Angriff auf Großkonzerne OECD legt globale Regeln gegen Steuertricks vor

Starbucks, Apple, Amazon: Internationale Konzerne verschieben ihre Gewinne gerne dorthin, wo die Steuern am niedrigsten sind. Damit soll künftig Schluss sein: Mit einem 15-Punkte-Plan will die OECD dem Treiben ein Ende bereiten.

Starbucks-Filiale in London (Archiv): Ziel der OECD ist es, Steuern zu kassieren, wo Geschäfte gemacht werden
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Starbucks-Filiale in London (Archiv): Ziel der OECD ist es, Steuern zu kassieren, wo Geschäfte gemacht werden


Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat am Montag in Paris einen 15-Punkte-Plan gegen Steuerflucht und Gewinnverlagerung vorgelegt.

Damit sollen legale Schlupflöcher gestopft werden, durch die global agierende Konzerne wie Apple, Amazon, Google oder Starbucks ihre Steuerlast senken. Die Finanzminister der führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) wollen das Paket diese Woche am Rande der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Lima beschließen. Durch Gewinnverschiebungen gehen den Staaten jährlich schätzungsweise 100 bis 240 Milliarden US-Dollar verloren.

Multinationale Konzerne zahlen kaum Ertragssteuer

Globale Konzerne erzielen hohe Gewinne, verschieben aber ihre Erlöse von Hochsteuer- in Tiefsteuerländer, so dass sie kaum Ertragsteuer zahlen. Dabei nutzen sie international nicht abgestimmte Steuerregeln, Briefkastenfirmen und nationale Rabatte.

Ziel von OECD und G20 ist es, Steuern zu kassieren, wo Geschäfte gemacht werden. Unter anderem müssen multinationale Konzerne nach Ländern aufgeschlüsselte Kennziffern vorlegen, die die Finanzbehörden der Länder unter Wahrung des Steuergeheimnisses untereinander austauschen können. OECD-Generalsekretär Angel Gurría sagte: "Die Maßnahmen bedeuten für das internationale Steuerrecht die größte Veränderung seit fast einem Jahrhundert." Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sprach von einem "Meilenstein".

Neben Offenlegungsregeln sind auch Grundsätze zur Besteuerung von Internet-Firmen und Online-Händlern, Berichtspflichten und Schiedsgerichte sowie Offenlegungsregeln geplant. Einige Regeln müssen noch von den Parlamenten der Länder beschlossen werden. Viele Länder werden auch künftig mit Steueranreizen werben. Kritiker gehen davon aus, dass der Unterbietungswettlauf bei Steuern anhält.

mka/dpa

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insgesamt 43 Beiträge
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Seite 1
happy2010 05.10.2015
1.
Eine Alibiveranstaltung Solange es Staaten gibt, die Einkünfte je nach Herkunft oder Art deutlich unterschidlich besteuern, solange flüchten Konzerne Bereits heute finden 2/3 aller weltweiten Warengeschäfte innerhalb Konzerninterner Strukturen statt, mit dem Ziel, Steuern zu sparen. Und wenn Bosch seine Waschmaschinenersatzteile aus Honkong zu 99,99 bezieht, (und dort mit der Boschtochter 99,98 Euro Gewinn macht), dann geschieht das deswegen, weil dieser Gewinn in Honkong nicht besteuert wird Daher: Weltweiter Mindeststandart vpn 25%
horstenporst 05.10.2015
2. Die Nachricht hör ich wohl
...allein mir fehlt der Glaube. Siehe: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/steuervorbescheide-informationsaustausch-unter-eu-staaten-a-1055978.html
MephistoX 05.10.2015
3. Endlich ...
... mal ein theoretisch vernünftiger Ansatz, die Großkonzerne angemessen fiskalpolitisch in die Pflicht zu nehmen. Doch mir fehlt der Glaube, dass die Theorie auch zur Praxis wird ... Also mal abwarten, ob sich das Ganze letztendlich nicht nur als Worthülsen entpuppen wird, währenddessen die Konzerne munter weiter "Bilanzen" schieben und auslagern :o
denkdochmal 05.10.2015
4. Längst überfällig!
Es sind jedoch bei Weitem nicht nur die von Ihnen genannten Firmen, sondern auch etliche deutsche Konzerne darunter, die Sie nicht benannte haben. Warum eigentlich nicht? Ich bin sicherlich nicht allein mit der Auffassung, daß es sich um unglaubliche Dreistigkeiten handelt, wenn man im "eigenen Land" die Steuern verkürzt und "selbstverständlich" verlangt, daß eine bestens gestaltete, permanent verfügbare Infrastruktur zu ihrem geschäftlichen Erfolg bereit gestellt wird. Zahlen dürfen dann die zur Treue gezwungenen Arbeitnehmer und die kleinen Betriebe. Der Skandal ist, daß man es überhaupt so weit kommen ließ. Der weitere Skandal liegt schon in der Luft, weil sich IQ-Titanen verschiedener EU-Regierungen erneut einen unsolidarischen, idiotischen Wettbewerb um die Steuereinnahmen liefern werden. Angesichts der bislang praktizierten Usancen ist außerdem ein bestenfalls mittelprächtiges Machwerk zu erarten.
eSVau 05.10.2015
5. Vielleicht bin ich zu blauäugig
Was spricht eigentlich dagegen prinzipiell den Umsatz und nicht den Gewinn zu besteuern (mit entsprechend angepassten Steuersätzen). Wenn ein Unternehmen mit besteuertem Umsatz nicht überleben kann, stimmt sowieso was nicht - ansich sollte jedes Unternehmen (langfristig) Gewinn erwirtschaften oder mindestens inkl. Steuern eine Null stehen haben. Unternehmen X verkauft ihr "pseudolizensiertes" Irgendwas, bei dem es hier angeblich nur 0.00001Eur Gewinn erwirtschaftet, dabei aber einen Umsatz von 100000Eur erzeugt. Wenn ich es richtig verstehe wird nur Gewinn besteuert und nur einmal und alle rechnen sich klein durch Lizenzkosten, Schulden, etc. Ich muss zugegeben, ich blicke durch Steuergesetze nicht durch. Politiker traue ich noch weniger zu, aber ich verstehe auch nicht, wieso unsere Politiker nicht sämtliche Steuergesetzgebung radikal vereinfachen. Sehr einfach formuliert: absolut keine Subventionen/Absetzbarkeiten/etc., dafür niedrige Steuer auf Alles - vielleicht noch einen Freibetrag als "Bagatellegrenze" - fertig
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