Espoo - Der Markt für Smartphones boomt, doch der finnische Handy-Hersteller Nokia schreibt tiefrote Zahlen. Seit Jahren findet das Unternehmen kein Rezept gegen den Niedergang. Jetzt zieht die Konzernführung Konsequenzen: Bis Ende kommenden Jahres werden bis zu 10.000 Stellen gestrichen - auch der Standort für Forschung und Entwicklung in Ulm mit zuletzt 730 Mitarbeitern ist betroffen. Er soll Ende September schließen.
"Deutschland bleibt für Nokia aber ein sehr wichtiger Standort für unsere Entwicklungsaktivitäten", sagte ein Nokia-Sprecher. Das Unternehmen hat unter anderem in Berlin ein Zentrum für ortsbasierte Dienste. Solche Dienste sollen einer der zukünftigen Schwerpunkte von Nokia
werden. Der Fokus soll jetzt auf die neuen Smartphones der Marke Lumia und verwandte Angebote gelegt werden. Dafür will der Konzern in anderen Geschäftsbereichen kürzen.
Nokia war lange Marktführer im Geschäft mit einfachen Handys und auch Smartphones, wurde aber von Apple mit seinem iPhone und vor allem von Samsung
überholt. Auch die Lumia-Smartphones mit dem Microsoft
-Betriebssystem Windows Phone erwischten im vergangenen Herbst einen mäßigen Start.
Führungsteam wird umgebaut
Nokia sucht dringend nach Möglichkeiten, die Kosten zu senken, um aus der Verlustzone zu kommen - die am Donnerstag präsentierten Quartalszahlen waren katastrophal: Der Konzern machte fast eine Milliarde Euro Verlust, der Umsatz ging um 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück. Erst vor kurzem hatte Nokia eingeräumt, nach 14 Jahren die Weltmarktführerschaft als Handy-Hersteller an Samsung verloren zu haben.
Mit der neuen Strategie wird auch das Führungsteam weitgehend umgebaut. Es gehen Marketingchefin Jerri DeVard, Handy-Chefin Mary McDowell und Niklas Savander als Zuständiger für Märkte. Zugleich senkte der Konzern den Ausblick für das zweite Quartal. Es würden zusätzliche Restrukturierungskosten von einer Milliarde Euro anfallen. In der Sparte "Devices und Services" werde die operative Marge im zweiten Quartal noch schlechter ausfallen als die minus drei Prozent, die es im ersten Quartal gegeben habe.
Der Konzern gab außerdem bekannt, dass er seine Luxushandy-Marke Vertu an den Finanzinvestor EQT verkauft hat. Zu den finanziellen Details machten die Unternehmen keine Angaben. Die Marke Vertu ist bekannt für ihre mit Edelsteinen besetzten Mobiltelefone, die für einen Durchschnittspreis von mehr als 5000 Euro über die Ladentheke gehen. In Westeuropa hatte Vertu 2010 nach Angaben der Marktforschung IDC einen Marktanteil im Luxushandy-Segment von rund 60 Prozent. Der Jahresumsatz von Vertu wird auf 200 bis 300 Millionen Euro geschätzt.
nck/dpa/AFP
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