Aktionärsversammlung Nonnen zwingen Waffenhersteller Ruger zu mehr Transparenz

Religiöse Gruppen kaufen seit zwei Jahren Anteile an US-Waffenherstellern. Mit Sturm, Ruger & Co. düpierten sie nun eines der größten Unternehmen in dessen Aktionärsversammlung.

Waffen von Sturm Ruger & Co.
REUTERS

Waffen von Sturm Ruger & Co.


Denkwürdige Hauptversammlung: Der US-Waffenhersteller Sturm, Ruger & Co. muss sich dem Druck kritischer Investoren beugen und die Öffentlichkeit über die Gefahren seiner Produkte informieren. Die Aktionäre stimmten am Mittwoch für einen entsprechenden Vorschlag, den eine religiöse Aktivistengruppe gegen Waffengewalt eingebracht hatte.

"Die Anteilseigner haben gesprochen und wir werden unsere Pflicht erfüllen und zu gegebener Zeit einen Bericht vorbereiten", sagte Ruger-Chef Christopher Killoy anschließend.

Ruger-Chef spricht von "fehlgeleiteten Prinzipien"

Das Unternehmen, das zu den größten Waffenherstellern des USA gehört, soll nach Angaben der "New York Times" erklären, ob es Pläne hat, sicherere Produkte zu entwickeln, und welche Forschungsvorhaben es in Bezug auf sogenannte Smart Guns hat, die zum Beispiel per Fingerabdruck entsperrt werden. Ruger muss außerdem erklären, wie es auf Zwischenfälle reagiert, die mit seinen Produkten zu tun haben, und welche Risiken Gewaltverbrechen für den Ruf und das Geschäft der Firma haben. Ein Antrag, die Verbindungen zur Waffenlobbyorganisation NRA (National Rifle Association) zu lockern, bekam hingegen keine Mehrheit.

Für Ruger ist das Votum eine Niederlage, laut US-Medien hatte die Firma wochenlang Stimmung dagegen gemacht. Killoy machte aus seiner Abneigung auch keinen Hehl: "Der Vorschlag kann nicht ändern, was Ruger ist und wofür wir stehen." Er könne das Unternehmen auch nicht zwingen, sein Geschäft zu verändern, das "legal und von der Verfassung geschützt" sei. Killoy sprach von "fehlgeleiteten Prinzipien von Gruppen", die keine Waffen besäßen und denen es am liebsten wäre, dass Ruger sein Geschäft aufgebe.

Vermögensverwalter Blackrock unterstützte die Nonnen

Treibende Kraft der Abstimmung war eine von Nonnen gestartete Initiative gewesen. Die Sisters of the Holy Names of Jesus and Mary aus Marylhurst, Oregon, und andere religiöse Gruppen hatten nach eigenen Angaben vor rund zwei Jahren angefangen, Aktien von Ruger und anderen Waffenherstellern zu kaufen, um die Konzerne in die Verantwortung nehmen zu können.

Im Zuge des Parkland-Massakers, bei dem im Februar 17 Menschen an einer High School im US-Bundesstaat Florida erschossen wurden, gab es neue Proteste gegen die US-Waffenindustrie.

Die Protestwelle hat nicht nur die Hersteller, sondern auch Investoren und Geldgeber wie Fondsgesellschaften und Banken erfasst. Der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock etwa, der auch größter Aktionär bei Ruger ist und den Antrag der Nonnen unterstützte, hatte kürzlich eine Reihe von "waffenfreien" Anlageprodukten angekündigt. Auch große Geldhäuser wie die Bank of America und die Citigroup gaben Maßnahmen gegen Waffengewalt bekannt. Die US-Waffenlobby ist aber stark und wehrt sich nach Kräften.

pbe/dpa

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insgesamt 29 Beiträge
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loncaros 10.05.2018
1.
Tja, die Waffenlobby war schon immer deutlich kleiner als sie getan hat. Große Werbekampagnen kosten nicht so viel Geld, man muss nur gewillt sein es für nichts rauszublasen. Aber bei Aktien zählt dann schlicht, wer mehr Geld auf den Tisch legen kann. Und da zeigt sich, dass hier gar nicht sooo viel Geld vorhanden ist.
sibbi78 10.05.2018
2. Das Böse ist immer und überall...
Die WaffenNarren werden schon Wege und Mittel finden, um aus dieser "Delle" wieder heraus zu kommen. Vielleicht erlässt der oberste Golfer und Waffenlobbyist Trump ja ein Dekret, in welchem der Kauf von Aktien im Bereich Waffen-, Munitions- und Rüstungsprodukten durch die Sicherheit der USA gefährdenden Gruppen und Personen verboten wird (oder Stimmrechtsentzug!). Vermutlich gibt es ein solches Gesetz ja bereits? Na, dann wird den Nonnen bald die Kukulle gezupft. Mit ein paar Aktien den mächtigen Imperator herausforden...lachhaft...oder?
anselmwuestegern 10.05.2018
3. Kapitalismus mit menschlichem Angesicht
So oder ähnlich könnte man das ausdrücken. Ideelle Interessen mit den Methoden der Marktwirtschaft erreichen, das klingt zu schön um wahr zu sein. Wer ausser religiösen Gruppen wäre in der Lage das nötige Kapital aufzubringen und den Wertverlust billigend in Kauf zu nehmen? Wie ich Kirchens kenne, wird die Gesamtbilanz am Ende sogar positiv ausgehen. Viel Erfolg!
der.tommy 10.05.2018
4.
Killoy hat da wohl etwas ganz grundlegend nicht verstanden. Wenn die Aktionäre sich einig sind und sagen, dass ruger ab sofort das waffengeschäft aufgibt und in die Produktion von Seifen einsteigt, dann macht ruger das, denn die Aktionäre sind das Unternehmen. Da könnte er denn jammern wie er wollte.
Nonvaio01 10.05.2018
5. cool
das ist doch mal eine coole sache. Die Kirchen haben eh extrem viel Geld. Ich finde es klasse, und machen kann die firma dagegen nichts. Den Nonnen geht es eben nicht um Gewinn, sondern um Moral....
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