Ghosn-Affäre US-Börsenaufsicht ermittelt gegen Nissan

Nach der Verhaftung von Ex-Konzernchef Ghosn gerät der japanische Autohersteller Nissan auch ins Visier von US-Behörden. Die Börsenaufsicht SEC prüft offenbar, ob die internen Kontrollen von Managergehältern unzureichend waren.

Nissan-Logo (Archivbild)
DPA

Nissan-Logo (Archivbild)


Die Affäre um Managergehälter beim japanischen Autohersteller Nissan führt jetzt auch in den USA zu Ermittlungen. Es gehe um in den USA gezahlte Managergehälter, teilte das Unternehmen mit, ohne auf Einzelheiten einzugehen. Nissan arbeite "voll" mit den US-Behörden zusammen.

Aus informierten Kreisen verlautete, es handle sich um ähnliche Probleme, wie sie Nissan in Japan habe. Die Staatsanwaltschaft in Tokio wirft dem langjährigen Nissan-Chef Carlos Ghosn vor, er habe jahrelang ein zu niedriges Einkommen bei Nissan deklariert. Er soll zudem persönliche Verluste auf den japanischen Autobauer übertragen haben. Ghosn bestreitet die Vorwürfe. Auch Nissan ist in der Affäre angeklagt.

Nissan hatte Ghosn nach seiner Inhaftierung Mitte November als Verwaltungsratsvorsitzenden abgesetzt. Beim französischen Autobauer Renault reichte Ghosn vergangene Woche seinen Rücktritt als Vorstandschef ein.

Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg untersucht die SEC, ob bei Nissan ausreichende Kontrollen auf unangemessene Bezahlungen von Führungskräften existierten und ob es zu Verletzungen von US-Wertpapiergesetzen gekommen ist. Einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge schickte die Börsenaufsicht auch Auskunftsersuchen an Ghosn.

Macron kritisiert Ghosns Haftbedingungen

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zeigte sich am Wochenende besorgt wegen der Haftbedingungen von Ghosn. Die Zeit im Gefängnis dauere schon sehr lange und die Bedingungen seien hart, so Macron zu Journalisten während eines Besuchs in Ägypten. Das habe er bereits mehrfach dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe gesagt. Die Krise nach der Ghosn-Festnahme erschüttere aber nicht die Machtbalance zwischen Renault und Nissan.

Frankreichs Finanzminister warnte unterdessen vor übertriebenen Abfindungszahlungen an Ghosn. Der Staat werde "äußerst aufmerksam" sein, sagte Bruno Le Maire dem Radiosender France Inter. "Keiner würde verstehen, wenn die Abfindung von Carlos Ghosn exorbitant wäre."

dab/AFP/Reuters

zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.