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Noa in der Kritik: "Grüne" Bank mit dubiosen Gründern

Von Günter Heismann

Die Noa Bank will anders sein als andere Banken - transparent, ökologisch und sozial verantwortlich. 9000 Kunden konnte das Institut binnen weniger Monate gewinnen. Doch nun stellen sich Fragen: Sind die Anleger auf Geschäftemacher hereingefallen?

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Boris Breuer

Noa-Bank-Gründer François Jozic: "Spekulationen sind für uns tabu"

Hamburg - Auf der Website tummeln sich fröhliche Kinder. Eines springt übermütig in die Luft, ein anderes kuschelt mit einer Katze, ein drittes schmiegt sich an die schwangere Mutter. Bei der Noa Bank herrscht heile Welt - es gibt offenbar keine Skandale, keine Zocker, keine vergifteten Wertpapiere. "Spekulationen sind für uns tabu", sagt François Jozic. Er gründete das Geldhaus gemeinsam mit Frédéric Lodewyk vorigen November in Frankfurt.

Die neue Bank werde nur Geschäfte in der realen Welt finanzieren, versichern die Gründer, zwei gebürtige Belgier. Obendrein sollen die Kunden bestimmen, wo ihr Geld angelegt wird. Zur Wahl stehen vier Kategorien - Leben, Kultur, Region und Planet (Umweltschutz). Für das Angebot entschieden sich bislang 9000 Privatkunden. 185 Millionen Euro haben sie auf Tages- und Festgeldkonten deponiert, wo hohe Zinsen locken.

Doch mittlerweile stellen sich Fragen: Sind die Anleger womöglich Geschäftemachern auf den Leim gegangen?

Von Investitionen in Umwelt ist wenig zu sehen

Jozic und Lodewyk haben offenbar etwas anderes im Sinn, als eine neue Bank aufzubauen, die transparent ist, ökologisch ausgerichtet und sozial verantwortlich. Sie wollen sich, zumindest zeitweilig, eine Geldquelle erschließen, um ein anderes Unternehmen finanzieren zu können, das ihnen ebenfalls gehört - und das wiederholt mit fragwürdigen Geschäftspraktiken aufgefallen ist. Die Bankaufsicht schaut jetzt genauer hin.

Geschickt nutzen die Noa-Gründer einen Trend, den die Finanzkrise ausgelöst hat: Viele Deutsche haben kein Vertrauen mehr in die Banken, die die Welt mit aberwitzigen Spekulationen an den Rand des Abgrunds brachten. Hiervon profitieren ethisch ausgerichtete Geldinstitute wie die Umweltbank aus Nürnberg oder die GLS Bank Bochum. Letztere bietet den Kunden bereits seit 1974 die Wahl, für welch guten Zweck sie ihr Geld anlegen wollen.

Im Gegensatz zu den etablierten Öko-Banken ist bei Noa von den versprochenen Investitionen in Umwelttechnologien, erneuerbare Energien oder Bio-Landwirtschaft derzeit allerdings noch sehr wenig zu sehen: Lediglich 225.000 Euro flossen bislang in den Umweltschutz. Noch magerer sieht die Bilanz für die Themenfelder Leben und Kultur aus.

Etwas mehr, nämlich rund sechs Millionen Euro, hat die Noa Bank in der Kategorie "Region" investiert. Dabei handelt es sich um kleinere Industrie-Unternehmen, Handwerksbetriebe, Dienstleister und Speditionen - ein Portfolio, wie es jede Sparkasse oder Volksbank finanziert. "Die Bank ist erst 130 Tage alt und braucht ein wenig Zeit, um Firmen oder realisierbare Projekte innerhalb der verschiedenen Themengebiete zu finanzieren", sagt Jozic.

"Ich werde das Haus in diesen Tagen verlassen"

Wo aber steckt der große Rest der Kundengelder - fast 180 Millionen Euro? "Das Geld ist in Anleihen investiert oder liegt auf Konten bei anderen Banken", versichert Friedrich-Leopold Freiherr von Stechow, Geschäftsführer bei der Noa Bank.

Der Adelige dient als Aushängeschild der jungen Bank, er soll Seriosität vermitteln. Von 1993 bis 2002 saß von Stechow im Vorstand der DG Bank, eines der größten deutschen Kreditinstitute. Bei Noa hingegen will er schon nach wenigen Monaten wieder aussteigen. "Ich werde das Haus in diesen Tagen verlassen", sagt von Stechow zu SPIEGEL ONLINE. Seine Tätigkeit sei von vornherein auf die Gründungsphase begrenzt gewesen. Wer sein Nachfolger wird, verrät er nicht.

Recht verwundert beobachtet von Stechow, wie ruppig Bankgründer Jozic in seinem Internet-Blog mit Kritikern verfährt. Der rüde Ton erinnert an die zuweilen etwas fragwürdige Vergangenheit der beiden Noa-Banker. 2004 gründeten Jozic und Lodewyk in Düsseldorf die Factoring-Gesellschaft Quorum AG. Sie kauft Forderungen an, die Unternehmen an andere Firmen haben. Hierzu braucht Quorum eine Bank, die das Geschäft vorfinanziert. In der Finanzkrise drehten viele Kreditinstitute jedoch den Geldhahn zu.

In der Branche gilt das Unternehmen als Außenseiter

Dient die Noa Bank also auch dazu, bei ökobewussten Anlegern Geld einzusammeln, um die Factoring-Firma zu finanzieren?

