Kriselnder Handy-Hersteller: Nokia will Luxusmarke Vertu verkaufen

Der Handy-Hersteller Nokia setzt beim Weg aus der Krise offenbar auf Masse statt Klasse: Laut einem Bericht der "Financial Times" will der finnische Konzern seine Luxussparte Vertu verkaufen. Das soll etwa 200 Millionen Euro einbringen.

Diamant-Handy von Vertu: Verkauf der Luxusmarke geplant Zur Großansicht
AFP

Diamant-Handy von Vertu: Verkauf der Luxusmarke geplant

London - Mit dem Verkauf seiner Luxussparte will Nokia offenbar Geld hereinholen. Der Handy-Hersteller wolle seine Edelmarke Vertu abstoßen, berichtete die "Financial Times". Potentieller Käufer sei die Beteiligungsgesellschaft Permira. Beide Seiten seien in fortgeschrittenen Verkaufsgesprächen.

Die Investmentbank Goldman Sachs sei in die Verhandlungen eingebunden, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Insider. Der Verkauf des Herstellers von Luxustelefonen sei aber noch nicht in trockenen Tüchern. Nokia Chart zeigen hoffe auf einen Verkaufserlös von etwa 200 Millionen Euro.

Der Jahresumsatz mit Vertu-Handys wird auf 200 bis 300 Millionen Euro geschätzt. Ein einzelnes Telefon kann wegen des hohen Anteils an Edelmetallen mehr als 200.000 Euro kosten. Die handgefertigten Geräte werden teils auch mit Edelsteinen wie Saphiren bestückt. Nokia hatte Vertu 1998 gegründet, um in den lukrativen Markt für Luxushandys einzusteigen.

Doch nun hat Nokia Finanzsorgen. Bei der Firma türmen sich derzeit die Verluste. Im ersten Quartal machte der Konzern ein Minus von 929 Millionen Euro. Der Umsatz brach im Jahresvergleich um 40 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro ein. Mit 82,7 Millionen wurde fast ein Viertel weniger Geräte verkauft. Sogar der durchschnittliche Preis eines Mobiltelefons sackte um 22 Prozent auf 51 Euro ab.

Samsung überholt Nokia als Weltmarktführer bei Handys

Nokia steckt in einer tiefen Krise. Einigen Experten zufolge musste die Firma nach 14 Jahren den Titel des Handy-Weltmarktführers an den Konkurrenten Samsung Chart zeigen abgeben. Dieser meldete kürzlich einen Rekordgewinn und hat nach Angaben von Experten allein zwischen Januar und März 93,5 Millionen Geräte verkauft. Das wäre ein Marktanteil von 25,4 Prozent. Nokia verkaufte demnach 82,7 Millionen Geräte, ein Anteil von 22,5 Prozent.

Vor allem bei den lukrativen Smartphones hinkt Nokia weit hinterher. Der Firma machen Geräte mit dem Google-Betriebssystem Android sowie Apples iPhone zu schaffen. Zu Jahresbeginn fiel der Umsatz bei Nokia im Stammgebiet Europa um 35 Prozent, im boomenden Wachstumsmarkt China brachen die Einnahmen sogar um 70 Prozent ein. Nokia will einen strikten Sparkurs fahren und seinen Vertrieb neu organisieren.

mmq/Reuters

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insgesamt 6 Beiträge
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1.
papayu 30.04.2012
Stehe ich da vor einem Cellphoneladen und schaue ins Schaufenster, da uebernokiat es mich. Nein, nicht 10 verschiedene, nein ca. 30 mit voellig unnuetzen Zubehoer. Schreibmaschinentastaturen im Miniformat, ja sogar TV und Radio, was soll derjenige damit anfangen? Sich auf die Strasse stehlen und Guenter Jauch gucken??? Fast JEDER hat ein Cellphone, manche sogar 2 bis 5. Mit den Dingern kann man nicht einmal mehr angeben, sind zu klein dazu. Ueberall auf der Welt heiss das Ding Cellphone und ein Handyman ist ein Handwerker.
2.
beebo1 30.04.2012
In den Vertu steckt Nokia Technik drin. Daher wird keiner der großen Konkurenten Vertu kaufen. Da steigen höchstens Finanzinvestoren ein. Mehr als ein einstelliger Mio Kaufpreis ist im besten Fall nicht drin. Am Wahrscheinlichsten ist, das Nokia die Marke einfach sterben lassen muss.
3. Unfassbar
hengels 30.04.2012
Da wird nun auch noch das Tafelsilber verscherbelt damit Microsoft Büttel Elop seine zerstörerische Strategie noch ein paar Monate länger fortsetzen kann. Unfassbar, dass ein Manager mit solchen Resultaten und Fehlern (z. B. Ankündigung Symbian einzustellen) nicht gehen muss. Der Vorstand von Nokia wird sich eines Tages vorhalten lassen müssen, durch die weitere Duldung von Elop den Konzern zerstört zu haben.
4.
dirsch 30.04.2012
wer weiß, was tatsächlich im Vertrag zwischen Nokia und Windows steht. Eine Manager/Angestellter in nicht ganz so hoher Position wäre bereits wegen wesentlich kleiner Vergehen gegangen worden. Mit der Abkündigung von Symbian (ohne überhaupt einen lauffähigen Nachfolger zu haben!!) wurden sowohl potentielle Kunden verschreckt (wer kauft schon etwas sterbendes) als auch die App-Entsickler. Warum Arbeit in ein sterbendes System stecken? Mit Aps für Android/iOS erreiche ich bei vergleichbaren Aufwand viel mehr potentielle Kunden - und verdienen damit mehr. Zudem ist man nun abhängig von Microsoft ohne noch eine Ausweichmöglichkeit zu haben. Samsung hingegen kauft noch ein OS dazu und ist nicht so stark abhängig von Google/Android wie Nokia jetzt von MS. Das sind schon keine Fehlentscheidungen mehr, das grenzt an Sabotage - bis sich MS einen Handy-Hersteller einverleiben kann?
5.
M. Michaelis 30.04.2012
Das ist der Anfang vom Ende.
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