Nonnenmacher-Nachfolge Investmentbanker soll HSH-Chef werden

Die HSH Nordbank hat offenbar einen neuen Vorstandsvorsitzenden gefunden: Paul Lerbinger, zuletzt Co-Chef bei der US-Großbank Citigroup, soll Dirk Jens Nonnenmacher an der Spitze der umstrittenen Landesbank folgen. Der neue Mann hat bisher hauptsächlichlich als Investmentbanker gearbeitet. 

HSH Nordbank: Nonnenmacher-Nachfolger offenbar gefunden
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HSH Nordbank: Nonnenmacher-Nachfolger offenbar gefunden


Hamburg - Der Aufsichtsratschef der HSH Nordbank, Hilmar Kopper, hat offenbar einen Favoriten für den Vorstandsvorsitz gefunden: Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" und des NDR soll Paul Lerbinger Nachfolger des in Ungnade gefallenen Dirk Jens Nonnenmacher werden. Der Aufsichtsrat der Landesbank wolle Lerbinger am heutigen Mittwoch wählen, heißt es in den Berichten. Die Landesregierungen von Hamburg und Schleswig-Holstein, die gut 85 Prozent der Bank besitzen, hätten bereits zugestimmt.

Laut der "Financial Times Deutschland" soll Nonnenmacher aber nicht sofort ersetzt werden. Wahrscheinlich sei, dass Lerbinger erst einmal in den Vorstand einziehe und der Wechsel später stattfinde, heißt es dem Bericht zufolge im Umfeld der Bank. "Der Vorstandsvorsitzende der Bank wird zu gegebener Zeit vom Aufsichtsrat berufen. Alles andere ist reine Spekulation", sagte ein HSH-Sprecher am Dienstag. Hamburg und Schleswig-Holstein wollten, dass Lerbinger spätestens zum Februar die Geschäfte übernehme.

Die Bank will diesen Mittwoch auf einer außerordentlichen Vorstandssitzung über Einzelheiten der Trennung von Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher entscheiden - und einen Nachfolger vorstellen.

Mit Lerbinger würde ein Investmentbanker ohne wesentliche politische Erfahrung an die Spitze der Landesbank rücken. Der 55-Jährige hat praktisch seine gesamte Karriere bei Investmentbanken verbracht. Er startete bei UBS Warburg, ging dann zu JP Morgan, ehe er zur Deutschen Bank wechselte - zu Zeiten, als dort Kopper erst Vorstandssprecher und dann Aufsichtsratschef war.

Beim deutschen Marktführer leitete Lerbinger zuletzt das Geschäft für Aktienplatzierungen im deutschsprachigen Raum, bevor er 2002 als Co-Chef für das deutsche Investmentbanking bei der US-Großbank Citigroup anheuerte. Dort beriet er Konzerne bei deren Fusionsplänen und konzentrierte sich dabei auf die Konstruktion komplizierter Finanzierungsprodukte. Im Sommer dieses Jahres trat er zurück - offiziell, um zu privatisieren und seinen Lebensmittelpunkt nach München zu verlagern. Er wollte sich auf die Arbeit in diversen Aufsichtsräten konzentrieren, schreibt die "Süddeutsche Zeitung".

Lerbinger könnte seinen Job bei der HSH deswegen sofort antreten. Weil er bei Citi im deutschen Vorstand saß, erfüllt er die Voraussetzungen, um von der Finanzaufsicht BaFin die Erlaubnis zur Führung der HSH erteilt zu bekommen.

Muss Nonnenmacher ohne Abfindung gehen?

Die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein hatten HSH-Aufsichtsratschef Hilmar Kopper aufgefordert, die Trennung von Dirk Jens Nonnenmacher herbeizuführen. Der Bankchef war bei den Haupteignern wegen Hinweisen auf interne Spitzelsysteme in die Kritik geraten. Nonnenmacher könnte ohne Abfindung von seinem Posten entfernt werden, wenn ihm Pflichtverstöße nachgewiesen würden. Schleswig-Holstein und Hamburg erwarten dies von Kopper. Der Aufsichtsratschef hatte bislang immer betont, er sehe keine Pflichtverletzungen bei Nonnenmacher.

