Öko-Shopping dank Subventionen Deutsche kaufen massenhaft Solaranlagen

Die Konjunktur lahmt, doch die Solarbranche boomt. Laut Bundesnetzagentur wurden in den vergangenen zwölf Monaten Anlagen mit einer Gesamtkapazität von mehr als 2000 Megawatt installiert - deutlich mehr als geplant. Jetzt sollen die Solarsubventionen stärker sinken als vorgesehen.

Solarpanel: Kritiker fordern eine noch drastischere Kürzung der Subventionen
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Solarpanel: Kritiker fordern eine noch drastischere Kürzung der Subventionen


Bonn - Die Deutschen kaufen im großen Stil Solaranlagen: Trotz Wirtschaftskrise wurden in den vergangenen zwölf Monaten Anlagen mit einer Gesamtkapazität von 2340 Megawatt installiert. Das meldet die Bundesnetzagentur. Damit sei der im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgehaltene Schwellenwert von 1500 Megawatt deutlich überschritten worden, sagte Behörden-Chef Matthias Kurth am Freitag in Bonn.

Ab diesem Schwellenwert greift eine automatische Regelung aus dem EEG: Ab kommendem Jahr sinkt die Vergütung für Solarstrom um einen Prozentpunkt stärker als ursprünglich vorgesehen. Für Standardanlagen bis zu 100 Kilowatt schrumpft der Zuschuss von derzeit 43 Cent damit um neun Prozent, für Großanlagen sogar um elf Prozent.

Vielen Kritikern ist diese Absenkung aber immer noch zu wenig. Sie argumentieren mit dem hohen Absatzwachstum in Deutschland - und mit dem enormen Preisverfall für die Anlagen. "Die Vergütungssätze würden auch bei 30 Prozent Absenkung noch deutlich über den Herstellungskosten der Solarbranche liegen", sagt Bernd Schüßler vom Branchenmagazins "Photon". "Solarstrom lässt sich heute bereits viel billiger produzieren, als es die Höhe der Einspeisevergütung vermuten lässt."

Tatsächlich hat die neue Bundesregierung eine Überprüfung der Vergütungssätze angekündigt. Wann es so weit ist, steht aber noch nicht fest.

Endspurt am Jahresende

Mit dem EEG sollen die noch nicht wettbewerbsfähigen regenerativen Energien gefördert werden. Die Mehrkosten gegenüber herkömmlichem Strom zahlen die Verbraucher über ihre Stromrechnung. Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) hatte zuletzt Gesamtkosten von 53,3 Milliarden Euro für die von 2000 bis 2010 errichteten Solaranlagen berechnet. Je mehr Anlagen installiert werden, desto höher werden die Kosten.

Allein in den ersten neun Monaten des Jahres wurden laut Bundesnetzagentur Anlagen mit einer Kapazität von 1471 Megawatt errichtet. Das ist fast so viel wie die 1650 Megawatt im gesamten Vorjahr.

Und das Wachstum geht weiter: Experten rechnen im letzten Quartal noch einmal mit einem beschleunigten Zubau, da sich viele Investoren die in diesem Jahr noch höhere Förderung sichern wollen. Wer in diesem Jahr eine Anlage ans Netz bringt, bekommt die Vergütung von 43 Cent je Kilowattstunde Solarstrom 20 Jahre lang garantiert. Zum Vergleich: Strom aus der Steckdose kostet laut Verbraucherportal Verivox rund 22 Cent.

Das Rennen machen chinesische Hersteller

Für Anlagenbesitzer bedeutet dies nach Expertenmeinung hohe Einkommen: Weil die Preise für Solaranlagen deutlich sanken, seien in sonnenreichen Regionen bereits zweistellige Renditen möglich.

Was die Käufer einer Solaranlage freut, geht zu Lasten der Hersteller. Vor allem deutsche Produzenten geraten angesichts des Preisverfalls unter Druck, der deutsche Markt wird immer mehr von chinesischen Anbietern beliefert.

Das bekommt auch der größte deutsche Solarkonzern Solarworld Chart zeigen zu spüren. Im dritten Quartal muss das Unternehmen wohl einen Gewinneinbruch verbuchen. Analysten rechnen im Schnitt mit einem Gewinnrückgang um rund 58 Prozent auf 38 Millionen Euro.

wal/dpa-AFX/Reuters



Forum - Atom oder Solar - wem gehört die Zukunft?
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Frank und gerne Frei 08.07.2009
1.
Sinnvoll ist es, beides zu haben....
AndyH 08.07.2009
2.
Zitat von sysopDie Strombranche befindet sich im Umbruch. Können Wind und Sonne die konventionellen Energieträger ablösen? Oder bleibt Deutschland angewiesen auf Kohle und Atom?
Es gibt kein "Umbruch" nirgendwo. Jeder arbeitet mit dem was er hat. Es wird sich langfristig nichts ändern, ausser durch Staatsterror in Form von EEG. Deutschland hat die Braunkohle in Mengen wie Irak Öl. Es wäre hirnrissig jetzt eine Ideologie zu installieren, der dies entwertet. Solar und andere flächengebundene "regenerative" Energien sind vernachlässigbar, bis auf Wasser das ist aber ausgereizt.
kdshp 08.07.2009
3.
Zitat von sysopDie Strombranche befindet sich im Umbruch. Können Wind und Sonne die konventionellen Energieträger ablösen? Oder bleibt Deutschland angewiesen auf Kohle und Atom?
Hallo, was für eine frage ! Natürlich sonnenstrom und das wird kommen zwar arbeiten die lobbys und politiker noch stark dagegen aber er wird kommen. Ich schaue auch schon was eine solarstromalange für mein haus kostet bzw. ich spare schon dafür und werde mir zu 100% eien holen. Hier hätte die regierung auch was machen sollen ähnlich wie diese abwrackprämie so eien art 100.000 dächer solar programm. man was hätten wir an energie gespart und auch an co2. Atomstrom war gestern !
LumpY 08.07.2009
4.
Zitat von AndyHEs gibt kein "Umbruch" nirgendwo. Jeder arbeitet mit dem was er hat. Es wird sich langfristig nichts ändern, ausser durch Staatsterror in Form von EEG. Deutschland hat die Braunkohle in Mengen wie Irak Öl. Es wäre hirnrissig jetzt eine Ideologie zu installieren, der dies entwertet. Solar und andere flächengebundene "regenerative" Energien sind vernachlässigbar, bis auf Wasser das ist aber ausgereizt.
Sie kennen aber schon die Klimastudien des IPCC? Die Braunkohle nicht entwerten!? hallo? das ist weder der Umwelt noch unseren Nachfahren gegenüber zu Verantworten auf solch eine Energiegewinnung zu setzten.
AndyH 08.07.2009
5.
Zitat von LumpYSie kennen aber schon die Klimastudien des IPCC? Die Braunkohle nicht entwerten!? hallo? das ist weder der Umwelt noch unseren Nachfahren gegenüber zu Verantworten auf solch eine Energiegewinnung zu setzten.
Interessiert defacto keinem, ausser als Möglichkeit die Luft zu besteuern. Unser nachfahren wird nicht dadurch geholfen, dass wir das Land deindustrialisieren bis aussieht wie Michigan.
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