"Wenn mir vorgeworfen wird, dass Noa als Refinanzierungsquelle für Quorum dient, kann ich nur sagen: Dieser Vorwurf stimmt", gibt Jozic zu. Demnächst werde Quorum als Tochter in die Noa Bank eingebracht. Damit bekomme das Institut, das derzeit erst 28 Unternehmen finanziert, 400 weitere Firmenkunden.

Doch genau dadurch könnten sich viele Anleger getäuscht fühlen - zumal Quorum nicht den besten Ruf genießt. Im "Deutschen Factoring-Portal" schildern Blogger, wie das Unternehmen Kunden über den Tisch gezogen haben soll. Die Firma setze Methoden ein, die sich "zum Teil am Rande der Legalität bewegen", befand das Fachmagazin "Finance" bereits 2008.

In der Branche gilt das Unternehmen als Außenseiter. "Die Quorum AG ist nicht und war nie Mitglied in unserem Verband", sagt Alexander Moseschus, Geschäftsführer des Deutschen Factoring-Verbandes in Berlin. In der Organisation sind nahezu alle namhaften Anbieter vertreten. Man teile eben nicht die gleichen Visionen, entgegnet Jozic.

Derzeit ist ein Verfahren anhängig

"Mit psychologisch geschulten Vertretern hat Quorum gezielt kleine und kleinste Firmen umworben, die dringend auf Verbesserung ihrer Liquidität angewiesen waren", sagt Rechtsanwalt Tim Ohnemüller aus Neuwied. Dem Juristen sind rund drei Dutzend Unternehmen bekannt, die sich durch Quorum geschädigt sehen. Ein Verfahren ist derzeit am Landgericht Düsseldorf anhängig (Az 14d O 160/08).

Neben banküblichen Zinsen seien von den Kunden überhöhte Factoring-Gebühren verlangt worden. Ein Teil der Gebühren sei in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) versteckt gewesen, die den Kunden oft erst nach Abschluss des Vertrags ausgehändigt worden seien, sagt Ohnemüller.

"Bis vor zwei Jahren haben wir mit einem Netzwerk von Selbständigen gearbeitet. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Quorum AG tatsächlich Probleme mit der Art und Weise der Kundenakquisition", räumt Noa-Banker Jozic ein, der zugleich Aufsichtsratschef von Quorum ist.

Ansonsten widerspricht er den Vorwürfen. "Die durchschnittliche Factoring-Gebühr beträgt 1,9 Prozent", sagt Jozic. Dies bewege sich im üblichen Rahmen. "Die Gebühren werden dem Kunden vor Vertragsabschluss mitgeteilt, dies erfolgt in einer absolut einfachen und transparenten Weise. Die AGB werden ebenfalls vorher bereitgestellt und sind zu jedem Zeitpunkt auf unserer Website einzusehen."

"Das Geschäftsmodell beruhte auf Vorauszahlungen der Kunden"

Ähnlich umstritten wie Quorum ist die Düsseldorfer Beratungsfirma Targas AG, die denselben Firmensitz hat. Noa-Banker Jozic ist dort seit 2006 Aufsichtsratschef. Ein ehemaliger Vorstand von Targas, Torsten Ansmann, betreut jetzt bei Noa das Firmenkundengeschäft.

Targas vermittelt den Kauf und Verkauf kleiner Firmen - und hat verkaufswillige Inhaber in der Vergangenheit offenbar zuweilen mit irreführenden Angaben über angebliche Kaufinteressenten angelockt. Damit hat Targas gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) verstoßen, entschied das Landgericht Frankfurt am 16. November 2007. Das Urteil (Az 3-12 O 207/06) ist rechtskräftig. "In meiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender bin ich über dieses Urteil nicht informiert", sagt Jozic.

Überdies haben die Vertreter von Targas die Kunden oft schon im ersten Beratungsgespräch zu einem Vertragsabschluss gedrängt - und sich dabei zugleich eine großzügige Vorauszahlung einräumen lassen. "Das ist absolut richtig, diese Vorgehensweise ist aufgetreten und war inakzeptabel", räumt Jozic ein. "Das Geschäftsmodell von Targas beruhte darauf, Vorauszahlungen von den Kunden zu erhalten - im Durchschnitt waren es 4000 Euro." Seit 2008 gebe es diese "Starthonorare" jedoch nicht mehr.

Die Finanzaufsicht beobachtet die Noa Bank genau

Merkwürdiges gibt es auch bei der Noa Bank. Die Kundengelder sind lediglich durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt, die derzeit pro Kunde höchsten 50.000 Euro abdeckt. Hingegen ist Noa nicht dem Einlagensicherungsfonds des Bankenverbands angeschlossen, dessen Deckung wesentlich weiter reicht.

Jozics Begründung: "Der Fonds ist praktisch insolvent." Rechtsexperten allerdings halten diese kühne Behauptung möglicherweise für justiziabel. "Der Einlagensicherungsfonds ist keinesfalls insolvent. Diesbezügliche Aussagen sind haltlos", heißt es beim Bankenverband.

Die anstößigen Methoden, die Jozic und den von ihm kontrollierten Firmen vorgeworfen werden, rufen nun die Bankaufsicht auf den Plan - schließlich müssen die Inhaber einer Bank eine hohe persönliche Zuverlässigkeit aufweisen. Ein förmliches Verfahren hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) zwar nicht eingeleitet. Hinter vorgehaltener Hand heißt es aber: "Wir beobachten die Noa Bank sehr genau."

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