Telekommunikation Nokia macht Alcatel-Lucent Übernahmeangebot

Jetzt ist es offiziell: Der finnische Nokia-Konzern will den amerikanisch-französischen Konkurrenten Alcatel-Lucent kaufen. Damit reagieren die Unternehmen auch auf wachsende Konkurrenz aus China.

Nokia-Logo in Indien: Jährliche Einsparungen von 900 Millionen geplant
DPA

Nokia-Logo in Indien: Jährliche Einsparungen von 900 Millionen geplant


Der Telekommunikationsbranche steht eine Mega-Fusion bevor: Der finnische Nokia-Konzern Chart zeigen will seinen US-französischen Konkurrenten Alcatel-Lucent Chart zeigen übernehmen. Nokia veröffentlichte am Mittwoch ein entsprechendes Angebot. Demnach soll es 0,55 neue Aktien für einen Anteilsschein von Alcatel-Lucent geben. Insgesamt werde das Unternehmen mit 15,6 Milliarden Euro bewertet, hieß es. Für die Aktionäre bedeute das einen Aufschlag von 28 Prozent auf den durchschnittlichen Preis der vergangenen drei Monate.

Das neue Unternehmen soll nach Angaben beider Konzerne Nokia heißen und vom gegenwärtigen Nokia-Management geführt werden. Konzernsitz soll Finnland sein, mit einer "starken Präsenz" in Frankreich. Die neue Unternehmensgruppe soll zu zwei Dritteln von den derzeitigen Nokia-Aktionären gehalten werden und zu einem Drittel von den Alcatel-Lucent-Eigentümern.

Eine Übernahme von Alcatel-Lucent hilft Nokia vor allem im Konkurrenzkampf mit dem ewigen Rivalen Ericsson Chart zeigen aus Schweden. Nokia entwickelt unter anderem Netzwerk-Infrastrukturen für Internet- und Mobilfunkanbieter. Alcatel-Lucent ist einer der führenden Anbieter hochmoderner Übertragungstechnologien.

Nokia ist nach dem Verkauf der Handy-Sparte an Microsoft Chart zeigen hauptsächlich ein Netzwerk-Ausrüster. Damit steht das Unternehmen unter dem Druck chinesischer Wettbewerber wie Huawei. Gemeinsam könnten Nokia und Alcatel-Lucent besser mit ihnen konkurrieren. Bis 2019 sollten jährliche Einsparungen von 900 Millionen Euro bei den operativen Kosten erzielt werden, kündigte Nokia an.

Erst am Dienstag hatten die Unternehmen Gespräche über einen Zusammenschluss bestätigt. Nokia bestätigte am Mittwoch auch, dass alle Optionen für den digitalen Kartendienst Here geprüft werden. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg gab es Verkaufsgespräche mit dem umstrittenen Fahrdienst-Vermittler Uber und einer Gruppe deutscher Autohersteller.

dab/AFP/dpa



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insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
DMenakker 15.04.2015
1.
Schade eigentlich, dass Nokia die Handysparte verkauft hat. Mit der Lumia Serie ( man muss ja kein quietschbuntes Cover haben ) hat Nokia zusammen wie Windows die Nase eigentlich wieder ganz weit vorne. Der Alcatel Deal macht zwar Sinn, aber ich verstehe nicht, dass man den Namen Alcatel verschwinden lässt. Es gibt zu viele Französische Kunden, die auf den Namen doch noch wert legen.
vrdeutschland 15.04.2015
2. Zwei Lahme machen keinen Gehenden
Was ist nur aus Nokia geworden ? Ich erinnere mich noch an die Zeit den Neuen Marktes, wo es hieß, eine Nokia Aktie ist so sicher wie eine Siemens oder Volkswagen Aktie. Nokia Handys waren state-of-the-art, die "loser" hatten die billigen Siemens oder - ja, man höre und staune - Samsung-Handys. Und sogar "Made in Germany". Heute ist Nokia nur noch ein Schatten seiner selbst und wenn man bedenkt, daß so "no-names" wie htc, huawei und xiaomi - von apple und Samsung spreche ich mal gar nicht, größere Marktanteile als beide zusammen haben, dann weiß ich nicht, was die Fusion bringen soll. Ok, Leute entlassen kann man dadurch bestimmt, das hatte ich vergessen...
eigene_meinung 15.04.2015
3. raus aus die kartoffel - rin in die kartoffel
Erst hat Nokia für teuer Geld die Festnetzsparte (u.a.) rausgeworfen; jetzt holt man es sich für teuer Geld wieder rein. Was ist das für ein Management?
per.roentved 15.04.2015
4. @2.Beitrag
Haben Sie den Artikel überhaupt richtig gelesen? Es geht _nicht_ um die Handysparte von Nokia. Die gehört - nebenbei erwähnt - auch gar nicht mehr den Finnen, sondern Micrsosoft. Und was ihr Statement angeht, dass Nokia früher mal im Handybereich die "große Wurst" war, und heute nur noch so unter ferner liefen mitmischt: Willkommen im Kapitalismus und freiem Markt! Von der Sorte könnte ich ihnen jetzt aus dem Stegreif zig Marken nennen, die mal richtig groß waren, und dann vom Markt weggeschwemmt wurden. Oder andersrum.
captain2309 15.04.2015
5.
Nokia ist an Scheitern in den letzten Jahren durchaus gewöhnt.Nach dem stillschweigenden Ende Nokia-Siemens Network, der Flucht der Rest-Handysparte unter das Dach von Microsoft, wird auch die Cooperation mit Lucent angesichts der Netzwerk-Dominanz Huawei und dem Restmarktverwerter Ericsson, grandios scheitern. Der Netzwerkmarkt ist weitestgehend gesättigt, Wartung und Upgrades geben keine National-Projekte wie in den 90ern und beginnenden 2000ern mehr her. Und wo sie noch stattfinden könnten, legt die wirtschaftliche oder politische Situation nahe, die Finger davon zu lassen. Siehe z.B. Ukraine, wo G4 Projekte auf halber Strecke eingefroren oder garnicht erst begonnen werden. Wo es sich lohnt, sitzt der Vollausrüster Huawei. Wie auf so vielen Gebieten, die einst erfolgreiche Europäer dominierten, haben die EU-Dilettanten ihre Versagerfinger im Spiel.
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