Konjunktur OECD senkt Wachstumsprognose für Deutschland deutlich

Die Wirtschaft in Deutschland wird laut OECD in diesem Jahr spürbar schwächer wachsen als erwartet. Auch die weltweite Konjunktur kränkelt.

Montage einer Dampfturbinenanlage: Das Wachstum in vielen Schwellenländern verlangsamt sich
DPA

Montage einer Dampfturbinenanlage: Das Wachstum in vielen Schwellenländern verlangsamt sich


Die OECD hat ihre Wirtschaftsprognose erneut gesenkt - was auch damit zu tun hat, dass sich in vielen Schwellenländern die Konjunktur abgekühlt hat.

Für dieses Jahr rechnen die Experten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) nur noch mit einem weltweiten Wachstum von drei Prozent, heißt es in einem Zwischenbericht. Das sind 0,3 Prozentpunkte weniger als im halbjährlichen Wirtschaftsbericht der Organisation vom November angenommen. Auch für das kommende Jahr senkten sie die Prognose in gleicher Höhe auf 3,3 Prozent.

Deutlich schlechter sieht es den Experten zufolge inzwischen für Deutschland und die Eurozone aus. Für die Bundesrepublik erwartet die OECD dieses Jahr eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,3 Prozent, 2017 von 1,7 Prozent. Im November lag die Prognose des Industrieländerklubs noch bei 1,8 beziehungsweise 2,0 Prozent. In der Eurozone erwartet die Organisation in diesem Jahr ein Wachstum von 1,4 Prozent und im kommenden Jahr von 1,7 Prozent.

In vielen Schwellenländern verlangsame sich das Wachstum, in den Industrieländern verlaufe die Erholung "sehr bescheiden". Handel und Investitionen blieben schwach. Eine schleppende Nachfrage führe laut OECD zu niedriger Inflation und unzureichendem Lohn- und Beschäftigungswachstum.

Besonders deutlich reduzierten die Experten die Erwartungen für Brasilien. Aber auch die Aussichten für die USA, den Euroraum, Großbritannien und Japan sind ungünstiger. Unter dem Strich dürfte die Weltwirtschaft in diesem Jahr nicht stärker als im vergangenen Jahr wachsen, erwartet die OECD.

Risiken für die Finanzstabilität

Als Gegenmittel fordert die Organisation ein gemeinsames Vorgehen zur Stärkung der Nachfrage, insbesondere über schuldenfinanzierte öffentliche Investitionen. "Die Regierungen in vielen Ländern sind derzeit in der Lage, sich für lange Zeiträume zu sehr niedrigen Zinsen Geld zu leihen, was im Endeffekt den fiskalischen Spielraum erhöht", schreibt die OECD. Ergänzend empfiehlt die OECD wirtschaftliche Strukturreformen auf der Angebotsseite - also bessere Rahmenbedingungen für Unternehmen.

China wird eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums vorausgesagt, von 6,5 Prozent in diesem Jahr auf 6,2 Prozent 2017. Im kriselnden Schwellenland Brasilien rechnet die OECD in diesem Jahr mit einer schweren Rezession mit einem Schrumpfen der Wirtschaft um vier Prozent.

Zugleich warnt die OECD mit Verweis auf den extrem schwachen Jahresstart an den Börsen und die starken Kursschwankungen vor erheblichen Risiken für die Finanzstabilität. Zudem seien einige Schwellenländer besonders anfällig für scharfe Wechselkursbewegungen. Auch wird auf die dort teils hohe Verschuldung in ausländischer Währung, zumeist von Unternehmen und in US-Dollar, verwiesen.

Untersuchung von Konjunkturprognosen

brt/dpa/AFP

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insgesamt 34 Beiträge
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Spiegelleserin57 18.02.2016
1. keine Sorge...
schlechte Prognosen gab es schon oft und ca 2 Wochen später kamen wieder gegenteiligen Meldungen. Man weiß nicht was man noch glauben soll!
Zaphod 18.02.2016
2. Feinfühligkeit
Da sind wir ja alle gespannt, wie sich ein spürbar geringeres Wachstum anfühlt. In den letzten Jahren war das Wachstum ja schon enorm spürbar - bei allen und bei jedem. Es ist doch absurd, wenn Veränderungen im Kommabereich so dargestellt werden, als ob sie wesentlich und fühlbar wären. Den meisten Menschen wird es mit dem geringeren Wachstum weder besonders schlechter gehen, noch ginge es ihnen bei höherem Wachstum besonders besser. Einzig die Statistiker mögen bei der Ermittlung der Zahlen etwas spüren - dafür sind sie ja auch Statistiker geworden!
kassandra21 18.02.2016
3. Teil des Problems
>Als Gegenmittel fordert die Organisation ein gemeinsames Vorgehen zur Stärkung der Nachfrage, insbesondere über schuldenfinanzierte öffentliche Investitionen. "Die Regierungen in vielen Ländern sind derzeit in der Lage, sich für lange Zeiträume zu sehr niedrigen Zinsen Geld zu leihen, was im Endeffekt den fiskalischen Spielraum erhöht", schreibt die OECD. Ergänzend empfiehlt die OECD wirtschaftliche Strukturreformen auf der Angebotsseite - also bessere Rahmenbedingungen für Unternehmen.< Prima Idee. Mehr Schulden machen, damit irgendwelche Geisterprojekte finanzieren und neue Blasen erschaffen. Hauptsache, BIP und so. Und die armen, gebeutelten Unternehmen müssen dringend von allem befreit werden. Steuern, Umweltvorschriften, Arbeitnehmerrechten - was halt so hinderlich ist. Mehr von dem ganzen Schrott, der uns in die aktuelle Lage gebracht hat, soll der Welt da raushelfen. Ich kann dieses wirtschaftsphilosophische Gemurmel nicht mehr länger ertragen, das ist doch kompletter Blödsinn! Buchempfehlung für dei OECD: Grenzen des Wachstums, Ausgabe 2004.
spontanistin 18.02.2016
4. Kreative Buchführung
Man wird die Zahlen schon wie immer so hintricksen, wie es den Steuermännern im Hintergrund in den Kram paßt. Die Reichen werden mit Gewißheit immer reicher und heizen garantiert nicht den Konsum an!
kuac 18.02.2016
5.
Zitat von Spiegelleserin57schlechte Prognosen gab es schon oft und ca 2 Wochen später kamen wieder gegenteiligen Meldungen. Man weiß nicht was man noch glauben soll!
So ist es. Finanz/Börsenberichte sind wie Wetterberichte. Es bleibt entweder so oder es ändert sich.
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