Ökostrom: Solarsubventionen übersteigen 100-Milliarden-Euro-Schwelle

2011 gingen in Deutschland Photovoltaik-Anlagen mit einer theoretischen Gesamtleistung von 7500 Megawatt ans Netz, so viel wie nie zuvor. Nun explodieren nach SPIEGEL-Informationen die Subventionskosten, die Zeche dürfte der Verbraucher zahlen. Das sorgt in der CDU für Zoff.

Sonnenkollektoren im Solarpark in Leutkirch: "Der Subventionsbedarf wächst und wächst" Zur Großansicht

Sonnenkollektoren im Solarpark in Leutkirch: "Der Subventionsbedarf wächst und wächst"

Hamburg - Die Subventionen für die im vergangenen Jahr neuinstallierten Photovoltaikanlagen werden die Stromkunden in den nächsten Jahren mit real etwa 18 Milliarden Euro belasten. Zu diesem Ergebnis kommt das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI). "Der Subventionsbedarf wächst und wächst", so RWI-Experte Manuel Frondel im SPIEGEL. Werden alle bereits eingegangenen Förder-Verpflichtungen zusammengerechnet, sei "die 100-Milliarden-Euro- Marke jetzt geknackt".

Das RWI rechnet damit, dass der mit der Stromrechnung erhobene Ökostromaufschlag demnächst wieder steigen wird. Derzeit beträgt dieser 3,59 Cent pro Kilowattstunde Strom; die Bundesregierung hat eigentlich versprochen, ihn auf 3,5 Cent zu begrenzen. Doch wegen der jüngsten Entwicklung sagt RWI-Forscher Frondel einen Zuschlag von demnächst bis zu 4,7 Cent pro Kilowattstunde voraus. Eine Durchschnittsfamilie mit einem Kind würde dann über den eigentlichen Strompreis hinaus mit knapp 200 Euro im Jahr belastet.

Im vergangenen Jahr gingen in Deutschland Photovoltaik-Anlagen mit einer theoretischen Gesamtleistung von 7500 Megawatt ans Netz, so viel wie nie zuvor. Jede neue Anlage hat Anspruch auf 20 Jahre Förderung.

Unions-Fraktionsvize attackiert Röttgen

Der stellvertretende Chef der Unions-Bundestagsfraktion, Michael Fuchs (CDU), macht Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) für die steigenden Strompreise aufgrund der ausufernden Solarförderung verantwortlich. "Ich verstehe nicht, warum bis jetzt nichts getan wurde, um zu verhindern, dass der Strompreis durch die erneuerbaren Energien für Bürger und Unternehmen kräftig steigt. Norbert Röttgen hätte längst gegensteuern müssen", sagte Fuchs dem SPIEGEL.

"Es kann nicht sein, dass über 50 Prozent der Fördermittel in die Solarenergie gehen, die rund drei Prozent zur Stromherstellung beiträgt. Herr Röttgen muss diesen Irrsinn beenden." Zusagen, der Ökostromaufschlag bei der Stromrechnung lasse sich auf 3,5 Cent pro - Kilowattstunde begrenzen, halte er für "utopisch", so Fuchs. "Ich befürchte einen weiteren Anstieg. Röttgen muss jetzt schnell Maßnahmen ergreifen, um explodierende Strompreise zu verhindern."

