Leerverkäufe Nokia-Kauf erwischt Zocker auf falschem Fuß

Sie wetteten auf einen fallenden Nokia-Kurs, jetzt kam das Gegenteil. Mehrere Hedgefonds wurden offenbar von der Übernahme des Handy-Herstellers durch Microsoft überrascht. Das soll sie schon jetzt mehr als 600 Millionen Euro gekostet haben.

Börsenhändler in New York: Nokia stieg um mehr als 40 Prozent
DPA

Börsenhändler in New York: Nokia stieg um mehr als 40 Prozent


London/Paris - Für die meisten Nokia-Anleger war die Übernahme der Handy-Sparte durch Microsoft ein Grund zum Jubeln. Der Aktienkurs des finnischen Unternehmens stieg am Dienstag zeitweise um mehr als 40 Prozent. Doch offenbar konnten sich nicht alle Aktionäre über diese Entwicklung freuen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters befanden sich unter den Anlegern auch viele Hedgefonds, die mit Leerverkäufen auf einen Abstieg von Nokia Chart zeigen wetteten.

Bei Leerverkäufen leihen sich Anleger Aktien und verkaufen diese in der Hoffnung darauf, dass der Aktienkurs fällt. Trifft diese Erwartung zu, so können sie zu einem günstigeren Preis neue Aktien kaufen und aus der Differenz zum Verkaufspreis einen Gewinn schlagen (siehe Grafikstrecke).

Vor Bekanntgabe der Nokia-Übernahme waren Reuters zufolge fast zwölf Prozent der Nokia-Aktien durch langfristige Anleger verliehen worden - ein Anzeichen für viele Leerverkäufe. Dem Datendienstleister Markit zufolge hatten Hedgefonds rund zwei Drittel der verfügbaren Aktien geliehen.

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Erklärgrafiken: So funktionieren Leerverkäufe
Laut Unterlagen der finnischen Marktaufsicht hielt der US-Fonds Discovery Capital Management mit 2,26 Prozent den höchsten Anteil kurzfristiger Nokia-Investments. Das Unternehmen war zunächst nicht für einen Kommentar zu erreichen. Auch Viking Global Investors, Maverick Capital, Blue Ridge Capital und Lone Pine Capital haben offenbar in größerem Stil auf einen fallenden Kurs gesetzt.

Nach Berechnungen von Reuters könnten die Hedgefonds allein durch den Kurssprung am Dienstag rund 640 Millionen Euro verloren haben. Die Spekulationen dürften auch einen Teil des immensen Kursanstiegs vom Dienstag erklären: Denn die Hedgefonds müssen nun möglichst schnell neue Nokia-Aktien kaufen, um ihre Verluste zu minimieren.

dab/Reuters



insgesamt 18 Beiträge
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Mr.Marcus 03.09.2013
1. Lol
Noch viel zu wenig! Diese ganzen Zocker gehören verboten! Sie können Unternhemen, vielleicht sogar Länder vernichten, haben dabei aber keinen Nutzen außer ein ganz paar Menschen noch reicher zu machen!
Sok Rat Es 03.09.2013
2.
Ist ein aehnliches Szenario wie vor einigen Jahren bei VW, als Porsche sich an einer Uebernahme versuchte. Der VW-Aktienkurs schnellte in astronomische Hoehen und machte VW kurzzeitig zum wertvollsten Unternehmen der Welt, weil die Leerverkaeufler alle ganz kurzfristig VW-Aktien (rueck-)kaufen mussten, die aber durch den Uebernahmeversuch deutlich im Wert gestiegen statt gefallen waren. Aber mal eine Frage an die Experten hier im Forum: Was passiert eigentlich, wenn die Leerverkaeufler ihre verkauften geliehnen Aktien nicht mehr rechtzeitig zurueckkaufen koennen, weil zu wenig Aktien auf dem Markt sind? Also wenn sie die Aktien, die sie gar nicht mehr haben, zurueckgeben muessen? Ich vermute, der Schadensersatz wird den eigentlichen Kurs der Aktie um ein Vielfaches uebertreffen, richtig?
hdudeck 03.09.2013
3. Dieser Satz ist ein Widerspruch in sich selbst,
Zitat von sysopDPASie wetteten auf einen fallenden Nokia-Kurs, jetzt kam das Gegenteil. Mehrere Hedgefonds wurde offenbar von der Übernahme der Handyherstellers durch Microsoft überrascht. Das soll sie schon jetzt mehr als 600 Millionen Euro gekostet haben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/nokia-kauf-vermasselt-hedgefonds-das-geschaeft-mit-leerverkaeufen-a-920214.html
den wer Leerverkaeufe taetigt ist mitnichten Aktionaer. Dazu muesste er die Aktie besitzen, was eben bei Leerverkaeufen nicht der Fall ist. Vielleicht sollte jemand dem Autoren erklaeren, wie Leerverkaeufe funktionieren, sodass er nicht solchen Bloedsinn schreibt.
dr.ideen 03.09.2013
4. @Mr.Marcus
Dann überlegen Sie sich genau, wen Sie wählen - dann wird es wohl keine Partei sein, die der Finanzindustrie mehr Vorteile zuspricht, als der realen Industrie und das auch auf der EU-Ebene durchsetzt? Also Augen auf bei der Bundesragswahl!
redwed11 03.09.2013
5.
Zitat von sysopDPASie wetteten auf einen fallenden Nokia-Kurs, jetzt kam das Gegenteil. Mehrere Hedgefonds wurde offenbar von der Übernahme der Handyherstellers durch Microsoft überrascht. Das soll sie schon jetzt mehr als 600 Millionen Euro gekostet haben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/nokia-kauf-vermasselt-hedgefonds-das-geschaeft-mit-leerverkaeufen-a-920214.html
Es gibt manchmal gute Nachrichten über die Finanzindustrie. Leider sind solche positiven Meldungen viel zu selten und auch in der Höhe sind die Verluste leider viel zu gering. Nun können die Zocker wieder versuchen zu klagen. Wenn es nicht so läuft, versuchen diese Typen ja die Verluste mit Klagen wieder auszugleichen. Können eben nicht verlieren die Zocker (siehe VW/Porsche). Aber man gönnt diesen Leuten unendliche Verluste und jeder Verlust für Hedgefonds ist ein Freudentag für alle ehrlichen Menschen.
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