Zum Hafen Kirkenes Norwegen und Finnland planen erste Arktis-Bahn

Finnland will eine Bahnstrecke zum eisfreien norwegischen Hafen Kirkenes bauen. Sollten die Pläne umgesetzt werden, wäre es die erste Bahnverbindung eines EU-Staates mit einem arktischen Hafen.

Norwegischer Arktis-Hafen Kirkenes
AFP

Norwegischer Arktis-Hafen Kirkenes


Eine neue arktische Bahnstrecke soll Finnland und Norwegen verbinden. Beide Regierungen unterzeichneten eine Vereinbarung, der zufolge der Bau der Route zwischen der nördlichen finnischen Stadt Rovaniemi und dem eisfreien norwegischen Hafen Kirkenes geprüft werden soll. Der Hafen ist nur 15 Kilometer von der russischen Grenze entfernt.

Der Bau, dessen Kosten auf 3,6 Milliarden Euro geschätzt werden, wäre die erste Eisenbahnverbindung eines EU-Staates zu einem arktischen Hafen. Als Zieldatum für den Bau wird das Jahr 2030 angegeben. Hintergrund ist auch der Ausbau der wegen des Klimawandels nun befahrbaren arktischen Schifffahrtsrouten, die etwa China vorantreibt.

Im vergangenen August stellte ein russischer Gastanker bei der Durchquerung der Nordostpassage einen Weltrekord auf. Er war ohne Eisbrecher unterwegs und brauchte für die Strecke von Hammerfest in Norwegen nach Boryeong in Südkorea 19 Tage. Damit war das Schiff etwa 30 Prozent schneller als auf der Suezkanal-Route.

Zugverbindung soll bis Warschau reichen

Bisher nutzt die Schifffahrt die kürzere Route eher selten, weil sie aufgrund der Eismengen nur etwa vier Monate im Jahr befahrbar ist. Das kann sich allerdings aufgrund des Klimawandels ändern: So war der Winter in der Arktis in diesem Jahr wärmer als je zuvor. Die dem Nordpol am nächsten gelegene Wetterstation auf Land, bei Cape Morris Jesup an der Spitze Grönlands, zeigte im Februar mehr als 60 Stunden Temperaturen über dem Gefrierpunkt. Zuvor hatten Wissenschaftler dort im Februar erst zwei Mal überhaupt Temperaturen über null Grad gemessen

Die finnische Verkehrsministerin Anne Berner sagte, dass die Eisenbahnroute auch mit dem zwischen Finnland und Estland geplanten Tunnel unter der Ostsee verbunden werden solle. Am Ende soll es eine Zugverbindung bis nach Warschau geben. Von dort ist der Bau einer neuen Eisenbahnroute in die estnische Hauptstadt Tallin bis 2026 geplant.

brt/Reuters

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bibabuzelmann 09.03.2018
1. Finnland hat russische Breitspur ...
... die gibts in den baltischen Ländern ebenfalls noch, aber spätestens an der polnischen Grenze wird es dann problematisch.
dliblegeips 09.03.2018
2. Nicht die erste Arktisbahn
Narvik hat auch ein Hafen, liegt nördlich des Polarkreises und ist mit der Eisenbahn erschlossen. Der Güterzug von Narvik über Schweden nach Oslo heisst sogar Arctic Rail Express
julian.roechelt 09.03.2018
3.
Zitat von bibabuzelmann... die gibts in den baltischen Ländern ebenfalls noch, aber spätestens an der polnischen Grenze wird es dann problematisch.
Die Rail Baltica von Warschau bis Talinn ist in Normalspur geplant. Momentan ist glaub ich Kaunas erreicht. Ob es sich für die Finnen rechnet, eine parallele Strecke zu den bestehenden Breitspurstrecken in Normalspur zu bauen, wage ich zu bezweifeln. Es gab auch schon Vorschläge, Kirkenes an das russische Eisenbahnnetz anzubinden.
fantin-latour 09.03.2018
4. Zynismus
Das ist ziemlich zynisch, was Finnland treibt. Die samische Bevölkerung hat Jahrhunderte darauf gewartet, dass der Norden mit einem besseren Eisenbahnnetz ausgestattet wird, und nichts ist geschehen, nicht einmal einen eigenen Fernsehsender haben sie, anders als die schwedischsprachige Minderheit im Süden, die darauf schaut, dass das ganze Geld in den Süden fließt... Aber jetzt, wo Gewinn damit zu machen ist, geht auf einmal alles. Wahrscheinlich werden sie ein paar Samendörfer zwangsumsiedeln, aber Hauptsache, der Süden kann neue Steuergelder absahnen
mikaiser 09.03.2018
5. ...erste Bahnverbindung eines EU-Staates mit einem arktischen Hafen?
Hm, schauen wir mal: Arktischer Hafen = nördlich des Polarkreises? Also z.B. Narvik? Bahnverbindung Berlin HBF - Narvik = 2x umsteigen. Leider 38 Stunden, aber es ist eine bereits jetzt existierende Bahnverbindung, gell? Immerhin: hätten Sie das nicht so geschrieben, hätte ich nie meinen alten Globus rausgeholt, um zu sehen, ob Narvik nördlich des Polarkreises ist. Denn Google Maps zeigt solche Banalitäten wie den (geographischen) Polarkreis nicht an, dafür eine gleichnamige Kneipe in Berlin. Hätte ich auch nicht gewusst, dass es die gibt. Also: danke für die Anregung!
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