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Occupy-Bewegung: Commerzbank-Chef fordert Nachdenken über Finanzmarktprodukte

Die Occupy-Frankfurt-Bewegung bringt auch Topmanager zum Grübeln. In einem SPIEGEL-Streitgespräch gibt Commerzbank-Chef Martin Blessing zu, dass die Protestierenden in vielen Punkten Recht haben.

Occupy-Demonstranten: Proteste haben Nachdenklichkeit ausgelöst Zur Großansicht
AFP

Occupy-Demonstranten: Proteste haben Nachdenklichkeit ausgelöst

Hamburg - Es kommt einer Ehrenerklärung von höchster Stelle gleich, wenn jemand wie Commerzbank-Chef Martin Blessing Verständnis für die Anliegen der Occupy-Frankfurt-Bewegung zeigt. "Ich sehe, dass es eine große emotionale Unzufriedenheit gibt", sagte Blessing in einem Streitgespräch im SPIEGEL mit Vertretern der Bewegung.

Mehr noch: Der Manager machte sich sogar einzelne Aspekte der Kritik zu eigen, etwa was die Sinnhaftigkeit bestimmter Finanzinstrumente betrifft. "Es gibt Produkte auf dem Finanzmarkt, von denen man sich fragt: Braucht man die überhaupt? Und es gibt Produkte, die haben Sinn, aber es kommt, wie bei einem Medikament, auf die Dosierung an."

In dem Streitgespräch kritisierten die Vertreter von Occupy Frankfurt, Axel Fialka und Alexander Sack, die Auswüchse auf den Finanzmärkten und forderten mehr Transparenz von der Branche. "Ich will nicht, dass mit meinem Geld zum Beispiel mit Nahrungsmitteln spekuliert wird, die sich dann viele Menschen nicht mehr leisten können", sagte Sack. "Das ist für mich Massenmord."

Blessing sprach sich unter anderem dafür aus, den Markt für Credit Default Swaps (CDS) insgesamt zu organisieren "wie einen Versicherungsmarkt". "Das heißt: Ich darf nur versichern, was ich auch habe." Zum Vergleich bezog Blessing sich auf den Immobilienmarkt: "Wer ein Haus kauft, tut gut daran, es gegen Feuer zu versichern", sagte er. "Aber Sie können es natürlich nicht doppelt versichern und im Fall des Falles den doppelten Betrag bekommen. Sonst entstünde ja ein Anreiz, das eigene Haus in Brand zu setzen."

Es gebe außerdem im Moment zu viel Liquidität im Markt, sagte Blessing, "und deshalb sehr viele Anlagegelder. Wir müssen zusehen, wie wir langsam wieder Liquidität aus dem Markt nehmen können".

