Insolvente Rennstrecke Russischer Oligarch steigt beim Nürburgring ein

Eine Stilllegung des Nürburgrings ist vorerst vom Tisch, dank eines russischen Investors. Der Pharmaunternehmer Viktor Charitonin übernimmt die Mehrheit an der insolventen Rennstrecke - und beglich als erstes Raten über zehn Millionen Euro.

Rennfahrzeuge auf dem Nürburgring: Schließung vom Tisch
DPA

Rennfahrzeuge auf dem Nürburgring: Schließung vom Tisch


Nürburg - Der insolvente Nürburgring hat einen neuen Eigentümer. Nach Angaben der Sanierer kaufte sich der russische Investor Viktor Charitonin bei der Rennstrecke samt Freizeitpark ein. Der Geschäftsmann sei an der Firma NR Holding beteiligt, die zwei Drittel an der Besitzgesellschaft übernommen habe. Damit sei der Kaufvertrag planmäßig umgesetzt und eine mögliche Stilllegung vom Tisch.

Charitonin übernimmt die Anteile des mittelständischen Autozulieferers Capricorn. Dessen Chef Robertino Wild hatte im März zusammen mit der Motorsportfirma Getspeed den Zuschlag für den Ring erhalten. Offenbar hatte Wild jedoch Schwierigkeiten, den Bar-Anteil des Kaufpreises von 77 Millionen Euro aufzubringen. Wild übertrug seine Anteile kürzlich an einen Treuhänder, bevor sie nun an die NR Holding gingen. Das übrige Drittel hält weiter Getspeed.

Der neue Mehrheitseigentümer beglich nach Angaben der Sanierer bereits zwei Kaufpreisraten über insgesamt zehn Millionen Euro. "Dies ist ein positives Signal für Veranstalter, Kunden und Mitarbeiter", sagte der Sprecher der Sanierer, Pietro Nuvoloni. Die nächste Rate wurde am Freitag fällig. Wäre sie nicht gezahlt worden, hätte der gesamte Kaufvertrag platzen können.

Charitonin ist Milliardär und Eigentümer des russischen Arzneimittelherstellers Pharmstandard. Er gilt als enger Geschäftsfreund des ebenfalls sportbegeisterten Oligarchen Roman Abramowitsch. Über diesen sei auch der Kontakt zwischen Wild und Charitonin zustandegekommen, hieß es im Umfeld der Transaktion.

Seit Jahren in Turbulenzen

Auch in der Mainzer Staatskanzlei wurde der Einstieg Charitonins positiv bewertet. "Die Nachricht der Insolvenzverwalter, dass die Verträge erfüllt werden und die fälligen Raten für dieses Jahr komplett bezahlt sind, ist für den Nürburgring eine wichtige und gute Nachricht", sagte Vize-Regierungssprecher Marc Wensierski. Mitte Oktober hatte die Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) noch im Landtag an die Käufer appelliert: "Erfüllen Sie die Verträge."

Turbulenzen gibt es am Nürburgring schon seit Jahren. Die frühere SPD-Alleinregierung unter dem damaligen Ministerpräsident Kurt Beck hatte dort vor einigen Jahren einen zu großen Freizeitpark bauen lassen. Die EU-Kommission verbot dem Land weitere Subventionen, worauf die Besitz- und Betreibergesellschaften Insolvenz anmelden mussten. Bis zu einer halben Milliarde Euro an Steuergeld gilt als verloren.

Der Versuch der Privatfinanzierung scheiterte 2009, weshalb der rheinland-pfälzische Finanzminister Ingolf Deubel (SPD) zurücktreten musste. Ein Schweizer Geschäftsmann hatte zuvor einen angeblichen US-Investor in Aussicht gestellt, dessen Scheck sich als ungedeckt herausstellte. Das Landgericht Koblenz verurteilte Deubel im April 2014 wegen Untreue zu dreieinhalb Jahren Haft, das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

dab/dpa/Reuters

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insgesamt 7 Beiträge
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fortelkas 30.10.2014
1. Russischer Oligarch steigt beim Nürburgring ein
Das ist ja schön, wenn ein gescheitertes Projekt gerettet wird! Und ein russischer Pharmaunternehmer steigt gleich mit 10 Millionen ein, wahrscheinlich gezahlt aus der Portokasse. Das wäre doch auch etwas für den Pralinenunternehmer Poroschenko aus der Ukraine, gleichzeitig vielleicht ein Ticket für den Eintritt in die EU! Aber wo bleiben da jetzt die Sanktionen? Mein Gott, wie peinlich, auch für die deutsche und europäische Politik! Erwin Fortelka
tkedm 30.10.2014
2.
War doch zu erwarten. Zwei kleine Klitschen sollten so eine Unternehmung stemmen? Hätte man mal lieber dem ADAC den Zuschlag gegeben; die haben in Veranstaltungen von Motorsportevents und dem ganzen Drumherum doch deutlich mehr Erfahrung als irgendwelche Tuningexperten.
vandenplas 30.10.2014
3. Russische Militärbasis
Wenn der Spiegel seinen Russland Experten Benjamin Bidder hinschickt, wird er womöglich die Pläne des Kremels aufdecken, den Nürburgring in eine streng geheime Basis und Ausgangsort einer geplanten Invasion Deutschlands umzubauen. Kann's kaum erwarten seine nächste Klamotte zu lesen ;-)
katzenbär85 30.10.2014
4.
Ich hoffe die Wähler ziehen endlich Ihre Konsequenz aus diesem Debakel. Wer weiterhin SPD wählt, hat den Schuss vor den Bug nicht mitbekommen. Diese verfilzten Großparteien gehen mir mittlerweile gehörig auf den Senkel. Politiker sollten endlich persönlich für Ihren Unfug haftbar gemacht werden. Das Konzept war von Anfang an zum scheitern verurteilt.
NAL 30.10.2014
5. Wann kommen die Sanktionen
Russland ist nun ion Deutschland aktiv - da müssen doch"Sofort" Sanktionen der Stufe "M-STm" her. Ansonsten werden wir wohl noch russisch indoktriniert. :-))
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