

Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg hatte sich ursprünglich für international zuständig erklärt und im Dezember die vorläufige Insolvenzverwaltung für Niki angeordnet. Das Landgericht sah das nun anders, da sich der Mittelpunkt der hauptsächlichen Interessen in Österreich befinde.

Gegen den Beschluss des Landgerichts kann nur noch Rechtsbeschwerde beim Bundesgerichtshof eingelegt werden.

apr/AFP/Reuters/dpa



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charlemagne 09.01.2018
1. Schwaches Gericht - Mässiger Insolvenzverwalter
Das LG Berlin hätte sehr wohl den Verkauf durchziehen können. Aber im letzten Moment scheinen die Richter die Courage vor der eigenen Leistung zu haben. Das der Insolvenzverwalter gerade mal €1 Million pro Flugzeug rausholt beim Ramschen ist auch sehr dürftig. Lufthansa hatte ca. €5Millionen geboten bevor sich die Eurokraten aus Brüssel eingemischt haben..
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