Gasleitung in Brandenburg Anschlusspipeline von Nord Stream 2 bewilligt

Die umstrittene Ostseepipeline Nord Stream 2 hat zu Spannungen mit den USA geführt. Nun steht auch dem Bau einer Hauptanschlussleitung in Brandenburg nichts mehr im Weg.

Stahlrohre für die künftige Europäische Gasanbindungsleitung (Eugal)
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Stahlrohre für die künftige Europäische Gasanbindungsleitung (Eugal)


In Brandenburg ist eine Pipeline bewilligt worden, die Gas aus der umstrittenen Nord Stream 2 weiterleiten soll. Das Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe erließ einen entsprechenden Beschluss. Nun kann die Bau- und Betreibergesellschaft Gascade, eine Tochter von BASF und der russischen Gazprom, mit dem Bau beginnen.

Gascade-Chef Christoph von dem Bussche betonte, die Trasse sei ein wichtiges Infrastrukturprojekt. Ein großer Teil des Gases der Nord Stream 2 könne damit von der Ostsee nach Tschechien transportiert werden; von dort kann es zum Beispiel auch nach Bayern weitergeleitet werden.

Für die Nord Stream 2 werden bereits Rohre an der deutschen Ostseeküste verlegt. Das stößt unter anderem in den USA und in Osteuropa auf Kritik. Der Ukraine drohen Einnahmeausfälle, wenn sich der Transit durch dieses Land verringert.

Die USA unter Donald Trump kritisieren, dass sich die Abhängigkeit Deutschlands von russischem Gas dadurch erhöht. Zwischenzeitlich hatten die USA wegen der Pipeline mit Sanktionen gedroht. Die EU sagte den USA im Handelsstreit zuletzt einen erleichterten Flüssiggasexport nach Europa zu.

Nord Stream 2 und Anbindungspipelines
DER SPIEGEL

Nord Stream 2 und Anbindungspipelines

Das Thema soll an diesem Wochenende auch beim Gipfeltreffen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin auf Schloss Meseberg, dem Gästehaus der Bundesregierung nördlich von Berlin, besprochen werden.

Genehmigungen aus Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern fehlen noch

Die neue Leitung mit dem Namen Eugal verläuft auf 485 Kilometern von Greifswald bis zur tschechischen Grenze weitgehend parallel zur bestehenden Opal-Pipeline. Die Kosten werden auf drei Milliarden Euro geschätzt. Das erste Gas soll bereits Ende kommenden Jahres mit bis zu 100 Bar durch Rohre mit 1,4 Metern Innendurchmesser strömen. Die Pipeline besteht aus zwei Röhren, der zweite Strang soll bis Ende 2020 fertig sein.

Energieträger Erdgas
Erdgas ist nach Mineralöl der zweitwichtigste Bestandteil des deutschen Energiemix. Fast jede zweite Wohnung in Deutschland wird nach Angaben des BDEW inzwischen damit beheizt. Insgesamt sind es mehr als 18 Millionen Haushalte - Tendenz steigend. Zudem wird mit Erdgas Strom erzeugt, und umweltfreundliche Autos werden mit Erdgas angetrieben. Die Erdgas-Lagerstätten sind auf wenige Regionen begrenzt - mehr als die Hälfte der globalen Vorkommen befinden sich in den Ländern Russland, Iran und Katar.

Erdgas ist der am wenigsten klimaschädliche aller fossilen Brennstoffe. Bei seiner Verbrennung werden etwa 200 Gramm CO2 pro Kilowattstunde freigesetzt. Dies ist im Vergleich zu Erdöl (270 g/kWh) und Kohle (je nach Qualität 330 bis 400 g/kWh) gering.

Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) sagte, Erdgas bleibe trotz des Ausbaus der erneuerbaren Energien auf absehbare Zeit unverzichtbar. "Daher freue ich mich, dass nun die Genehmigung für Bau und Betrieb der Erdgasfernleitung Eugal in Brandenburg vorliegt."

Das Betreiberunternehmen rechnet damit, dass in wenigen Wochen auch die Genehmigungen aus Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern vorliegen. In den vergangenen Monaten waren bereits zahlreiche Röhren an die Trasse gebracht worden. Zudem liefen schon archäologische Voruntersuchungen.

ans/dpa-AFX



insgesamt 8 Beiträge
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neowave 17.08.2018
1. Gut!
Ich begrüße die Pipeline-Projekte ausdrücklich. Wirtschaftlich, weil sie für Wettbewerb auf dem Energiesektor sorgen. Politisch, weil sie in der mal wieder verkorksten Beziehung zu Russland für ein zumindest schmales Band der Verbundenheit sorgen. Und, aber ohne Relevanz .... weil`s Trump nicht passt. Im Zweifel kann er ja die Preise der Russen unterbieten.. schon hat er `nen Deal..
heikhen 17.08.2018
2. sehr gut!
aber was kümmert uns die Ukraine! Hätten sie einen Gastransfer ohne Behinderung und Gasdiebstahl zugelassen wäre Nordstream 2 unnötig gewesen. So aber, hat die Ukraine die Versorgungssicherheit Europas in Frage gestellt und sich selbst den Stuhl vor die Tür gestellt. Verstehe nicht das Gelärme von unserer Seite der Ukraine müssen die Ausfälle kompensiert werden. Völlig falscher Ansatz. Die Ukraine ist selbst verantwortlich für diesen Ausfall und keiner sonst. Insofern völliges Unverständnis für die Reaktion der Bundesregierung . Es wäre schön wenn sie endlich mal für die sorgen würde von denen sie gewählt wurden und nicht immer für Dritte.
BettyB. 17.08.2018
3. Resteverwertung
Nun, erst einmal handelt es sich um "Quasi-Resteverwertung", denn die Zusammenarbeit mit Russland war gedacht als Teil des "gemeinsamen europäischen Hauses", den Merkel zur Freude der US-Amerikaner bei ihrem ersten Amtsantritt als Kanzlerin im Handumdrehen zerstörte. Heute knirscht unserer Amitesse wohl mit den Zähnen, weil Trump ihr die Suppe versalzen hat und zudem Daniel Günther sie daran erinnerte, dass es so etwas wie die christliche Soziallehre gab, die mit protestantischer Reichenschutzpolitik nichts zu tun hat. Aber Merkel wird gehen, mal sehen, was und wer dann kommt...
fixik 17.08.2018
4.
Diese Pipeline kann die Abhängigkeit schlicht nicht erhöhen. Wer was anders behauptet, der hat andere Ziele im Kopf. Das Risiko wird kleiner, da das Ausfallrisiko Ukraine nicht mehr besteht. Und das ist das weit realistischere Risiko. Was den Zulieferer angeht, da ändert sich eh nichts. Ob Russland das Gas durch Nord-Stream oder durch Ukraine schickt, spielt nun mal keine Rolle. Wenn Russland kein Gas schicken möchte, macht es Russland auch jetzt. Und an Russland führt eh kein Weg vorbei. Europa hat kaum noch Gas. Dasselbe aus USA ist zu teuer und um einiges umweltschädlicher. Und zwar richtig viel um einiges.
alex300 17.08.2018
5. Spannungen mit den USA.
Bin ich schlecht in Geographie, oder wo sind denn die USA auf der Karte?
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