Fuchs fordert, den Ausbau von Solarstrom auf "500 bis maximal 1000 Megawatt im Jahr" zu begrenzen. "Sonst wird der Strom unbezahlbar. Wir erleben gerade eine Umverteilung von unten nach oben: Hartz-IV-Empfänger oder Mieter zahlen die Solaranlagen von wohlhabenden Hausbesitzern und all denen, die ein Dach haben, auf das sie eine Photovoltaik-Anlage setzen können", so der CDU-Politiker.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 1924 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. PR der Stromlobby
dachauerthomas 14.01.2012
Super PR der Stromlobby. Beim Solarstrom wird öffentlich jeder Cent zusammengezählt, der für die Einführung der regenerativen Energieerzeugung gezahlt wird. Beim Atomstrom werden die Zahlen bis heute verheimlicht. Selbst die Polizeieinsätze bei den Castortransporten werden von der Allgemeinheit bezahlt, die Absicherung der Risikos der AKW, kein Versicherungskonzern der Welt bietet hier eine Absicherung an, bleibt bei der Allgemeinheit. Nur weil beim Solarstrom die großen Konzerne (noch) nicht mit abkassieren wird hier massiv Stimmung gemacht.
2. Solarförderung...
stubborn 14.01.2012
ist keine Subvention. Wann wird das endlich auch von Sachjournalisten kapiert? Solarstrom-Einspeisung ist eine marktmäßige Gegenleistung. Wenn einer das "marktmäßig" als überteuert hinterfragen will, rate ich zu einem Studium der realen Kosten z.B. der Atom- oder auch Kohlestromerzeugung. Solarförderung wird von allen Nutzern bezahlt (EEG) - nicht vom Staat. Solange sie aber mit den unseligen Subventionen für andere Industrien ("Abwrackprämie, Agrarindustrie) in einen Topf geworfen wird, wird sie den Makel des künstlich erzeugten Bedarfs nicht los - und erzeugt auch weiterhin die dümmlichen Kommentare, die man auch hier in SPON bewundern darf. BTW: hier in Großbritannien wächst die Bewunderung für das EEG und der Neid auf das enorme Wirtschafts- und Beschäftigtenwachstum, dass der deutsche Weg mit sich gebracht hat.
3. ich verstehe nicht
marthaimschnee 14.01.2012
wieso ich dieses Berliner Kaspertheater finanzieren muß! Hurra Energiewende...och nö, doch zu teuer - dem armen Verbraucher sind noch ein paar Euro in die Zukunft schließlich nicht zuzumuten, wenn durch eine private Zusatzrentenversicherung, eine bald kommende private Zusatzpflegeversicherung und bestimmt bald auch eine private Zusatzarbeitslosversicherung jedesmal um die 4% aus der Lohntüte gestohlen werden (und die werden tatsächlich gestohlen, denn im Gegenzug kürzt man die staatlichen Leistungen)! Und dann muß er ja schließlich auch noch die Gier der Banken und die Pleite der dadurch herbeigeführten Staaten finanzieren. Alles prächtige Investitionen in die Zukunft, die sich ganz sicher rechnen werden. Solarstrom nicht! Ganz bestimmt nicht! Dabei ist die Solarförderung doch ganz auf neoliberaler Linie: es werden die belohnt, die investieren können. Und das Geld dafür nimmt man von denen, die sich nicht wehren können.
4.
einbelgier 14.01.2012
Zitat von stubbornist keine Subvention. Wann wird das endlich auch von Sachjournalisten kapiert? Solarstrom-Einspeisung ist eine marktmäßige Gegenleistung. Wenn einer das "marktmäßig" als überteuert hinterfragen will, rate ich zu einem Studium der realen Kosten z.B. der Atom- oder auch Kohlestromerzeugung. Solarförderung wird von allen Nutzern bezahlt (EEG) - nicht vom Staat. Solange sie aber mit den unseligen Subventionen für andere Industrien ("Abwrackprämie, Agrarindustrie) in einen Topf geworfen wird, wird sie den Makel des künstlich erzeugten Bedarfs nicht los - und erzeugt auch weiterhin die dümmlichen Kommentare, die man auch hier in SPON bewundern darf. BTW: hier in Großbritannien wächst die Bewunderung für das EEG und der Neid auf das enorme Wirtschafts- und Beschäftigtenwachstum, dass der deutsche Weg mit sich gebracht hat.
Die *Zwangse*inspeisung und die *Zwangs*umlage durch das EEG machen Ihre Aussage zur Makulatur. Andere Länder haben einen Deckel, nur Deutschland glaubt sich einen ungebremsten PV-Zubau leisten zu können. Ein Irrtum.....
5. Soziale Gerechtigkeit ;)=
tillwill 14.01.2012
Das mit den reichen Hausbesitzern, welche von Harz IV Beziehern gesponsort werden, ist zwar richtig verstanden, aber eigentlich nur Krümelkram. Schaut' euch mal die Scheunen und Gehöfte von Landwirten an, besonders im Süden Deutschlands. Da versteht man den Begriff Subventionen noch besser. Ach so, nicht vergessen sollte man die Kapitalinvestoren, die über Anteile an den richtig großen PV-Anlagen massiv EEG-Subventionen einstreichen. Eine bessere Anlage gibt's derzeit nicht, da hier der deutsche Stromkunde für die Rendite gerade steht. Das sind ganz andere Größenordnungen als die Häusle-PVs. Das gleiche Spiel läuft nebenbei gesagt auch beim Wind ab. Hier geht der Löwenanteil von EEG-Zahlungen ebenfalls an Rentenfonds und andere Großinvestoren. Falls noch jemand an soziale Gerechtigkeit in Zusammenhang mit Erneuerbaren Energien glaubt, der kann auch gleich an den Weihnachtsmann glauben. Macht das Leben schöner, hat aber leider nichts mit der Realität zu tun.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema Solarenergie
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 1924 Kommentare

Fotostrecke
Energie-Gadgets: Rucksack, Schiff, Solar-Gorilla
Fotostrecke
Grafiken: Wie Öko- und Atomstrom konkurrieren