Missglückte Smartphone-Offensive: Nokia schreibt rote Zahlen - Aktienkurs stürzt ab

Nokia-Chef Stephen Elop bekommt die Krise bei dem finnischen Handy-Hersteller nicht in den Griff. Die Einführung neuer Modelle hat der Konzern verpatzt, jetzt folgt eine Gewinnwarnung. An der Börse verliert die Aktie um bis zu 18 Prozent.

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Nokia-Chef Elop präsentiert neue Smartphones: Der Angriff in den USA ist gefloppt

Espoo - Trotz großangelegter Smartphone-Offensive kommt der Handy-hersteller Nokia Chart zeigen nicht aus der Krise. Am Mittwoch musste der finnische Konzern einräumen, dass er sowohl im ersten als auch im zweiten Quartal des laufenden Jahres Verluste in seinem Kerngeschäft schreibt. Der Aktienkurs des Unternehmens brach daraufhin um zeitweise mehr als 18 Prozent ein.

Die Verluste sind nicht die einzige Horrornachricht für das Unternehmen: Wie der Konzern am Mittwoch mitteilte, hat er auch den Marktstart seines neuen Hoffnungsträgers vermasselt. Das Smartphone Lumia 900 ist in den USA seit Sonntag auf dem Markt - wegen eines Software-Fehlers sind aber ausgerechnet Datenverbindungen gestört.

Experten bezeichneten die Entwicklung als "Desaster". Die Lage sei für Nokia Chart zeigen sehr schwierig, sagte Analyst Thomas Langer von der WestLB. Er hält ein weiteres Restrukturierungsprogramm für nötig. Analyst Mikael Rautanen von Inderes sagte, die Gewinnwarnung sei überraschend massiv ausgefallen. "Ich hätte gedacht, dass der Rückgang im zweiten Quartal gestoppt würde, aber jetzt sieht es so aus, als ob das erste Quartal furchtbar war und das zweite noch schlimmer wird", sagte der Experte.

Die Finnen wollen in der nächsten Woche offiziell ihre Zahlen zum abgelaufenen ersten Quartal vorlegen. Sie dürften sehr schlecht ausfallen. Der harte Wettbewerb vor allem bei den boomenden Smartphones hat Nokia zugesetzt. Der Konzern musste seine Spitzenstellung in den USA bereits an die Konkurrenten Apple Chart zeigen und Google Chart zeigen abgeben.

"Am Beginn des Rennens den Motor abgewürgt"

Um die Trendwende zu schaffen, haben die Finnen ihr eigenes Handy-Betriebssystem Symbian aufgegeben und nutzen nun die Variante von Microsoft. Doch die Panne in den USA zeigt, dass die Umstellung holprig läuft. Angesichts des Software-Fehlers beim Lumia 900 verramscht Nokia das Gerät vorerst.

"Um den 16. April" soll es nach Angaben des Konzerns eine Software geben, die den Fehler behebt. Alte und neue Käufer bekommen das Handy nun de facto sogar umsonst: Bis 21. April erhält jeder eine Gutschrift in Höhe von 100 Dollar über Nokias Mobilfunkpartner AT&T, auch rückwirkend. Das Handy ist dort exklusiv für 99,99 Dollar inklusive Zwei-Jahresvertrag im Angebot. Bis zum Sommer soll es weltweit auf den Markt kommen.

Experten halten die Entschädigungsregelung in den USA für sehr kostspielig und verweisen auf den Imageschaden, der noch schwerer wiegt. Nokia habe einen klassischen Fehlstart hingelegt, sagte Analystin Carolina Milanesi von der Marktforschungsfirma Gartner: "Das ist, als ob sie zu Beginn des Rennens, wenn alle Augen auf sie gerichtet sind, den Motor abgewürgt hätten."

Das Lumia 900, das bereits mehrere Preise gewonnen hat, gilt Nokia als Hoffnungsträger für das Comeback in den USA. Die Europäer sind zwar nach Absatz immer noch Weltmarktführer bei Handys, doch bei den boomenden Smartphones haben sie längst das Nachsehen, vor allem wegen der schwachen Stellung in den USA.

Dabei hatte Nokia das Smartphone Ende der neunziger Jahre mit dem Communicator quasi erfunden. Doch Apples iPhone und andere Hersteller wie Samsung Chart zeigen haben die Finnen längst verdrängt.

Ende 2010 holte sich Nokia den früheren Microsoft Chart zeigen-Manager Stephen Elop an die Firmenspitze, um die Trendwende zu schaffen. Trotz der neuesten Nackenschläge gab sich Elop am Mittwoch kämpferisch. "Wir befinden uns weiterhin in der Übergangsphase", sagte der Konzernchef. "Nun wollen wir unsere Investitionen in die Lumia-Reihe erhöhen, um sie zu einem Markterfolg zu machen."

stk/Reuters/dpa-AFX

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