OECD-Bericht: Deutschland hängt Euro-Zone ab

Der Euro-Raum kommt nicht aus der Krise. Während sich die Konjunktur laut dem neuesten Bericht der OECD in anderen Weltregionen erholt, hinkt Europa hinterher. Eine Ausnahme sehen die Forscher: Deutschland wächst deutlich schneller als der Rest der Währungsunion.

Autoproduktion in Deutschland: Kräftiges Wirtschaftswachstum in Sicht Zur Großansicht
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Autoproduktion in Deutschland: Kräftiges Wirtschaftswachstum in Sicht

Hamburg/Paris - Die Euro-Zone driftet nach Einschätzung des Industrieländer-Clubs OECD weiter auseinander. Während Deutschlands Wirtschaft laut Prognose der Experten kräftig wächst, kämpfen andere wichtige Staaten der Währungsunion wie Frankreich oder Italien mit großen Problemen. Die Euro-Zone bleibt auch global betrachtet der größte wirtschaftliche Krisenherd innerhalb der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Deutschland dürfte nach Einschätzung der OECD im ersten Halbjahr 2013 ein kräftiges Wirtschaftswachstum verzeichnen. In einem am Donnerstag in Paris vorgestellten Bericht der Organisation heißt es, im ersten Quartal dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland um 0,6 Prozent zulegen, im zweiten Quartal dann um fast 0,7 Prozent. Auf das gesamte Jahr gerechnet bedeutet dies einen Zuwachs von 2,3 beziehungsweise 2,6 Prozent.

Die Experten der OECD konstatieren ein deutliches "Auseinandergehen" zwischen dem Wachstum in Deutschland und dem in anderen Euro-Staaten. Für die nach Deutschland zweitgrößte Euro-Volkswirtschaft Frankreich liegt die Prognose für das laufende Quartal bei minus 0,2 Prozent. Weil die französische Wirtschaft auch schon Ende 2012 geschrumpft war, befände sich das Land damit in einer leichten Rezession. Erst im zweiten Quartal werde es wieder ein minimales Wachstum von rund 0,1 Prozent geben.

Bankenaufsicht für die Euro-Zone

Besondere Sorge bereitet der OECD die Lage auf dem europäischen Arbeitsmarkt. Vor allem in Spanien und Griechenland sind große Teile der Bevölkerung ohne Job. Gerade für Jugendliche ist die Lage vielerorts aussichtslos. Das schwache Wachstum werde die Situation verkomplizieren, teilten die Experten mit. "Die Beschäftigungssituation verschlechtert sich in vielen Länder weiter", sagte OECD-Chefvolkswirt Carlo Padoan. Das mache Reformen umso dringlicher.

In Deutschland sieht die Lage auf dem Arbeitsmarkt dagegen nach wie vor gut aus: Die Bundesagentur für Arbeit registrierte im März 3,098 Millionen Arbeitslose, wie die Behörde am Donnerstagmitteilte. Das seien 58.000 weniger gewesen als im Februar, aber 70.000 mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote sank um 0,1 Punkte auf 7,3 Prozent.

Mit Blick auf die schwierige Lage in Zypern empfiehlt die Organisation eine starke Bankenaufsicht für die Euro-Zone. Der Fall zeige, dass die richtigen Institutionen zum Erhalt der Stabilität des Bankensystems eingerichtet werden müssten.

In dem Zwischenbericht heißt es weiter, Zypern sei zwar ein "außergewöhnlicher Fall"; dieser zeige aber, dass Bankenkrisen "direkt und entschieden" entgegengetreten werden müsse. Die Euro-Zone bleibe verletzlich angesichts der Zerbrechlichkeit des Bankensystems und der hohen Schuldenlast der Euro-Staaten.

stk/AFP/dpa

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insgesamt 409 Beiträge
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1. Und trotzdem ...
politicalhank 28.03.2013
... Kommt nichts von dem Wachstum bei den Menschen in Deutschland an. Von den Eliten mal abgesehen. What a shame!
2. Sofort austreten
lini71 28.03.2013
Wir sollten sofort aus dem Euro austreten. Diese Währung sorgt einfach dafür, dass Deutschland , viel schneller wächst als andere europäische Staaten. So geht das nicht. Ich will die alte D Mark wieder bekommen und wieder Rezession haben! :-) Wer in dem Beitrag Ironie findet, darf Sie behalten..
3. korrekt
oaonorm1 28.03.2013
müsste man sagen, "Deutschland bremst die EU Konjunktur aus und profitiert durch Exportüberschüsse von der Entwicklung. Wie lange kann das noch so weiter gehen, bis das System Exportüberschuss kolabiert?". Dann einen guten auf Fakten basierenden Artikel und nicht dieses Glaskugelgeplapper. Das kann man im Spiegel aber nicht(mehr) erwarten...
4. konnte man drauf warten
_meinemeinung 28.03.2013
Ich habe sie schon drauf gewartet auf die allgemeine WirtschaftsJubelMeldung, die den Michel wieder zufriedenstellen soll mit den Finanzindustriesklaven, die sich Regierung nennen.... viel zu durchsichtig, um wirksam zu sein.
5.
zynik 28.03.2013
Zitat von sysopDer Euro-Raum kommt nicht aus der Krise. Während sich die Konjunktur laut dem neuesten Bericht der OECD in anderen Weltregionen erholt, hinkt Europa hinterher. Eine Ausnahme sehen die Forscher: Deutschland wächst deutlich schneller als der Rest der Währungsunion. OECD: Deutschland zieht dem Rest der Euro-Zone davon - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/oecd-deutschland-zieht-dem-rest-der-euro-zone-davon-a-891500.html)
Fragt eigentlich noch irgendwer warum, wohin und für wen "gewachsen" werden muss? Der Natur ist unendliches Wachstum jedenfalls unbekannt.
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