Skandalzins NYSE Euronext soll künftig Libor festlegen

Der Libor-Skandal hat die Finanzwelt erschüttert - nun zieht die britische Aufsichtsbehörde Konsequenzen. Statt vom nationalen Bankenverband soll der wichtige Referenzzinssatz künftig vom New Yorker Börsenbetreiber NYSE Euronext ermittelt werden.

New Yorker Börsenbetreiber NYSE: Neue Aufgabe
AFP

New Yorker Börsenbetreiber NYSE: Neue Aufgabe


London - Der Börsenbetreiber NYSE Euronext soll künftig für die Festlegung des Interbankenzinses Libor zuständig sein. Anfang 2014 werde das US-Unternehmen die Verantwortung von der britischen Bankenvereinigung BBA übernehmen, teilte die britische Finanzaufsicht FCA am Dienstag in London mit.

Rund um den Zinssatz war im vergangenen Jahr ein riesiger Finanzskandal ins Rollen gekommen. Aufsichtsbehörden weltweit ermitteln. Auch andere Referenzzinssätze wie der Euribor sollen manipuliert worden sein.

Die Aufseher arbeiten seit Monaten an Ideen, wie sich die Glaubwürdigkeit des Libor wiederherstellen lässt. Er ist einer der wichtigsten Referenzzinssätze für Hypotheken und andere Kredite. Von ihm hängen weltweit Finanzgeschäfte im Volumen von mehreren hundert Billionen Dollar ab.

Der Libor wird einmal täglich ermittelt. Bislang befragte der Bankenverband British Bankers' Association (BBA) 16 global tätige Banken, zu welchem Preis sie sich Geld von anderen Banken leihen könnten. Die Institute mussten dabei lediglich Einschätzungen abgeben, keine tatsächlichen Werte.

Dieses System war extrem manipulationsanfällig. So sollen die Banken zwischen 2007 und 2010 immer wieder getrickst haben, um Handelsgewinne einzustreichen. Aufsichtsbehörden weltweit ermitteln gegen mehr als ein Dutzend Institute, darunter die Deutsche Bank. Die Schweizer UBS Chart zeigen , die britische Barclays Chart zeigen und die Royal Bank of Scotland Chart zeigen mussten bereits Strafen von zusammen mehr als 2,5 Milliarden Dollar zahlen.

Fotostrecke

5  Bilder
Grafikstrecke: So funktioniert die Zinsmanipulation

stk/dpa/Reuters



insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Redigel 09.07.2013
1.
Zitat von sysopAFPDer Libor-Skandal hat die Finanzwelt erschüttert - nun zieht die britische Aufsichtsbehörde Konsequenzen. Statt vom nationalen Bankenverband soll der wichtige Referenzzinssatz künftig vom New Yorker Börsenbetreiber NYSE Euronext ermittelt werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/nyse-euronext-soll-kuenftig-libor-festlegen-a-910222.html
Puh, wenn das in amerikanischen Händen ist, dann können wir alle beruhigt sein, gell?!
ambulans 09.07.2013
2. raus!!
wenn die das jetzt auch noch in ihre kriffel kriegen sollten - was soll denn dadurch eigentlich besser werden? wo kamen noch einmal diese exotischen "wert"-papiere mit ihren absolut zusammengelogenen und unzutreffenden "beipack-zetteln" überhaupt her? war das nicht west-/nordwest-wärts?
snigger 09.07.2013
3. mhmmmm .. mein vorschlag
Zitat von sysopAFPDer Libor-Skandal hat die Finanzwelt erschüttert - nun zieht die britische Aufsichtsbehörde Konsequenzen. Statt vom nationalen Bankenverband soll der wichtige Referenzzinssatz künftig vom New Yorker Börsenbetreiber NYSE Euronext ermittelt werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/nyse-euronext-soll-kuenftig-libor-festlegen-a-910222.html
ich würde jeden börsenplatz (also new york, frankfurt, tokio usw.) einen eigenen referenzzins bilden lassen. denn 1.) konkurenz belebt das geschäft. 2.) gegenseitige kontrolle und transparenz. bei jedem handelsplatz würde ich per zufallsgenerator von den 16 (oder mehr oder weniger) banken auch noch immer eine bank von der neuberechnung rausnehmen ... dann sieht jeder, in was für einem casino er sich grade befindet ....
rreniar 09.07.2013
4. Ermittlung
Entscheidend ist doch, wie der Satz festgelegt wird, was sind die Ermittlungskriterien. Werden nun tatsächliche Geschäftszahlen zugrunde gelegt? Oder würfelt man den Satz aus, oder zieht Lose? Die New Yorker Börse befindet sich in der Hand von Banken und Finanzinvestoren - warum bitte sollte sie nun unparteiischer sein, als die Agentur zuvor. Man könnte ja den Satz gleich von Moodys, Standard & Poors und Fitch ermitteln lassen - die sind doch auch besonders gut darin verlässlich "bezahlte" Meinungen zu liefern!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.