mik

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1. Die Brandstifter
G2c 30.10.2011
Zitat von sysopDie Occupy-Frankfurt-Bewegung*bringt auch*Topmanager zum Grübeln. In einem SPIEGEL-Streitgespräch gibt Commerzbank-Chef Martin Blessing zu, dass die Protestierenden in vielen Punkten Recht haben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,794827,00.html
setzen sich an die Spitze der Gegenbewegung und rufen laut: "Haltet den Brandstifter" ! Es scheint sich hierbei um ein "Naturgesetz" des menschlichen Zusammenlebnes zu handeln, dessen Erfolgsquote in den vergangenen 10.000 Jahre bei fast 100% liegt.
2. Zu kurz gegriffen …
wika 30.10.2011
… so ehrbar sich diese Einsicht jetzt auch anhören mag, von dem Chef einer solchen Truppe hätte man mehr erwarten sollen, darf er aber nicht. Er ist verpflichtet einmal mehr ein Placebo unters Volks zu bringen, damit der Pöbel sich nicht zu arg erregt. Er selbst dürfte begriffen und verstanden haben, dass es unser Geld-System ist welches uns das Genick bricht, nicht der Euro, nicht eine einzelne Währung, alles nur Ablenkungsmanöver. Überspitzt gesagt, er kann und darf nicht mehr rauslassen, weil er sonst die finale Runde bei der gerade laufenden *„Optimierung der Volksausbeute“* … Link (http://qpress.de/2010/11/02/optimierung-der-volksausbeute/) gefährden würde, man würde ihn lynchen sofern er dies verraten würde. Ein wenig Sack und Asche muss aber sein, also sinnieren wir mal über ein paar böse Finanzmarktprodukte und schon sieht alle Welt wie wirklich besorgt und einsichtig die Banker sind. Nein, nur wieder eine weitere Nebelbombe! Das Geld-System mit seinem Zins- und Zinseszins und der daraus erwachsenden exponentiellen Geldmehrung bringt uns um, nichts anderes, aber dies möchte man besser unter der Decke halten. Die menschliche Arbeitskraft kann sich nicht exponentiell entwickeln, ergo müssen wir den Menschen immer weniger vom Profit für ihre Arbeit abgeben, Löhne runter und dazu über die Staatshaushalte verknechten, dort also den Zinsanteil erhöhen, weil der Mensch sich einfach nicht ausreichend verschuldet. Bitte ersetzen sie das Wort Schuldenkrise durch „Guthabenkrise“ und überlegen wer von der Guthabenkrise betroffen ist, es ist nur die andere Seite der Medaille.
3. .
OliverRöseler 30.10.2011
Na SpOn ?Immer noch nichts gemerkt oder wieder nur Meinungsmache? Occupy Frankfurt bringt den Herrn zum Nachdenken? Oder war es vielleicht die weltweite Empörung über die Finanzmärkte? Hauptsache alles kleinreden...
4. Nicht nur die Banken...
WolfHai 30.10.2011
Aus dem Artikel: ---Zitat--- Es gebe außerdem im Moment zu viel Liquidität im Markt, sagte Blessing, "und deshalb sehr viele Anlagegelder. Wir müssen zusehen, wie wir langsam wieder Liquidität aus dem Markt nehmen können". ---Zitatende--- Korrekt. Dieser Liquiditätsüberhang liegt nun nicht nur an den Banken, sondern eher an den staatlichen Zentralbanken, die aus Furcht vor Rezessionen seit etwas 10 bis 15 Jahren viel Geld in die Wirtschaft pumpen. Insgesamt hat diese Staatschulden- und Finanzkrise auch damit zu tun, dass eine von wirtschaftlichem Wissen völlig befreite politische Klasse keine Ahnung hat, wie man mit Wirtschaft umgeht, ohne dies aber zu wissen. Es ist, als ob sich ein 12-Jähriger in einen Formel-I-Rennwagen setzt und denkt, er könne das Rennen gewinnen: stattdessen wird er in der ersten oder zweiten Kurve rausfliegen, und wir können froh sein, wenn er nicht noch andere Leute mit in die Katastrophe reißt.
5. Hoffnung
Dr_Lecter 30.10.2011
Es wäre zu schön, wenn ein namhafter Banker tatsächlich daran mitwirkt, dass die schlimmsten Exzesse behoben werden. Das wäre sogar klug wenn nicht das gesamte Modell in absehbarer Zeit gegen die Wand fahren soll. Insofern würde man in eigenem Interesse handeln. Hoffen wir, dass Martin Blessing vernünftiger ist, als die anderen gierigen Haie im Bankensektor. Von einem Ackermann erwartet man nur egoistische Vorschläge, die für noch mehr Milliarden für die Banken sorgen. Blessing scheint einige Systemfehler immerhin nicht nur erkannt zu haben, sondern wird vielleicht dafür sorgen, dass die Commerzbank bestimmte Produkte nicht mehr – oder nur noch eingeschränkt zulässt. Leider wird das aber nichts bringen, weil die Anderen Banker nicht mitmachen. Im Grunde müssen die Politiker unverzüglich mehr regulieren. Die schlimmsten Produkte und Systemfehler sind bekannt. Wenigstens in Europa muss dem einhalt geboten werden. Das Argument, dass „die Märkte“ dann weiterwandern zieht nicht mehr. Jedenfalls nicht bei über 80 % der Bevölkerung. Dafür sind alle seit Beginn der Krise viel zu gut informiert. Da aber Blessings Sachverstand sicherlich von Nutzen ist, sollte Ackermann in sämtlichen Beraterteams der Regierung durch ihn sofort ersetzt werden. Trotz dem ich großer Bankenkritiker bin, sollte man Blessing eine Chance geben. Wenn er nichts bringt, wird er bei mir auf der Ackermann-Liste stehen.
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