Drei Notlandungen an einem Tag: Piloten erheben Vorwürfe gegen Ryanair

Ryanair gerät massiv in die Kritik: Laut Gewerkschaft Cockpit weist die Billigfluglinie ihre Piloten an, möglichst wenig Treibstoff zu tanken. Die spanische Regierung hat eine Untersuchung eingeleitet, warum an einem Tag gleich drei Ryanair-Maschinen notlanden mussten.

Flugzeug von Ryanair: Spanische Flugsicherheitsbehörde prüft Notlandungen Zur Großansicht
dapd

Flugzeug von Ryanair: Spanische Flugsicherheitsbehörde prüft Notlandungen

Hamburg - Der Billigfluggesellschaft Ryanair droht Ärger in Spanien. Das Verkehrsministerium in Madrid hat laut "Financial Times Deutschland" ("FTD") eine Untersuchung gegen das Unternehmen eingeleitet. Die Aufsichtsbehörde prüft demnach Vorwürfe, wonach gleich drei Ryanair-Flugzeuge an einem Tag wegen Treibstoffmangels notlanden mussten.

Die Vorfälle ereigneten sich der Zeitung zufolge am 26. Juli. Wegen eines Gewitters mussten die Flugzeuge nach Valencia umgeleitet werden. Eigentlich hätten sie in Madrid landen sollen. Ryanair verweist darauf, dass die Flugzeuge jeweils rund eine Stunde nach der geplanten Ankunft über dem Flughafen Valencia kreisten, bevor sie eine sofortige Landung beantragten. Zum Zeitpunkt der Landung hätte jede Maschine noch Treibstoff für rund 30 Minuten Flugzeit gehabt, teilte Ryanair auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE mit. Damit seien die Sicherheitsvorschriften erfüllt gewesen.

Der spanische Verbraucherverband Ceaccu sieht das anders. Die Sicherheit der Passagiere sei schwer gefährdet gewesen. Die spanische Flugsicherheitsbehörde AESA untersucht im Auftrag des Verkehrsministeriums, ob die Maschinen zu wenig Kerosin getankt hatten. Der Verdacht: Ryanair setzt systematisch darauf, mit möglichst wenig Treibstoff auszukommen. Der Hintergrund ist klar: Wenn die Flugzeuge weniger Treibstoff an Bord haben, sind sie leichter und verbrauchen weniger.

Ein Sprecher der deutschen Pilotengewerkschaft Cockpit erhebt in der "FTD" Vorwürfe gegen Ryanair. Die Fluglinie setze die Piloten unter Druck, nicht zu viel Treibstoff zu tanken. "Wenn eine Fluglinie an einem Tag dreimal wegen Kerosinmangels notlanden muss, dann stimmt etwas im System nicht", sagte Cockpit-Sprecher Jörg Handwerg der Zeitung.

Ryanair teilte mit, man unterstütze die Untersuchungen zu den drei Notlandungen. Man kooperiere mit den Behörden.

cte

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insgesamt 180 Beiträge
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1. Vielleicht
bunterepublik 16.08.2012
Zitat von sysopSchwere Vorwürfe gegen Ryanair: Laut Gewerkschaft Cockpit weist die Billigfluglinie ihre Piloten an, möglichst wenig Treibstoff zu tanken. Laut "Financial Times Deutschland" untersucht di
Vielleicht täte es dem Artikel gut, wenn aus ihm noch entnommen werden könnte, welche rechtlichen Vorschriften es gibt. Wenn ein Mittelstrecken-Flugzeug bspsw. nach 2 Stunden Flug umgeleitet wird, und dann noch eine Stunde kreisen muss, liegt es für mich auf der Hand, dass irgendwann der Tank leer ist. Ob hierin eine Verantwortungslosigkeit besteht, muss ja dann von den rechtlichen Vorschriften abhängig gemacht werden. Wenn ich mit dem Auto ne Strecke von 50 km zurücklegen muss und ich hab für 150 km Sprit im Tank, dann halte ich das nicht für verantwortungslos, mich aufzumachen, selbst wenn ich eigentlich für 400 km Kapazität im Tank hätte.
2.
Thaeve 16.08.2012
Unwetter, Umleitungen, Wartezeiten am neuen und durch den fehlenden geschlossenen völlig überlasteten Flughafen. Mit anderen Worten, etwas das täglich und überall vorkommt, vorkommen kann und deswegen einkalkuliert sein muß. Interessant in diesem Zusammenhang: es hat mit Sicherheit nicht nur Ryanair getroffen, daß die Flüge umgeleitet werden mußten, aber leider fehlt (wie immer in nicht ordentlich recherchierten Online-Medien, wo es wichtiger ist schnell mit der Meldung zu sein statt genau) die Angabe, ob die anderen betroffenen Fluglinien auch Treibstoffprobleme hatten oder nicht oder in welchem Ausmaß. Da auch in anderen Fluglinien BWLer sitzen kann ich mir nicht vorstellen, daß diese mehr Treibstoff tanken als notwendig und vorgeschrieben. Wenn diese aber keine Probleme hatten ...
3.
mmueller60 16.08.2012
Zitat von sysopSchwere Vorwürfe gegen Ryanair: Laut Gewerkschaft Cockpit weist die Billigfluglinie ihre Piloten an, möglichst wenig Treibstoff zu tanken. Laut "Financial Times Deutschland" untersucht di
Solange alle Vorschriften erfüllt werden, ist die Praxis nicht zu beanstanden, sondern ökonomisch wie auch ökologisch (!) sinnvoll. Daß an einem Tag, an dem viele Maschinen zu einem anderen Airport umgeleitet werden müssen UND dort nicht sofort landen können, sondern jeweils eine Stunde kreisen müssen, drei Maschinen "notlanden" müssen, überrascht mich nicht. Ist aber auch keine übliche Konstellation. Diese "Notlandung" klingt außerdem dramatisch, bedeutet aber schlicht, daß sie zum Zeitpunkt, an dem nur noch 30 Minuten Flugzeit bleiben, dies dem Tower melden und dann schnell landen dürfen.
4. gegen diese Fluglinie
einsteinalbert 16.08.2012
gibt es nur ein Mittel . . . . . Start- und Landeverbot auf allen deutschen Flughafen und das schnell und kompromisslos. Wer vorsätzlich mit dem Leben der Passagiere und der Crew spielt, hat keine Daseinsberechtigung.
5. Alle Vorschriften
G2c 16.08.2012
Zitat von bunterepublikVielleicht täte es dem Artikel gut, wenn aus ihm noch entnommen werden könnte, welche rechtlichen Vorschriften es gibt. Wenn ein Mittelstrecken-Flugzeug bspsw. nach 2 Stunden Flug umgeleitet wird, und dann noch eine Stunde kreisen muss, liegt es für mich auf der Hand, .....
wurden zu 100% erfüllt und eingehalten. Es geht hier ausschließlich um´s Ryanair-Bashing (ich kann den Laden nicht leiden). Abgesehen davon ist mir nicht bekannt, dass eine Ryanairmaschine jemals zu einer Notlandung gezwungen worden sei. Was muss man eigentlich nachweisen, um Sponredakteuer zu werden ??
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