Hohe Kursverluste: Aktionär verklagt Nokia wegen Erfolglosigkeit

Smartphones boomen, doch Nokia schreibt tiefrote Zahlen. Ein Fall für die Justiz, findet der Aktionär Robert Chmielinski. Er fordert Entschädigung von dem finnischen Unternehmen - für sich und andere Anleger.

Nokia-Geschäft in Helsinki: Um Schadensbegrenzung bemüht Zur Großansicht
DPA

Nokia-Geschäft in Helsinki: Um Schadensbegrenzung bemüht

Espoo - Gerade erst ist Nokia vor Gericht gezogen: Der finnische Handyhersteller kündigte eine wahre Klagewelle gegen Konkurrenten an, die Patente verletzt haben sollen. Doch nun wird Nokia selbst angeklagt: Ein Aktionär fordert für sich und andere Anleger Wiedergutmachung für die massiven Kursverluste des Unternehmens. Diese weiteten sich am Freitag durch die Nachricht von der Klage aus: Der Nokia Chart zeigen-Kurs sank um fast elf Prozent.

Kläger Robert Chmielinksi hatte Ende vergangenen Jahres Nokia-Aktien gekauft - nach eigenen Angaben in der Hoffnung, dass dem einstigen Weltmarktführer mit neuen Windows-Smartphones die Wende gelingt. Doch es kam anders: Nokia fuhr zu Jahresbeginn einen Verlust von 929 Millionen Euro ein. Der Start des Hoffnungs-Handys Lumia 900 wurde von einer Software-Panne überschattet.

Chmielinksi wirft dem Nokia-Management um Konzernchef Stephen Elop vor, die Lage schöngeredet zu haben. In der Klage ist von Betrug die Rede. Die Klage sei am Donnerstag vor dem Bezirksgericht von Manhattan eingereicht worden, teilten die Anwälte mit. Das ist möglich, weil Nokia-Anteile auch an der Wall Street gehandelt wird. Die Kanzlei sucht nun weitere Nokia-Anteilseigner, die sich hintergangen fühlen.

Derartige Sammelklagen sind gefürchtet, weil die Schadenssummen in die Höhe schießen. In der vorliegenden Klage wird keine Summe genannt. Sammelklage-Verfahren können sich über Jahre hinziehen und enden oft in Vergleichen.

Der Konzern mühte sich in einer Erklärung am Nachmittag um Schadensbegrenzung: "Nokia prüft die Vorwürfe in der Klage, ist aber überzeugt, dass sie haltlos sind." Das Unternehmen werde sich wehren.

dab/dpa

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Wenn Nokia zahlen muss, mindert das den Wert ALLER Aktien.
forscher56 04.05.2012
d.h. die Aktionäre bezahlen die Entschädigung selbst. Die hätten mal die handelnden Personen individuell verklagen sollen.
2. <->
silenced 04.05.2012
Der gute Mann weiss aber schon, daß Erfolg nicht natürliche Gegebenheit ist? Firmen machen Fehler, machen mal Gewinn, mal Verlust, immer nur nach oben geht es nur in der Theorie, und selbst die hat erkannt: das ist surreal. Lächerlich, aber so sind sie eben, die lieben Aktionäre, vorbei an der Wirklichkeit.
3. EErst jammern, dann wird´s besser
El Plagiator 04.05.2012
Nokia gehört quasi zu Microsoft und die Konten sich leisten eine ganze Konsolengeneration von XBoX mit Verlusten in den Markt zu drücken um schon mit der zweiten Konsolengeneration Sony zu schlagen. In einem vergleichbaren Zeitraum kann Microsoft mit Nokia auch an die Smartphonespitze. Der Aktionär jammert schon allein deshalb auf hohem Niveau weil Nokia allein durch Patentrechte nicht wertlos ist.
4. optional
Gerdtrader50 05.05.2012
Das koennte aber m. E. nur dann eine geringe Erfolgsaussicht zeitigen, wenn Nokia fehlende Gewinnwarnungen mit ad hoc Meldungen nachgewiesen werden koennte, ggflls noch irgendwelche Taeuschungshandlungen zum Nachteil der Aktieninhaber. Ansonsten sehe ich fuer den Klaeger kaum Erfolgsaussichten.
5. Lol -
Gerixxx 05.05.2012
Zitat von sysopSmartphones boomen, doch Nokia schreibt tiefrote Zahlen. Ein Fall für die Justiz, findet der Nokia Aktionär Robert Chmielinski. Er fordert Entschädigung von dem finnischen Unternehmen - für sich und andere Anleger. Nokia-Aktionär klagt wegen Erfolglosigkeit - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,831444,00.html)
...wenn das Management nicht gerade vorsätzlich gelogen hat (dann muesste man die Personen anklagen, nicht die Firma), ist dies doch ein schönes Beispiel für den Größenwahn und die Masslosigkeit des shareholder value und seiner Akteure. Erfolg eines Unternehmens ist (wie die Erfüllung jeglicher Vorhersagen) nicht einklagbar - sollte man vernünftigerweise meinen - und die Annahme der Klage durch zuständige Judikative ein unglaublicher Vorgang. Aber: nichts ist unmöglich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Das grössere Problem ist die Dummheit der Anleger/Aktionäre, die schlechte Auswahl ihres Investments oder bei der Aufsicht/Bestellung des Vorstandes. Dafür dann andere (die Prozess- und Opportunitätskosten gehen zu Lasten von Nokia - und damit der Arbeitnehmer und dem Budget für Investitionen....) mit Forderungen zu traktieren ist dummdreist.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema Nokia
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 6 Kommentare
  • Zur Startseite