Millionenzahlung an Trump-Anwalt Novartis-Chefjurist tritt zurück

Der Schweizer Pharmakonzern Novartis erhoffte sich Einblicke in Trumps Gesundheitspolitik - und zahlte dessen Anwalt Cohen dafür 1,2 Millionen Dollar. Nun hat der Konzern personelle Konsequenzen gezogen.

Felix Ehrat, Chefjurist bei Novartis
Novartis

Felix Ehrat, Chefjurist bei Novartis


Wegen einer Millionenzahlung an den persönlichen Anwalt von US-Präsident Donald Trump zieht der Schweizer Pharmakonzern Novartis personelle Konsequenzen. Chefjurist Felix Ehrat werde zurücktreten, teilte das Unternehmen mit. Der Schritt erfolge im Zusammenhang mit Diskussionen über die frühere Vereinbarung von Novartis mit Trumps Anwalt Michael Cohen von der Beratungsfirma Essential Consultants. Über die Firma waren auch Zahlungen an die Pornodarstellerin Stormy Daniels geflossen.

Vergangene Woche war bekannt geworden, dass Novartis mit der Firma des US-Anwalts zusammengearbeitet hatte. Mittlerweile sei der einjährige Vertrag mit dem Unternehmen ausgelaufen, hatte der Konzern bestätigt. Man habe gehofft, von Michael Cohen für 1,2 Millionen Dollar in Bezug auf die Gesundheitspolitik der neuen Regierung beraten zu werden, hieß es.

"Dieser Vertrag, obwohl juristisch nicht zu beanstanden, war ein Irrtum", erklärte Ehrat. "Als Mitunterzeichner mit unserem damaligen CEO übernehme ich mit diesem Entscheid persönlich Verantwortung, um die öffentliche Debatte darüber zu beenden." Ehrats Nachfolgerin wird Shannon Thyme Klinger.

Shannon Thyme Klinger
Novartis

Shannon Thyme Klinger

Novartis-Chef nach Unternehmensangaben nicht verwickelt

Novartis-Chef Vasant Narasimhan bezeichnete den Vertrag mit Cohen erneut als großen Fehler und kündigte Ethikregeln an, um Skandale und Korruption zu verhindern. Der Konzern betonte, dass der seit Februar an der Spitze des Unternehmens stehende Narasimhan in keiner Weise in den Cohen-Vertrag verwickelt sei.

Auch der Verwaltungsrat wusste zum Zeitpunkt des Abschlusses nichts vom Vertrag mit dem Trump-Anwalt, sagte Präsident Jörg Reinhardt. Novartis ist in eine Reihe von Schmiergeldskandalen in den USA, China und Südkorea verwickelt und hat sei 2015 Hunderte Millionen Dollar Vergleichs- und Strafzahlungen geleistet.

ans/dpa/Reuters



insgesamt 6 Beiträge
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jaybeexxx 16.05.2018
1. Hut ab.
Die scheinen er ernst zu meinen mit der ethischen Neuausrichtung. Da könnten einige Autobauer was lernen....
stefan.martens.75 16.05.2018
2. Personelle Konsequenzen? Ich lach mich schlapp
Jeder Wirtschaftsmann weiß wofür ein Konzernchefjurist hauptsächlich da ist und bezahlt wird. Das ist eine Position dem der Sündenbock und das Unternehmensbauernopfer immanent ist. Diesen Schritt personelle Konsequenzen zu nennen, ist ein abschreiben aus der Pressemitteilung eines Unternehmens. Mehr nicht.
SPONU 16.05.2018
3. Und deutsche Konzerne?
ATT hat gezahlt. Korea Air hat gezahlt. Novartis hat gezahlt. Sassen nicht deutsche Industrievertreter nicht erst bei und neben Trump beim Abendmahl? Würde mich nicht überraschen wenn der ein oder andere deutsche Autobauer grosszügig war...natürlich um die neue Trump Administration besser kennenzulernen und herauszufinden wie diese zu Obamaära Umweltauflagen steht...hmm??? Kommt schon...ich rechne täglich mit einer solchen Pressemitteilung. Stormy Daniels Anwalt bzw. FBI Mueller haben noch lange nicht alle Fakten öffentlich gemacht. Das wird dramaturgisch verwertet.
Das Pferd 16.05.2018
4.
Moral hin oder her, mich verblüffen zuerst die Preise. 1 200 000 $ dafür, daß man weiß, was Trump denkt? Nach dem, was schon im Wahlkampf über seine Aufmerksamkeitsspanne und sein Wissen bekannt war? Es ist eine der wenigen positiven Aussagen über Donald Trump, daß er im Allgemeinen sagt was er denkt, und das in einer sehr einfachen Sprache. Twitter und ein paar Zeitungen lesen reicht völlig.
jörg pk 16.05.2018
5. Wird bei Novartis eine Zeitenwände eingeläutet...oder aber...
Auch wenn man Basel liebt, so stand auch in dieser schönen Stadt zu keiner Zeit immer alles zum Guten. So klang leider auch der Ruf von Novartis puncto Compliance eigentlich stets mehr berüchtigt als berühmt. Unter einem CEO Jimenez (ganz zu schweigen von dessen Vorgänger Vasella) hätte man wohl auch bei diesem bösen USA-Faux-Pas zunächst einmal zur alten 3L-Devise gegriffen (Leugnen, Leugnen, Leugnen). Wenn innert so kurzer Zeit der Head Legal nun aber 1. den Fehler eingestehen musste (unter Hinweis, dass er diesen mit seinem damaligen CEO Jimenez beging) und nun auch auch noch den Hut nimmt...dan lässt das doch aufhorchen. Wird hier vom neuen CEO Vasant Narasimhan gerade eine Zeitenwende eingeläutet? Oder wird hier nur "die dreckige Wäsche" des Vorgängers öffentlich gewaschen? Sollte es dem neuen Chef ernst sein, dann wird er mit Frau klinger noch manches Gefecht durchstehen müssen (und sie selber muss künftig mit den Angaben zur eigenen Person ebenfalls schon mal mehr Sorgfalt walten lassen...damit nicht plötzlich ein Dr.Titel vor Ihrem Namen steht). Wir werden sehen.
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