Kopper hatte schon im November aus seinem Ärger keinen Hehl gemacht. Die Forderung der Landesregierungen von Hamburg und Schleswig-Holstein sei ein "Rachefeldzug der Politik", sagte Kopper. "Ihm ist nie verziehen worden, dass er den 2,9-Millionen-Euro-Bonus angenommen hat. Er ist hochintelligent und macht einen guten Job. Ohne ihn wäre die Bank nicht da, wo sie jetzt ist."

Tatsächlich hatte der Manager die angeschlagene Landesbank im dritten Quartal nach drei Jahren wieder in die schwarzen Zahlen zurückgeführt. Im kommenden Jahr soll die Bank insgesamt wieder Gewinne schreiben.

Allerdings wird gegen Nonnenmacher wegen einer Reihe von Vorwürfen ermittelt, unter anderem wegen umstrittener Finanzgeschäfte der HSH, die vorübergehend die Existenz der Bank bedrohten, und wegen einer Spitzelaffäre, bei der missliebigen Managern fingierte Beweismittel untergeschoben worden sein sollen, um sie ohne Abfindung loszuwerden. Nonnenmacher beteuert seine Unschuld.

wit/hut

insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
flower power 15.12.2010
1. Na klar, weiter so.....
Zitat von sysopDie HSH*Nordbank hat offenbar*einen neuen Vorstandsvorsitzenden gefunden: Der Investmentbanker Paul Lerbinger, zuletzt Co-Chef bei der US-Großbank Citigroup,*soll Dirk Jens Nonnenmacher an der Spitze der umstrittenen Landesbank folgen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,734554,00.html
Nix wissen, nix können, nix ändern.....immer weiter, .......der deutsche ist ja so blöd. Die Banken brauchen Reformen, keine neuen Glücksritter mit überzogenem Risikogen.
brunnets 15.12.2010
2. Marionetten-Tausch
Zitat von sysopDie HSH*Nordbank hat offenbar*einen neuen Vorstandsvorsitzenden gefunden: Der Investmentbanker Paul Lerbinger, zuletzt Co-Chef bei der US-Großbank Citigroup,*soll Dirk Jens Nonnenmacher an der Spitze der umstrittenen Landesbank folgen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,734554,00.html
Ein Verbrecher wird gegen den nächsten ausgewechselt, nur dieses mal ist es gleich offiziell ein Investment-Banker, wo bitte schön ist der Unterschied ? Solange Posten wie dieser von Menschen besetzt wird, welche für Ihr tun in keiner Art haftbar gemacht werden können, ist es eh egal. Die entscheidendere Frage wäre, kann man auch das System tauschen, um hier eine höhere Transparenz zu erreichen ...
Robinchen, 15.12.2010
3. Der nächste Zocker ...
Zitat von sysopDie HSH*Nordbank hat offenbar*einen neuen Vorstandsvorsitzenden gefunden: Der Investmentbanker Paul Lerbinger, zuletzt Co-Chef bei der US-Großbank Citigroup,*soll Dirk Jens Nonnenmacher an der Spitze der umstrittenen Landesbank folgen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,734554,00.html
Man möchte verzweifelen, nun soll es also der nächste Zocker richten. Mal wieder wird ein Bock zum Gärtner gemacht und mal wieder zeigt sich die Politik lernresistent. Es geht also weiter wie bisher, dem Untergang entgegen, vielleicht jetzt mit nochmals erhöhtem Tempo. Unfassbar.
der-bank-blog.de 15.12.2010
4. Wenn schon Wechsel, dann schnell und komplett
Unabhängig davon, wie man zur HSH im allgemeinen und zu Herrn Nonnemacher im speziellen stehen mag. Wenn hier wirklich ein Wechsel auf Raten stattfinden soll (erst Vorstand, dann Nonnenmacher raus, dann neuer VV), dann führt dies nur zu noch mehr Chaos und Führungsvakuum in dem krisengeschüttelten Institut. Die Politiker sollten sich endlich mal zu Ihrer Verantwortung bekennen und „klar Schiff“ machen in einer Bank, die bei Schiffsfinanzierungen führend sein möchte, doch wohl das mindeste was man verlangen kann.
wasissn, 15.12.2010
5. Investmentbanker ist eine tolle Empfehlung...
... für eine Staatsbank, die eigentlich die regionale Wirtschaft fördern soll. So sagen uns die verantwortlichen Politiker in den 3 Bundesländern nur deutliche, wessen Geistes (Vorteils) Kind sie sind.
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