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19. Februar 2013, 13:58 Uhr

Umstrittene Abfindung

Schweizer Pharmaboss verzichtet auf 72 Millionen Franken

Es wäre die höchste Abfindung der Schweizer Geschichte gewesen: 72 Millionen Franken sollte der scheidende Novartis-Chef Vasella kassieren, wenn er nicht bei der Konkurrenz anheuert. Nach öffentlichem Druck hat der Konzern den Vertrag annulliert. Das Geld wollte der Manager für wohltätige Zwecke spenden.

Basel - Die Empörungswelle war gigantisch: "Das geht über alle Dimensionen des Vernünftigen hinaus", schimpfte der Chef der Schweizer Bischofskonferenz. Die Justizministerin geißelte die "Selbstbedienungsmentalität". Nun wurde der Druck zu groß: Der scheidende Präsident des Schweizer Pharmakonzerns Novartis , Daniel Vasella, verzichtet auf seine vertraglich vereinbarte Abfindung.

Auslöser der Aufregung war der Betrag von 72 Millionen Franken: So viel sollte Vasella laut seinem Abfindungsvertrag erhalten, wenn er die ersten sechs Jahre nach seinem Ausscheiden nicht für die Konkurrenz tätig wird, sondern Novartis berät. Das entspricht etwa 58 Millionen Euro.

Einflussreiche Aktionärsgruppen hatten nach Bekanntwerden der Vereinbarung dazu aufgerufen, dem Novartis-Vorstand bei der Generalversammlung am 22. Februar die Entlastung zu versagen. Vasella will auf der Versammlung abtreten.

Auch die Politik mischte sich ein. "Das ist ein enormer Schaden für den sozialen Zusammenhalt in unserem Land", sagte die Schweizer Justizministerin Simonetta Sommaruga der Zeitung "SonntagsBlick". Diese "Selbstbedienungsmentalität" erschüttere das Vertrauen in die ganze Wirtschaft.

Nun wurde die Vereinbarung annulliert. "Ich habe verstanden, dass in der Schweiz viele den Betrag für die Einhaltung des Konkurrenzverbots als unverhältnismäßig hoch empfinden, trotz der Tatsache, dass ich meine Absicht bekanntgab, den Nettobetrag für wohltätige Aktivitäten zur Verfügung zu stellen", wird Vasella in der Novartis-Mitteilung zitiert.

Der Fall könnte auch eine bald anstehende Volksabstimmung beeinflussen. Am 3. März sind die Schweizer dazu aufgerufen, über eine Begrenzung von Managergehältern zu entscheiden. Mehr als die Hälfte der stimmberechtigten Schweizer will laut Umfragen für diese sogenannte Abzocker-Initiative stimmen.

stk/dpa

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