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22. Februar 2013, 12:56 Uhr

Umstrittene Abfindung

Novartis-Präsident sagt zum Abschied leise sorry

Gut 58 Millionen Euro sollte Daniel Vasella als Abfindung erhalten - und wurde dafür öffentlich scharf kritisiert. Jetzt gibt sich der scheidende Novartis-Präsident demütig: Auf seiner letzten Aktionärsversammlung sagt der Schweizer Manager: "Ich habe zwei Fehler gemacht."

Basel - Mit Selbstkritik hat sich Daniel Vasella, 59, aus dem Amt verabschiedet. Er habe Fehler gemacht, sagte der scheidende Präsident des Schweizer Pharmakonzerns Novartis auf der Aktionärsversammlung am Freitag. Er war in die Kritik geraten, weil er ursprünglich zum Abschied eine Rekordabfindung erhalten sollte. 72 Millionen Franken, umgerechnet 58 Millionen Euro.

Zwei Fehler habe er gemacht, erklärte Vasella den rund 3000 nach Basel gereisten Aktionären. das Interesse war groß. Das Schweizer Fernsehen übertrug die Aktionärsversammlung sogar live.

"Der erste Fehler war, diesen Vertrag überhaupt auszuhandeln", sagte er. Der zweite: die Annahme, dass es positiv gesehen werde, wenn er die Millionen für gemeinnützige Zwecke spende.

Aktionäre reagierten wütend. Eine übergab Vasella ein goldenes Kalb. "Das ist der einzige Gott, zu dem sie beten", rief sie laut "Handelsblatt".

Die millionenschwere Zahlung hatte seit dem vergangenen Wochenende in der Schweiz für Empörung gesorgt. "Das geht über alle Dimensionen des Vernünftigen hinaus", schimpfte der Chef der Schweizer Bischofskonferenz. Justizministerin Simonetta Sommaruga geißelte eine "Selbstbedienungsmentalität".

Vasella sollte die 72 Millionen Franken erhalten, wenn er die ersten sechs Jahre nach seinem Ausscheiden nicht für die Konkurrenz tätig wird, sondern Novartis berät. Das Geld wollte der Manager für wohltätige Zwecke spenden. Nach öffentlichem Druck annullierte der Konzern den Vertrag. "Die Reaktionen und Vorwürfe sind nicht spurlos an mir vorübergegangen", sagte Vasella.

Beobachter erwarten dennoch einen Eklat bei der Aktionärsversammlung. Sie glauben, dass vor allem Kleinaktionäre ihrem Ärger über das Bonus- und Entlohnungssystem Luft machen werden. Vasella führte gleich zu Beginn der Versammlung eine Redezeitbeschränkung von fünf Minuten ein.

Winterkorn will weniger Geld

Eine ganz andere Unternehmenskultur hat in puncto Managervergütung der deutsche Autokonzern Volkswagen. Auf dessen Aufsichtsratssitzung, die ebenfalls am Freitag stattfindet, wird ein Beschluss zur Neuregelung der Vorstandsvergütung erwartet. VW-Chef Martin Winterkorn, mit 18,3 Millionen Euro der Top-Verdiener unter den deutschen Managern im Jahr 2011, will weniger Geld annehmen, als ihm zusteht.

Weil seine Vergütung auch an den Unternehmenserfolg gekoppelt ist und VW ein glänzendes Jahr hinter sich hat, müsste Winterkorns Gehalt für 2012 auf 20 Millionen Euro steigen. Doch der Manager erwartet, dass seine Bezüge sinken: "Bei allem Erfolg des Konzerns können die Steigerungen nicht ins Uferlose weitergehen", sagte er dem SPIEGEL Anfang Februar.

Es wird erwartet, dass Winterkorn auf Basis der überarbeiteten Bonuskriterien für das Geschäftsjahr 2012 rund 14 Millionen Euro erhält.

ssu/Reuters

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